Frick/Möriken-Wildegg
Freiwillige graben im Aargau kistenweise Keramik aus der Bronzezeit aus

Der diesjährige Feldkurs für Freiwillige der Kantonsarchäologie fand in Frick und Möriken-Wildegg statt. Erstmals gruben die Freiwilligen Überreste aus der Urgeschichte aus.

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14 Freiwillige halfen bei den Ausgrabungen.

14 Freiwillige halfen bei den Ausgrabungen.

zvg

In Frick waren 1998 und 2014 Reste aus der Bronzezeit zutage gekommen, nun startete im Juli ein dreiwöchige Feldkurs. Dieser ermöglichte der Kantonsarchäologie einen Einblick in die benachbarte Parzelle, wo mittelfristig mit einem Bauprojekt zu rechnen ist, und wo man auch bronzezeitliche Schichten erwartete.

Auf die bronzezeitliche Schicht stiessen die Freiwilligen nur am Rand. In rund zwei Meter Tiefe fand sich aber ein Kieskoffer, der sich nach Untersuchung durch einen Spezialisten als das Teilstück eines schmalen römischen Fahrwegs entpuppte, der von Frick auf den Kornberg hinaufführte. Dieser Befund ist ein weiteres Puzzleteil im römischen Strassennetz, von dem in Frick bereits Abschnitte bekannt sind, wie der Kanton in einer Mitteilung schreibt.

Damit die Freiwilligen auch bronzezeitliche Funde ausgraben konnten, wurde der Feldkurs teilweise und nach Abschluss der Arbeiten in Frick ganz nach Möriken-Wildegg verlegt. Auch im Gebiet Sandacker, wo derzeit fünf Mehrfamilienhäuser entstehen, wurden die 14 Helferinnen und Helfer fündig. Sie gruben ein zusätzliches Feld ausserhalb des Bauperimeters und im zweiten Baufeld ein rund 250 m2 grosses Stück von Hand ab, das sonst mit dem Bagger ausgegraben worden wäre.

Die Reste waren für die Bronzezeit typisch unscheinbar. Sie zeichneten sich in Form von Pfostenlöchern und Gruben oft nur als Verfärbungen im Boden ab.

Zudem kamen eine Abfallschicht, eine Feuerstelle und mehrere Brandgruben zu Tage. Darin fanden sich hitzegerötete Steine und Holzkohle – Überreste von Gargruben, mit denen man damals die Speisen für ein Festessen zubereitete. Im Weiteren fanden sich kistenweise Keramikscherben, die helfen, die Siedlung zeitlich einzuordnen. Als Highlight und absolute Seltenheit kam ein vollständiger Bronzedolch zutage – allerdings bereits im ersten Baufeld und damit vor der Freiwilligengrabung.

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Unter der Leitung von zwei Archäologen dokumentierten die Freiwilligen diese Strukturen. «Zu Beginn war es schon eine Herausforderung, den Freiwilligen die Bedeutung dieser unscheinbaren Spuren zu vermitteln», wird Grabungsleiter Pirmin Koch in der Mitteilung zitiert. «Aber je mehr wir ihnen über die Bronzezeit erzählten, desto eifriger wurden die Freiwilligen. Jede und jeder wollte seinen Beitrag zur Erforschung dieser Epoche leisten.» Die Mittelbronzezeit ist schweizweit gesehen im Kanton Aargau archäologisch besonders gut belegt. (kob)

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