Fricktal
Corona lässt die Verzweiflung steigen: Die Suche nach dem Wunschvelo wird immer schwieriger

Die Kunden reissen den Fricktaler Händlern die Velos aus den Händen. Besonders gefragt sind die Neuerscheinungen von diesem Jahr. Nur: Diese sind rar – entsprechend müssen die Händler ihre Kunden auf Monate vertrösten oder ganz enttäuschen.

Hans Christof Wagner
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Michi Fuchs vom Bike Point Zeiningen freut sich über die rege Nachfrage.

Michi Fuchs vom Bike Point Zeiningen freut sich über die rege Nachfrage.

Hans Christof Wagner

Im Velogeschäft Bike Point in Zeiningen stehen rund 50 Velos auf Lager. «Ich habe auch in rauen Mengen eingekauft», sagt Inhaber Michi Fuchs. Und er ist froh darum. Was vorrätig ist, kann gekauft werden. Aber:

«Etwas zu besorgen, was nicht vorrätig ist, dauert entweder Monate oder ist gar nicht möglich.»

Termine, ab wann bestimmte Neumodelle aus der 2021er-Saison wieder zu haben sind, stünden in den Sternen.

«Liefertermine werden auf unbestimmte Zeit nach hinten verschoben», sagt auch Roger Märki von der Manufaktur Märki in Rheinfelden. Dort ist am gestrigen Freitag der Frühlingsverkauf gestartet – zum Teil noch mit Modellen von 2020 und 2019. Und wie unterscheiden die sich von den aktuellen? «Mitunter sind die Unterschiede gering», räumt Märki ein. Und dennoch käme es für viele nur in Betracht, die 2021er-Neuheiten zu kaufen, über die sie sich zuvor im Internet informiert hätten.

Die Kunden nehmen weite Wege auf sich

Daniel Waldmeier ist der Geschäftsführer von Wernli Sport in Frick.

Daniel Waldmeier ist der Geschäftsführer von Wernli Sport in Frick.

Dennis Kalt (2. April 2020)

Das Marken- und Trendbewusstsein unter den Velokäufern kann aktuell so nicht befriedigt werden. Das Problem ist inzwischen so gross, dass bei Wernli Sport in Frick sogar schon Kunden aus St.Gallen anfragen – in der Hoffnung, ihr Wunschvelo im Fricktal noch ergattern zu können. Inhaber Daniel Waldmeier:

«Früher stammten meine Kunden fast nur aus der Region, das ist vorbei.»

«Die weltweit auch durch Corona gestiegene Nachfrage nach dem Velo ist ein Grund für die Probleme», berichtet Fuchs. «Die Produzenten kommen mit der Teile-Produktion nicht mehr nach.» Hinzu kämen die pandemiebedingten Probleme mit der Transportlogistik der mehrheitlich aus Asien stammenden Veloteile. Fuchs: «Meine Lieferanten erzählen, dass die Containerkosten teils zehnmal so hoch sind wie vor Corona.» Das mache sich bei den neuen Modellen bemerkbar: «Bis zu zehn Prozent sind diese teurer geworden», weiss Waldmeier.

Davor die Probleme «allein auf Corona zu schieben», warnt indes Andreas Ackle von 2 Rad Ackle in Gipf-Oberfrick. «Es hat auch damit zu tun, dass heute alles ‹just in time› gehen muss und keiner in Europa noch Lager vorhalten will», glaubt er. Auch die Rohstoffe für die Batterien zu beschaffen, sei ein Problem.

Nachfrage nach E-Bikes nach wie vor riesig

Denn eines ist klar: Das Velo boomt, aber die meisten wollen sich beim Trampen von einem Elektromotor helfen lassen. «Die Nachfrage nach E-Bikes ist nach wie vor riesig», sagt Waldmeier. «Der E-Bike-Boom hält an», bestätigt auch Fuchs. «Die Leute meiden aus Angst vor Corona den öffentlichen Verkehr und nutzen verstärkt das E-Bike als Transportmittel zum Job.» Das sei ja auch «eine Super-Alternative, zumindest die warme Jahreszeit über», findet Märki.

Hohe Verkaufszahlen und Werkstätten am Limit – so bilanzieren die Fricktaler Velohändler das Coronajahr 2020. Für 2021 rechnen sie, dass das so bleibt. Märki hat in Rheinfelden jetzt auch noch die Schwester mit ins Geschäft geholt und einen zusätzlichen Mechaniker eingestellt. Wobei Waldmeier den Blick schon über die aktuelle Velosaison hinaus richtet. Er sagt:

«Ich bin jetzt schon dabei, die 2022er-Modelle zu bestellen. Die kommen im September, hoffentlich.»