Fricktal
Corona beschert dem Gesundheitszentrum einen Millionenverlust – und deutlich weniger Geburten

Das Gesundheitszentrum Fricktal bekommt die Pandemie im Portemonnaie zu spüren – mit einem Verlust in Höhe von fast sechs Millionen Franken. Grund dafür ist unter anderem das Verbot von Wahleingriffen während der ausserordentlichen Lage im Frühjahr 2020. Auch auf die Zahl der Geburten wirkte sich die Pandemie aus.

Thomas Wehrli
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Das Gesundheitszentrum Fricktal, hier das Spital Rheinfelden, musste im Coronajahr 2020 einen Verlust hinnehmen.

Das Gesundheitszentrum Fricktal, hier das Spital Rheinfelden, musste im Coronajahr 2020 einen Verlust hinnehmen.

zvg / Aargauer Zeitung

Die Coronapandemie schlägt dem Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) gehörig auf den Magen – oder besser: auf das Portemonnaie. Im letzten Jahr fuhr das Gesundheitszentrum mit seinen beiden Spitälern und Pflegeheimen in Rheinfelden und Laufenburg einen Verlust von 5,9 Millionen Franken ein – dies nach einem Gewinn von 2,5 Millionen Franken im Vorjahr.

Der Umsatz sank von 125,3 auf 120,1 Millionen Franken. Das entspricht einem Rückgang um 4,1 Prozent.

Drei Gründe für das schlechtere Ergebnis

Woran lag es? Das gegenüber dem Vorjahr schlechtere Ergebnis hat vorab drei Gründe. Zum einen verursachte die Coronapandemie direkte Mehrkosten von 1,8 Millionen Franken, zum anderen konnte das GZF wegen der Pandemie viele Eingriffe nicht durchführen. So verzeichnete das GZF im stationären Bereich mit 7930 behandelten Patienten 666 weniger als 2019.

Pflegeheime zu 95 Prozent ausgelastet

Die Betten der Pflegeheime des Gesundheitszentrums Fricktal (GZF) waren im letzten Jahr zu 95 Prozent ausgelastet, wie das GZF in der Mitteilung zum Geschäftsbericht schreibt. Im Jahr zuvor betrug die Belegungsquote 96 Prozent.

Coronabedingt wurde das Pflegeheim von Rheinfelden temporär nach Laufenburg verlegt. «In puncto Sicherheit und Schutz erwies sich die Konzentration des Pflegeheimbetriebs ausschliesslich in Laufenburg zu Beginn der Pandemie sowie des Akutbetriebs – mit komplett getrennter Covid-19-Station – in Rheinfelden als weitsichtiger Schritt», schreibt das GZF.

Besucherboxen in der Hauskapelle

In der Zeit von Besuchsverboten und eingeschränkten Besuchsmöglichkeiten konnten die Pflegeheimbewohner und isolierten Patienten den Kontakt zu Angehörigen und Freunden via Videotelefonie aufrechterhalten. Zu einem späteren Zeitpunkt wurden in der Hauskapelle Besucherboxen eingerichtet.

Insgesamt leisteten die Pflegeheime im letzten Jahr 35136 Pflegetage. Das sind rund 1700 oder fünf Prozent mehr als im Vorjahr. «Gerade während der Covid-19-Pandemie wurde ein Hauptaugenmerk auf menschliche Nähe bei höchstem Schutz und hoher Sicherheit gelegt», schreibt das GZF. 

«Der Rückgang hängt insbesondere mit der vom Bundesrat im Frühjahr 2020 ausgerufenen ‹ausserordentlichen Lage› zusammen, während der für rund sieben Wochen keine Wahleingriffe mehr durchgeführt werden konnten», heisst es in einer Mitteilung zum am Donnerstag publizierten Geschäftsbericht. In dieser Zeit war das Akutspital trotz einer reduzierten Anzahl Betten zeitweise nur mit rund 30 Prozent ausgelastet.

Eingriffe sollten nicht aufgeschoben werden

Seither erholt sich, drittens, die Auslastung «mit gewissen Schwankungen nur zögerlich», wie das GZF schreibt. Dies hat auch einen psychologischen Grund. So heisst es in der Mitteilung:

«In der Bevölkerung ist eine deutliche Zurückhaltung in Bezug auf Spitalaufenthalte und medizinische Behandlungen spürbar.»

Das GZF hält diese Befürchtungen aufgrund der Hygiene-, Sicherheits- und Schutzmassnahmen für unbegründet und empfiehlt, Eingriffe gesundheitshalber nicht aufzuschieben.

Die Coronapandemie hält die Welt auch in diesem Jahr weiter in Atem – gerade auch im Gesundheitsbereich. Covid-19 stelle nach wie vor ein ernst zu nehmender Risiko- und Unsicherheitsfaktor dar, heisst es in der Mitteilung weiter, «weshalb auch für das laufende Jahr potenzielle Verluste nicht ausgeschlossen werden können».

Erstes Pandemiejahr gut bewältigt

Insgesamt, so bilanziert das GZF, habe man das erste Pandemiejahr gut bewältigt und «innert kürzester Zeit einen komplett auf Covid-19 ausgerichteten Parallelbetrieb auf die Beine gestellt». In Rheinfelden wurden in der ersten Pandemiewelle 39 Covid-19-Patienten stationär betreut. In der zweiten Welle, die von Oktober 2020 bis Ende Februar 2021 dauerte, stieg die Zahl dann auf 178 Patienten – fast fünfmal so viele wie in der ersten Welle.

Ab dem 18. Dezember 2020 wurden dann auch am Standort Laufenburg Coronapatienten stationär aufgenommen: Bis Ende Februar 2021 wurden hier 41 Patienten betreut. Das GZF hält fest:

«Insgesamt versorgte das GZF im ersten Pandemiejahr 258 stationäre Covid-19-Patienten.»

Dazu kamen 21350 Corona-Abstriche, die in den beiden Testzentren in Rheinfelden und Laufenburg zwischen März 2020 und Februar 2021 durchgeführt wurden.

Die Tests sind auch der Grund, weshalb das GZF für das letzte Jahr deutlich mehr ambulante Patienten ausweist. Insgesamt zählte es 54700 Eintritte. Das entspricht einer Zunahme um 8000 Eintritte respektive um 17,8 Prozent des Vorjahres. Die Zahlen zeigen aber auch: Im ambulanten Kerngeschäft musste das GZF pandemiebedingt ebenfalls einen deutlichen Rückgang hinnehmen.

Zahl der Geburten sank im letzten Jahr

Auswirkungen hatten die Coronapandemie sogar auf die Zahl der Geburten. Kamen 2019 in der Frauenklinik des Spitals Rheinfelden 460 Kinder auf die Welt, waren es im letzten Jahr nur 432.

Was auf den ersten Blick zusammenhangslos erscheint, erschliesst sich auf den zweiten: Im Spital Rheinfelden entbinden auch viele Frauen aus dem grenznahen Ausland. Da aber während des ersten Lockdowns die Grenze nahezu dicht war, drückte dies die Zahl der Geburten nach unten. Das GZF wertet denn auch die temporäre Grenzschliessung als primären Faktor für den Rückgang der Geburten.