Fricktal
«Das rückt uns alle in ein schlechtes Licht» – Hundehalter ärgern sich mit den Gemeinden über Robidog-Sünder

Immer wieder müssen Gemeinden Hundehalterinnen und -halter darauf hinweisen, den Kot ihrer Vierbeiner vorschriftsgemäss zu entsorgen. Zuletzt kam es in Zeiningen vermehrt zu Reklamationen. Das ärgert nicht nur die Gemeinden und deren Einwohnerinnen und Einwohner – sondern auch andere Hundehalter.

Nadine Böni
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Immer wieder ärgern sich Gemeinden über Hundehalter, die keine Robidog-Säckli benutzen – aktuell Zeiningen.

Immer wieder ärgern sich Gemeinden über Hundehalter, die keine Robidog-Säckli benutzen – aktuell Zeiningen.

Aargauer Zeitung

Die Gemeinde Zeiningen versucht es diesmal mit Humor: «Dürfen wir euch vorstellen: der Robidog-Kasten. Er ist zum Entsorgen von Hundekot gedacht.» So beginnt ein Post auf dem offiziellen Facebook-Kanal der Gemeinde. 25 Robidog-Kästen stünden in ganz Zeiningen, heisst es weiter. Und: Viele Hundehalterinnen und Hundehalter würden sie auch nutzen – «doch einige haben wohl noch nie etwas davon gehört.»

Livia Grossmann lacht, als sie auf den Post angesprochen wird. Die stellvertretende Gemeindeschreiberin hat ihn verfasst. Sie erklärt:

«Der Grund ist, dass in den vergangenen Tagen und Wochen wieder vermehrt Reklamationen zur Thematik eingegangen sind.»

Nach mehreren ernsten Hinweisen in den Publikationen der Gemeinde soll nun vielleicht der lustige Unterton helfen, auf das Problem aufmerksam zu machen. Motto: Nützt's nichts, so schadet's nichts.

Nicht immer steckt Absicht dahinter

Liegengelassene Hundehaufen am Wegesrand, im Wald, auf Wiesen oder Gehwegen sorgt immer wieder für Ärger bei Mitmenschen und Gemeinden – aber speziell auch bei anderen Hundehalterinnen und Hundehaltern. So sagt etwa Vanessa Picard, Leiterin der Hundeschule Vanessa in Frick: «Das rückt uns alle in ein schlechtes Licht. Das ist wirklich schade.»

Vanessa Picard, Leiterin der Hundeschule Vanessa in Frick, mit ihren beiden Hunden Rocco (links) und Divya (rechts).

Vanessa Picard, Leiterin der Hundeschule Vanessa in Frick, mit ihren beiden Hunden Rocco (links) und Divya (rechts).

zvg

Sie vermutet, dass hinter den liegengelassenen Hundehaufen oftmals schlicht Ignoranz von Herrchen und Frauchen stecke:

«Dass man nicht gewusst habe, dass der Hundekot entsorgt richtig gehört, muss mir niemand sagen. Es liegt in vielen Fällen einfach an der Gemütlichkeit.»

Janine Dörflinger, Leiterin der Hundeschule Amazing Basic Cool Dog in Zeiningen, nimmt zumindest einen Teil der Hundehalter in Schutz. «Es gibt sicher solche, denen es einfach egal ist», sagt sie, aber: «Es kommt auch vor, dass die Säckli-Rollen bei den Robidog-Kästen leer sind oder die Halter gar nicht bemerken, dass ihr Hund einen Haufen hinterlassen hat.»

Letzteres beobachtet sie etwa dann, wenn Herrchen und Frauchen in Gruppen mit ihren Vierbeinern spazieren gehen. «Dass Hundehaufen liegen bleiben, passiert nicht immer in voller Absicht», ist Dörflinger überzeugt.

Sie nehmen auch fremde Haufen mit

Dass die Häufchen dann bei anderen Passantinnen und Passanten für Ärger sorgen, verstehen allerdings sowohl Dörflinger als auch Picard nur zu gut. Ihnen geht es schliesslich nicht anders. Picard sagt es so:

«Nur, weil ich selber Hunde habe, finde ich es nicht weniger eklig, aus Versehen in einen Haufen zu treten.»

Beide Hundeschulleiterinnen sind überzeugt: Es sind nur die wenigsten Hundehalter, die sich partout und absichtlich nicht um die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner kümmern. «Für viele ist es dagegen eine absolute Selbstverständlichkeit, dass sie die Hundehaufen mitnehmen», sagt Picard.

Sie wisse etwa von Kursteilnehmern aus ihrer Hundeschule, dass sie ab und zu sogar extra unterwegs seien, um fremde Hundehaufen wegzuräumen, sagt Picard weiter. Sie selber macht das ebenfalls. Und auch Janine Dörflinger nimmt schon mal einen fremden Hundehaufen mit, wenn sie einen entdeckt, wo er andere stören könnte. Sie sagt:

«Wenn ich jemanden beobachte, der den Kot seines Hundes nicht mitnimmt, spreche ich ihn darauf an.»

Picard und Dörflinger machen sich allerdings keine Illusionen: Beide glauben nicht, dass sich das Problem so schnell lösen lässt. «Und der Hundekot ist oft nur eines von vielen Problemen», sagt Dörflinger. «Es gibt leider immer mehr Hundehalter, die sich nicht die Mühe machen, sich um die Bedürfnisse ihrer Vierbeiner zu kümmern, sie artgerecht zu halten oder genügend geistig zu fordern.»