Fricktal
Biogasanlage statt Teigwarenproduktion: Der verregnete Sommer sorgt für eine schlechte Ernte

Seit Anfang Juli läuft die Ackerbau-Ernte in der Region. Doch: Im Vergleich mit den Vorjahren fällt der Ertrag vielerorts schlecht aus. Grund dafür sind die verregneten Frühjahrs- und Sommermonate. Nun hoffen die Landwirte auf den Mais.

Nadine Böni
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Colette Basler produziert vor allem Futtergetreide für die eigenen Tiere.

Colette Basler produziert vor allem Futtergetreide für die eigenen Tiere.

Claudio Thoma (10. Oktober 2018)

Nasse Böden, tiefe Temperaturen, wenig Sonne – der Sommer vermieste den Landwirten im Fricktal die Ernte. «Es war witterungstechnisch ein anspruchsvolles Jahr», sagt etwa Colette Basler, SP-Grossrätin und Landwirtin aus Zeihen. «Dieses Jahr war wirklich schwierig», bestätigt Petra Schmid, Landwirtin aus Herznach. Sie hat 2019 den Hof ihrer Eltern übernommen.

«Mein Vater hat den Betrieb zuvor 40 Jahre lang geführt und mir gesagt: ‹So eine schlechte Ernte hatten wir noch nie›.»

Vor allem die Nässe hat den Landwirten zu schaffen gemacht. «Einerseits war der Pilzdruck dadurch beim Getreide sehr hoch, andererseits mussten wir die Ernte förmlich von den Feldern stehlen», sagt Basler. Das heisst: Die wenigen Zeitfenster, in denen es nicht regnete und der Boden trocken war, gut nutzen. «Gleichzeitig gibt es nicht viele Mähdrescher – und in den guten Zeitfenstern wollten natürlich alle ernten», sagt Schmid.

Biogasanlage statt Teigwarenproduktion

Besonders getroffen hat es den Weizen. Colette Basler spricht von «deutlich weniger Ertrag» als in anderen Jahren, wobei: «Im Vergleich mit anderen Betrieben sind wir glimpflich davon gekommen.» Anders sieht es bei Petra Schmid in Herznach aus. Fünf Hektaren Weizen baut sie an. Eigentlich soll das Korn dereinst für die Teigwaren- und Brotproduktion verwendet werden. Aber: «Von den fünf Hektaren konnten wir dieses Jahr genau eine Hektare noch als Futterweizen verwenden, alles andere landete in der Biogasanlage.» Der Pilzbefall war zu gross.

Seit zwei Jahren führt Petra Schmid den Hof ihrer Familie in Herznach – eine so schlechte Ernte wie dieses Jahr gab es kaum einmal.

Seit zwei Jahren führt Petra Schmid den Hof ihrer Familie in Herznach – eine so schlechte Ernte wie dieses Jahr gab es kaum einmal.

zvg / Aargauer Zeitung

Das sorgt nicht nur für eine grosse finanzielle Einbusse. «Es macht auch schlicht keine Freude, wenn man sich monatelang um eine Kultur kümmert und sie am Ende in die Biogasanlage bringen muss», so Schmid.

Getreidesammelstelle spürt Auswirkungen

Die Auswirkungen der schlechten Ernte spürt auch die Landi mit ihrer Getreidesammelstelle in Eiken. Im Silo-Center übernimmt sie jedes Jahr rund 8000 Tonnen Getreide und Ölsaaten. Victor Nondjock, Betriebsleiter des Silo-Centers, sagt:

«Die diesjährige Ernte kann, was Qualität und Quantität angeht, nicht mit den Vorjahren mithalten.»

Bei der gesamthaft angelieferten Menge liege man derzeit rund 27 Prozent hinter dem Vorjahr. Wobei die Ernte noch nicht ganz abgeschlossen ist. «Wir hoffen, dass wir mit Mais, Sonnenblumen und Hirse noch etwas aufholen können», so Nondjock. Alles wird sich allerdings nicht aufholen lassen: «Wir rechnen damit, dass das Defizit gegenüber anderen Jahren am Ende zwischen 15 und 20 Prozent beträgt.»

Landwirte Hoffen auf den Mais

Tatsächlich sieht es beim Mais nicht so schlecht aus. «Gibt es in den kommenden Wochen keinen erneuten Hagelzug über der Region, dann besteht die Chance auf eine gute Ernte», sagt Colette Basler. Ähnlich tönt es bei Petra Schmid: «Wir hoffen, dass die Wildschweine nicht noch mehr wüten – und dass es dann ein Zeitfenster für die Ernte gibt.»

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