Frick
Virtuelle Brandbekämpfung: Die Feuerwehr übt vor dem Bildschirm

Weil normale Proben während der Pandemie kaum möglich sind, setzt die Stützpunktfeuerwehr Frick auf Online-Ausbildung. Und das funktioniert teilweise so gut, dass das Konzept in einzelnen Bereichen wohl auch nach Corona weitergeführt wird.

Nadine Böni
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Im vergangenen Jahr fiel knapp die Hälfte der Feuerwehrübungen aus – im Bereich Strassenrettung wurde stattdessen ein Online-Kurs durchgeführt.

Im vergangenen Jahr fiel knapp die Hälfte der Feuerwehrübungen aus – im Bereich Strassenrettung wurde stattdessen ein Online-Kurs durchgeführt.

Bild: Ingrid Arndt (Frick, 20. Oktober 2018)

Nein, Andreas Fahrni sitzt nicht in Uniform und mit Wasserschlauch vor dem Computer. Der Kommandant der Fricker Stützpunktfeuerwehr lacht, als er darauf angesprochen wird. Die Idee könnte ja entstehen, bei einem Blick auf den Kalender seiner Feuerwehr. Dort sind nämlich Proben eingetragen mit dem Vermerk: «online». Gemeint sind aber vielmehr virtuelle Übungen. «Es geht dabei hauptsächlich um die Taktikausbildung auf Stufe Kader», erklärt Fahrni.

Risikoanalyse von bekannten Gebäuden

In den vergangenen Wochen hat die Stützpunktfeuerwehr mehrere solcher virtuellen Übungen durchgeführt. Genutzt haben die Feuerwehrleute dabei unter anderem Fotos und Videos von Gebäuden in Frick, Oeschgen und Gipf-Oberfrick, den Schulhäusern etwa oder des Alterszentrums. Versehen wurden die Bilder mit Brandherden oder zu rettenden Personen. «So konnten wir am Bildschirm die Situation beim Eintreffen auf einem Ereignisplatz simulieren», sagt Fahrni. Für die Feuerwehrleute galt es, eine Risikoanalyse vorzunehmen und den Einsatz zu koordinieren.

Auch im Bereich Strassenrettung wurde virtuell geübt – sogar mit einem Quiz, das die Teilnehmenden parallel zur Übung absolvieren konnten. «Das hat grossen Spass gemacht», sagt Fahrni und fügt lachend an:

«Wir müssen in diesen Zeiten halt erfinderisch sein.»

Natürlich aber können die virtuellen Übungen und Meetings nicht die Feuerwehrproben mit Präsenz vor Ort ersetzen. In normalen Jahren absolviert die Stützpunktfeuerwehr über 100 Übungen. Im vergangenen Jahr musste fast die Hälfte der Feuerwehrproben abgesagt werden.

Das bringt den Feuerwehrkommandanten in eine heikle Lage. Schliesslich gibt es auch während einer Pandemie Ernstfälle – und dann muss alles klappen. «Wenn wir nicht üben können, drohen aber gewisse Abläufe und Automatismen verloren zu gehen», sagt Fahrni. Da gehe es auch um die Sicherheit der Feuerwehrleute und allfälliger Patienten oder zu rettenden Personen. Die Feuerwehrleute absolvierten deshalb etwa die Pflichtfahrten mit den Fahrzeugen auch in den vergangenen Monaten ganz normal. Fahrni:

«Wir können einen Brand ja nicht aus dem Homeoffice löschen.»

In den kommenden Wochen soll der Übungsbetrieb langsam wieder hochgefahren werden. Allerdings, so betont Fahrni, würden nur Übungen durchgeführt, die dringend notwendig seien. Und auch das vorerst nur in kleinen Gruppen und unter Einhaltung der Hygienevorschriften.

Rechtlich erlaubt – und moralisch vertretbar?

Seit Anfang Jahr sind Proben zwar rechtlich wieder erlaubt. Gemäss den Erläuterungen zur Covid-19-Verordnung des Bundes gelten Feuerwehrübungen weder als Menschenansammlung noch als Veranstaltung, weshalb Präsenzunterricht für Feuerwehrangehörige zulässig ist. Aber: «Es gibt auch eine moralische Seite. Wir haben eine grosse Verantwortung gegenüber unseren Mitgliedern, ihrem persönlichen Umfeld und ihren Arbeitgebern», sagt Fahrni.

Er könne verstehen, dass Arbeitgeber mit Unmut darauf reagierten, «wenn Homeoffice-Pflicht gilt, aber gleichzeitig Feuerwehrübungen durchgeführt werden». Fahrni spricht deshalb von einer «Gratwanderung» und hofft auf das Verständnis. «Wir geben unser Bestes, um unsere Mitglieder zu schützen und führen nur die Übungen durch, die wirklich wichtig sind.»

Und: Gerade in einzelnen Bereichen der Ausbildung, etwa bei IT-Anwendungen, habe sich der Online-Unterricht gut bewährt, so der Kommandant. «Die Schulung war effizient und zielführend. Wir prüfen deshalb, ob wir gerade im Bereich gewisser Ausbildungssequenzen auch künftig auf Online-Unterricht setzen.»