Dieser Budgetposten lässt Adrian Speckert, Präsident der SVP Frick, aufhorchen. «Ist dies wirklich gerechtfertigt», fragt er sich und verweist auf den Kanton, der die Lohnsumme «nur um ein Prozent» erhöhen will. «Besteht Nachholbedarf?», fragt der SVP-Präsident weiter, «oder richtet die Gemeinde einfach mit der grossen Kelle an?» Er erwartet «im Namen vieler Fricker Steuerzahler, die wie die SVP keinen Sitz in der Gemeindebehörde haben», Antworten zu diesem «unverständlichen Antrag» des Gemeinderates.

Dieser wehrt sich gegen den Vorwurf, Frick richte mit der grossen Kelle an. «Das Gegenteil ist der Fall», erklärt Gemeindeammann Daniel Suter. Rund die Hälfte der 120 000 Franken stehe für eine generelle Lohnanpassung für das ganze Personal zur Verfügung, «um damit schlicht die ausgewiesene Teuerung von aktuell rund einem Prozent auszugleichen». Die andere Hälfte wird für «Lohnpflegemassnahmen», wie es Suter nennt, eingesetzt. Damit stehe, so rechnet Suter vor, für das gesamte fest angestellte Gemeindepersonal – das sind 85 Mitarbeitende – ein Betrag von knapp 5000 Franken pro Monat zur Verfügung. «Dass damit keine grossen individuellen Erhöhungen möglich sind, versteht sich von selbst.»

Hinkt der Vergleich?

Für Suter hinkt zudem der Vergleich mit dem Kanton. Denn dieser könne neben der generellen Lohnsummenerhöhung von einem Prozent noch Mutationsgewinne für Lohnpflegemassnahmen einsetzen. Mutationsgewinne kommen beispielsweise dann zustande, wenn ein Arbeitnehmer pensioniert wird und durch einen jüngeren, kostengünstigeren ersetzt wird. «Dazu kommt, dass beispielsweise alle Lehrpersonen zusätzlich zu einem allfälligen Teuerungsausgleich jährlich einen Stufenanstieg bei der Besoldung haben.» Dies sei auch bei etlichen Gemeinden der Fall, nicht aber in Frick.

Dennoch: Mehrere Grossunternehmen haben ebenfalls bereits angekündigt, die Löhne maximal um ein Prozent zu erhöhen. So etwa die Migros, die letzte Woche angekündigt hat, die Lohnsumme um 0,5 bis 1 Prozent anzuheben. Die Lohnerhöhungen der Mitarbeitenden erfolge dabei individuell nach Funktion und Leistung, teilte die Migros vor einer Woche mit. Suter kontert mit anderen Unternehmen. «Es ist bekannt, dass gerade im Finanzbereich über den Teuerungsausgleich hinaus stattliche Summen für individuelle Anpassungen und leistungsbezogene Lohnerhöhungen zur Verfügung stehen.»

Nur: Diese Unternehmen machen zum Teil Milliardengewinne. Die Gemeinde Frick derweil ist finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet. Der Gemeinderat spricht in der Botschaft zur Gemeindeversammlung selbst davon, das die Selbstfinanzierung angesichts der anstehenden Investitionen «deutlich zu tief» sei. «Der Gemeinderat schreibt in der Botschaft jedoch auch, dass es weiterhin möglich ist, die Erfolgsrechnung ausgeglichen zu gestalten», hält Suter dagegen. Die zu tiefe Selbstfinanzierung liege insbesondere an den hohen bevorstehenden und unumgänglichen Investitionen. «Gerade um diese zu realisieren, ist die Gemeinde auf besonders gutes Personal angewiesen», ist Suter überzeugt.

Auch deshalb hält der Gemeinderat eine Lohnsummenerhöhung von zwei Prozent für angezeigt. Denn: «Gerade bei jungen Mitarbeitenden sind Lohnanpassungen über den Teuerungsausgleich hinaus unabdingbar, insbesondere wenn diese anspruchsvolle Weiterbildungen abschliessen und danach neue Aufgaben übernehmen.» Bereits heute sei es auch wegen der demografischen Entwicklung besonders für höher qualifizierte Stellen spürbar schwieriger geworden, Personal für die Gemeinde gewinnen zu können.

Mitarbeiter bei der Stange halten

«Diesem Umstand wird in Frick damit begegnet, oft jungen Menschen eine Chance zu geben und diese danach gezielt intern weiterzuentwickeln», so Suter. Dabei unterstütze die Gemeinde berufsbegleitende Weiterbildungen. «Steht nach erfolgreichem Abschluss ausser dem Teuerungsausgleich kein Geld für Lohnentwicklungen zur Verfügung, so wechseln diese Leute nach der Weiterbildung einfach die Stelle, wenn ihre tiefe Anfangsbesoldung nicht mehr dem entspricht, was im Markt üblich ist.»

Dies gelte es zu verhindern, denn sonst trage die Gemeinde zwar die Kosten der Weiterbildungen und biete dem Personal die Möglichkeit, wichtige berufliche Erfahrungen zu sammeln, «davon profitieren kann danach jedoch ein anderer Arbeitgeber». Zudem: «Jede personelle Fluktuation ist mit hohen Kosten und Know-how-Verlust verbunden.»

Dass die Gemeinde Frick «mit der grossen Kelle anrichtet», wie es Speckert fragend formuliert, stimmt laut Suter auch mit Blick auf die aktuellen Löhne nicht. Der Gemeinderat hat die Löhne mit denen anderer Gemeinden verglichen. Danach liegen die Löhne des Fricker Gemeindepersonals «im Quervergleich gesamthaft eher tief». Gerade in einem «zunehmend umkämpften» Arbeitsmarkt seien gute Sozialleistungen und Entwicklungsmöglichkeiten «für das Gewinnen und Halten von gutem Personal unabdingbar», mahnt Suter.