Fricktal
Am Montag endet der Laden-Lockdown: Vier Betreiber berichten über ihre Hoffnungen und Sorgen

Die Fachgeschäfte wünschen sich nach der langen Schliessungszeit einen Run in der kommenden Woche. Aber auch endlich einmal wieder mit ihren Kunden lachen zu können. Sorgen bereiten die Gedanken an eine erneute Schliessung. Deswegen ist ein gesittetes Verhalten erwünscht.

Dennis Kalt
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Der Montag wird so manch einem Ladenbetreiber ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Denn in einem ersten Lockerungsschritt dürfen per 1. März alle Fachgeschäfte für die Kunden wieder öffnen. Damit endet für sie die Durststrecke, die der Regierungsrat mit dem Laden-Lockdown per 20. Dezember des letzten Jahres einleitete. Die AZ hat mit vier Fricktaler Ladenbetreibern über ihre Gefühlslage gesprochen und darüber, was sie sich von der Öffnung erhoffen.

Cécile Knecht sieht Licht am Ende des Tunnels: Am Montag darf sie ihren Schuhladen endlich wieder öffnen.

Cécile Knecht sieht Licht am Ende des Tunnels: Am Montag darf sie ihren Schuhladen endlich wieder öffnen.

Bild: Britta Gut (12. Januar 2021)

«Überaus froh» ist etwa Cécile Knecht, die an der Fricker Hauptstrasse den Laden Knecht Schuhe betreibt. Obwohl Knecht fernab des Lockdowns ihr Schuhgeschäft am Montag für gewöhnlich geschlossen hat, wird dies diesen Montag anders sein. Sie sagt:

«Jeden Tag, an dem man jetzt aufmachen kann, muss man auch nutzen.»

Während der Schliessungszeit sei ihr viel an Umsatz flöten gegangen. Etwa Mitte Januar, als der Winter die Landschaft mit einer Schneedecke überzog und sich so manch einer mit warmem, festem Schuhwerk eingedeckt hätte. Weil Knecht kaum Winterschuhe verkaufte, bekam sie durch die Bestellung der Frühjahrskollektion Platzprobleme im Lager. «Mein Vermieter hat mir netterweise erlaubt, einen Teil der Schuhe im Keller einzulagern», sagt sie.

Das Hoffen auf den kleinen Run

Einen Teil der Winterschuhe wird Knecht nun in den kommenden Wochen mit Rabatt abverkaufen, ein anderer Teil – «die Dauerläufer» – übersommert im Lager bis zum nächsten Herbst. Derzeit richtet sie den Verkaufsraum mit der neuen Frühjahrskollektion ein. «Ich habe das Gefühl, die Leute sind startklar und neugierig darauf, was es Neues gibt. Ich hoffe daher auf einen kleinen Run», sagt sie. Deswegen seien in der nächsten Woche auch immer mindestens zwei Mitarbeitende im Geschäft.

Doris Weber (r.), Inhaberin der Boutique Tragbar, und Mitarbeiterin Sandra Zurgilgen wollen mit ihren Kunden endlich wieder lachen können.

Doris Weber (r.), Inhaberin der Boutique Tragbar, und Mitarbeiterin Sandra Zurgilgen wollen mit ihren Kunden endlich wieder lachen können.

Bild: Dennis Kalt (26. Februar 2021)

An den Shopping-Run glaubt auch Doris Weber, Inhaberin der Boutique Tragbar in Rheinfelden. «Jetzt, im Übergang zum Frühling hin, ist kleidertechnisch immer eine gute Zeit», sagt sie. Zudem verbinden einige der Kunden das Einkaufen mit ihrem Bedürfnis nach einem Plausch. So ginge es vielen ihrer Kunden auch immer ein Stück weit um den sozialen Kontakt. Weber sagt:

«Mal wieder mit den Kunden zusammen im Laden lachen – das vermisse ich schon sehr.»

Negativ ins Gewicht fiele, dass die Gastronomiebetriebe noch geschlossen bleiben. «Viele verbinden den Restaurantbesuch und das Trinken eines Kaffees mit dem Shopping», sagt Weber.

Mario Kalt (l.) und Roland Obrist führen zusammen das Geschäft Multimedia Fricktal und wollen am Montag wieder durchstarten.

Mario Kalt (l.) und Roland Obrist führen zusammen das Geschäft Multimedia Fricktal und wollen am Montag wieder durchstarten.

Bild: Dennis Kalt (12. März 2020)

Erleichtert über die Öffnung zeigt sich auch Roland Obrist, der zusammen mit Mario Kalt die Firma Multimedia Fricktal an der Fricker Hauptstrasse führt. Er drückt es drastisch aus:

«Die Öffnung sichert uns das Überleben.»

Denn der Laden sei – im Gegensatz zum Online-Handel – die Kontaktplattform zu den Konsumenten. Der Lockdown habe zu einem starken Umsatzeinbruch geführt. «Unser ganzes Weihnachtsgeschäft ging bachab», so Obrist, der hofft, dass die Kunden den Kauf von Fernseh- oder Audiogeräten nun bei ihm nachholen. «Die Frage ist halt, ob sie sich ihre Geräte nicht schon anderweitig über Internetkanäle bestellt haben.»

Die grösste Sorge ist ein erneuter Lockdown der Läden

Die grösste Sorge von Obrist ist, dass die Läden erneut geschlossen werden. «Ich hoffe daher, dass es im Zuge der Öffnung nächste Woche gerade in den grossen Einkaufszentren gesittet zugeht», sagt er denn auch.

Rolf Weidmann, Inhaber von Longo Sport, hofft auf einen schönen Frühling für den Verkauf von Walkingschuhen und -stöcken.

Rolf Weidmann, Inhaber von Longo Sport, hofft auf einen schönen Frühling für den Verkauf von Walkingschuhen und -stöcken.

Bild: Dennis Kalt (22. Januar 2016)

Hart getroffen hat der Lockdown Rolf Weidmann, der sich in seinem Laden Longo Sport in Möhlin unter anderem auf Wintersport spezialisiert. Die Freude über die Öffnung hält sich beim ihm denn auch in Grenzen. Er sagt:

«Jetzt sind die Sportferien schon vorbei, und der Winter ist gestorben.»

Nun hofft er auf einen schönen Frühling, um für die Walkingsaison Schuhe und Stöcke absetzen zu können. «Das wäre aber auch nur der Tropfen auf den heissen Stein», sagt er.