Frick/Kaisten
Jetzt gilt es ernst: Der Kaistenberg ist ab 13. September gesperrt

Ein Jahr lang wird der Verkehr für die Sanierung über Eiken umgeleitet. Die Vollsperrung gilt nicht für den Linienbus – aber für Velofahrer.

Thomas Wehrli
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Ab kommendem Montag ist der Kaistenberg für den Verkehr gesperrt – auch für Velofahrer.

Ab kommendem Montag ist der Kaistenberg für den Verkehr gesperrt – auch für Velofahrer.

Dennis Kalt (8. April 2021)

Rechtzeitig auf die kältere Jahreszeit kommt die Sanierung der Kaistenbergstrasse, ein Grossprojekt mit langer Vorbereitungszeit, in die heisse Phase. Ab dem 13. September wird der Kaistenberg für den gesamten Verkehr gesperrt.

Den gesamten? Nicht ganz, denn der Postautokurs von Laufenburg nach Frick (und umgekehrt) wird weiterhin über den Kaistenberg rollen. Der Kanton schreibt in einer Mitteilung:

«Die bestehenden Haltestellen können alle fahrplanmässig bedient werden.»

Eine Umleitung via Eiken wurde zwar im Vorfeld der Sanierung geprüft. Doch aus finanziellen und organisatorischen Überlegungen – es müsste eine Zusatzroute mit entsprechendem Personal und Bussen installiert werden – wurde diese Variante dann wieder verworfen.

Genau über diese Route – über Eiken und den Hardwald – wird der Individualverkehr in den nächsten zwölf Monaten umgeleitet. «Der Autobahnabschnitt Frick-Eiken kann in beiden Richtungen die Fahrzeit verringern und entlastet zudem die Verkehrsknoten in Eiken und Frick», heisst es in der Mitteilung des Kantons weiter. Denn insbesondere die Eiker sehen der Sperrung mit gemischten Gefühlen entgegen.

Kaum Zeitverlust durch die Umleitung

Das Verkehrsaufkommen im Dorf ist in den Stosszeiten bereits heute hoch und insbesondere an der T-Kreuzung zwischen Haupt- und Laufenburgerstrasse kommt es schon jetzt zu Wartezeiten. Diese dürften sich nun noch verlängern. Und eben: Jeder, der aus dem Raum Frick nach Laufenburg will und die Autobahn statt die Überlandstrasse nutzt, fährt nicht durchs Dorf und entlastet den Dorfkern so.

An der Kreuzung zwischen Haupt- und Laufenburgerstrasse brauchen Autofahrer bisweilen Geduld.

An der Kreuzung zwischen Haupt- und Laufenburgerstrasse brauchen Autofahrer bisweilen Geduld.

Lucas Zeugin (11. Juli 2014)

Die Befürchtung, durch die Vollsperrung und die damit verbundene Umleitung viel (Lebens-)Zeit zu verlieren, ist allerdings unberechtigt, wie ein Blick auf Google Maps zeigt. Ein Rechenbeispiel. Will ein AZ-Journalist von der Redaktion an der Hauptstrasse 77 in Frick an den Bahnhof in Laufenburg, braucht er über den Kaistenberg für die 8,2 Kilometer lange Strecke 12 Minuten.

Schneller über die Autobahn als über die Überlandstrasse

Der Weg über Eiken ist zwar mit 11,6 Kilometern deutlich länger, der Zeitmehrbedarf beträgt aber nur eine Minute. Über die Autobahn sind es von der Redaktion nach Laufenburg 14,3 Kilometer, was mit 14 Minuten zu Buche schlägt.

Die längere Strecke liegt darin begründet, dass der erste Teilabschnitt von der Redaktion bis zur Autobahnauffahrt in die «falsche» Richtung führt. Startet man hingegen beim A3-Werkhof in Frick, fällt die Bilanz klar zu Gunsten der Autobahn aus. 13,5 Kilometer und 13 Minuten über die Autobahn stehen dann 12,8 Kilometer und 15 Minuten über die Überlandstrasse und Eiken gegenüber.

Dass es nun zur Vollsperrung kommt, hat mehrere Gründe. Fabian Gasser, Projektleiter der Abteilung Tiefbau, sagt:

«Die Vollsperrung ist notwendig, um die Sicherheit für die Arbeitenden und die Verkehrsteilnehmenden bei den sehr engen Platzverhältnissen zu gewährleisten.»

Zudem könne die Bauzeit deutlich verkürzt werden, da viel längere Bauetappen gleichzeitig möglich seien.

Die Vollsperrung dauert bis zum Ende der Bauzeit, das heisst etwa ein Jahr – vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Das war in den ersten Etappen, in denen mit zwei Bauequipen parallel gearbeitet und der Verkehr mit Lichtsignalanlagen gesteuert wurde, nicht immer der Fall. «Witterungsbedingt kam es im Winter durch Schnee und im Sommer durch lang anhaltende Regenfälle zu etlichen Unterbrüchen und Verzögerungen», schreibt der Kanton in seiner Mitteilung.

Auch weiterhin ein No-Go für die Velofahrer

War da nicht noch etwas? Ach ja, die Velofahrer, die trotz klar signalisierten Velofahrverbots und ausgeschilderter Umleitung unbeirrt über den Kaistenberg fuhren – und so bisweilen zu langen Rückstaus und verärgert winkenden und mürrisch dreinblickenden Autofahrern sorgten. Ihnen sei gesagt: Die Vollsperrung gilt auch für die Velofahrer. Der Veloverkehr wird, wie bisher, via Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und Ittenthal umgeleitet.

Das ganze Sanierungsprojekt erstreckt sich auf eine Länge von rund 2500 Metern; der Projektperimeter beginnt bei der Dorfausfahrt von Frick und endet bei den Kaistenberghöfen in Kaisten. Die Länge der zu sanierenden Strasse lässt es erahnen: Das Projekt wird teuer. Die reinen Baukosten für die Sanierung belaufen sich auf rund 13 Millionen Franken. Bewilligt hat die Regierung einen Gesamtkredit von 16,6 Millionen Franken. Darin eingeschlossen sind Planungs- und Nebenkosten sowie die Reserve für Unvorhergesehenes.

Die Strasse wird breiter

Die Sanierung der Kaistenbergstrasse, die im Januar gestartet ist, ist dabei kein 08/15-Projekt. Insbesondere zwei Herausforderungen mussten die Planer meistern: das Hangwasser und die Geologie. Gasser sagte noch vor Projektstart gegenüber der AZ:

«Auf der Fricker Seite arbeitet der Berg. Stoppen lässt sich das nicht, aber wir können mit baulichen Massnahmen darauf reagieren.»

Nach der Sanierung wird die Optik der Strasse «signifikant anders sein», so Gasser weiter. Dies liegt zum einen am durchgehenden Strassenbankett, das es heute gar nicht gibt. Zum anderen aber auch an der Fahrbahnbreite. Während es heute Stellen hat, die nur gerade 5,50 Meter breit sind, ist die Fahrbahn künftig durchgehend 6,20 Meter breit.

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