Fricktal
Bachelortitel für Bäcker und Maler? Das sagen zwei Meister aus dem Handwerk sowie ein Hoteldirektor dazu

Eine Motion fordert, für Absolvierende einer höheren Berufsbildung einen Bachelor- oder Mastertitel einzuführen. Unter anderem sieht Grossrat Alfons Kaufmann darin eine Wertschätzung gegenüber dem Handwerk. Doch es gibt auch andere Vorschläge für die adäquate Bezeichnung der höheren Abschlüsse in Handwerk und Gewerbe.

Dennis Kalt
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Geht es nach Nationalrat Matthias Aebischer, würde auch Bäckergesellen nach entsprechender Weiterbildung ein Bachelortitel winken.

Geht es nach Nationalrat Matthias Aebischer, würde auch Bäckergesellen nach entsprechender Weiterbildung ein Bachelortitel winken.

Philipp Schmidli
(7. Juni 2016)

Ein Bachelor- oder Mastertitel für Bäcker, Maler oder Hotelfachleute – geht es nach einer Motion von Nationalrat SP-Nationalrat Matthias Aebischer, sollten auch Berufspersonen aus Handwerk und Gewerbe diesen Titel tragen können. Dies, wenn sie nach der Grundausbildung eine eidgenössische Berufsprüfung oder eine höhere Fachprüfung absolvieren. Der Vorstoss bezieht sich unter anderem auf Deutschland, wo für berufliche Abschlüsse die Titel «Bachelor Professional» und «Master Professional» vergeben werden, begründet «mit der Gleichwertigkeit zwischen der höherqualifizierenden Berufsbildung und dem Hochschulstudium».

Alfons Kaufmann, Malermeister und Grossrat der Partei Die Mitte, sagt zu der geforderten Titelvergabe:

Alfons P. Kaufmann, Malermeister und Grossrat der Partei Die Mitte.

Alfons P. Kaufmann, Malermeister und Grossrat der Partei Die Mitte.

Zvg (November 2020)
«Ich finde es für die Wertschätzung gegenüber dem Handwerk absolut gut.»

So investierten die Handwerker, welche die höhere Berufsbildung absolvierten, ebenso Zeit und Mühen wie diejenigen, die einen Bachelor und Master auf einer Universität erwerben. «Damit findet eine gewisse Angleichung statt», so Kaufmann.

Ausbildungsberufe werden attraktiver

Zudem mache die Möglichkeit, später mit einem beruflichen Abschluss im Handwerk einen Bachelor oder Master zu erwerben, den entsprechenden Ausbildungsberuf für Jugendliche attraktiver. Mit einem Bachelor- oder Master-Titel versehen, würde die Qualität der höheren Berufsbildung international besser anerkannt. Denn: «Mit der Berufsprüfung und Fachprüfung haben wir hierzulande ein anderes System als im Ausland», sagt Kaufmann.

«Verständliche Titelbezeichnungen sind für die Vergleichbarkeit im mehrsprachigen Umfeld von Bedeutung», sagt Martin Sonderegger, Direktor Hotellerie und Mitglied der Geschäftsleitung bei Schützen Rheinfelden AG. Aber, ob ein international verständlicher Titel den aktuellen Fachkräftemangel oder das Problem der rückgängigen Interessenten für eine Ausbildung in der Gastronomiebranche löst, könne er nicht sagen:

Martin Sonderegger, Direktor Hotellerie und Mitglied der Geschäftsleitung bei Schützen Rheinfelden AG.

Martin Sonderegger, Direktor Hotellerie und Mitglied der Geschäftsleitung bei Schützen Rheinfelden AG.

Zvg
«Der zusätzliche Titel ist das eine, attraktive Arbeitsplätze und -modelle in den Betrieben das andere.»

In jedem Fall kann sich Sonderegger gut vorstellen, dass ein Bewerber mit Bachelortitel bei grösseren Restaurants oder Hotels im internationalen Umfeld Vorteile mit sich bringt. «Aber nur auf dem Papier. Beweisen muss sich dann ja jeder selbst», sagt Sonderegger.

Würdigung des Efforts von Berufsleuten

Konditormeister Markus Kunz, der über drei Jahrzehnte die gleichnamige Bäckerei in Frick mit mehreren Filialen geleitet hat, findet die Stossrichtung der Motion grundsätzlich gut. Mit einem solchen Titel wird die Leistung von Berufsleuten gewürdigt, die sich nach der Lehre mehr Wissen und Können aneignen als die breite Masse. Ähnlich wie Kaufmann verbindet Kunz die Titelvergabe mit «einer Aufwertung für handwerkliche Berufe».

Geeigneter, statt der Einführung des Titels Bachelor, findet jedoch Kunz beispielsweise die Bezeichnung Meisterstufe 1 – für die Berufsprüfung – und Meisterstufe 2 – für die höhere Fachprüfung – anzuwenden. Er sagt:

Markus Kunz, Konditormeister und Konfi-Produzent.

Markus Kunz, Konditormeister und Konfi-Produzent.

twe (Februar 2020)
«Mit dem Begriff Meister ist ein gewisser Stellenwert verbunden, der vielen in den Köpfen ist.»

Auch sei ein internationaler Titel im Bäcker- und Konditorhandwerk weniger relevant. Denn oftmals gingen junge Leute aus diesem Berufsstand hierzulande ins Ausland, um Erfahrungen zu sammeln und sich weiterzubilden, jedoch weniger, um dort in einem renommierten Betrieb Fuss zu fassen.