Frick
Vater und Tochter gemeinsam auf der Bühne: Theaterfreunden wird eine doppelte Portion Lüscher serviert

Die Schauspieler Kaspar und Mia Lüscher stehen erstmals gemeinsam auf der Bühne, ganz nah, im steten Zusammenspiel über 70 Minuten hinweg. Für beide eine neue Erfahrung. Wie das Publikum das Experiment findet, wird sich bei der Premiere am 29. Oktober im Fricker Kornhauskeller zeigen.

Hans Christof Wagner
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Kaspar und Mia Lüscher, Vater und Tochter, stehen erstmals gemeinsam auf der Bühne.

Kaspar und Mia Lüscher, Vater und Tochter, stehen erstmals gemeinsam auf der Bühne.

Hans Christof Wagner (Frick, 13. Oktober 2021)

Trockenfrüchte und dunkle Schokolade liegen in der ersten Reihe im Kornhauskeller Frick: Nicht einmal zum Essen scheinen Kaspar und Mia Lüscher ihr Probenlokal zu verlassen. In dem verbringen sie gerade fünf Tage die Woche und das täglich für sechs Stunden. Diszipliniert sind Vater und Tochter. Sitzt der Text schon? «Ja», bestätigen beide zwei Wochen vor der Premiere. Und – hat es schon mal richtig gefetzt? «Nein», erzählen sie. Harmonie herrsche vor. Und Mia Lüscher ergänzt: «Wir sind beide relativ uneitel und können auch gut Kritik annehmen.» Für sie hat der Vater auch nie auf einem Sockel gestanden. Sie sei nicht Schauspielerin geworden, um ihm nachzufolgen. Sie sagt:

«Ich bin es geworden, weil ich mich auf der Bühne wohl und sicher fühle und oft entspannter als im Alltag.»

Und er fügt an: «In unserer Familie hat bisher immer jeder nur das gemacht, was er selbst wollte.»

Tochter und Vater lernen sich neu kennen

Durch das gleiche Metier hatten beide immer schon eine enge Bindung. Aber jetzt, mit der intensiven gemeinsamen Theaterarbeit, lernen sie sich auf eine neue Art kennen, entdecken sie Facetten aneinander, die in der Familienbeziehung verborgen geblieben sind. Auf der Bühne, auf der sich zwei inzwischen ebenbürtige Mimen auf Augenhöhe begegnen, kommen sie zum Vorschein. Da wird die Gewissheit, den anderen lange und gut zu kennen, so manches Mal erschüttert. Aber was auf der Bühne zutage tritt, bleibt auch dort: Kaspar und Mia Lüscher sind Profis genug, um die Sphären nicht miteinander zu vermischen.

Erwartungen, denen sie gerecht zu werden hoffen

Aber ja: Dass da zwei Generationen Lüscher interagieren, in einem 70-Minuten-Kammerspiel, weckt Erwartungen, denen sie gerecht zu werden hoffen. Zumindest haben sie einen Vorteil: Sie sind die ersten, die den Figuren Leben einhauchen. «Kaninchenjagd oder wenn Dobrowski kommt» wird am 29. Oktober ja uraufgeführt. Niemand kann es mit früheren Inszenierungen vergleichen.

Ein entlaufenes Kaninchen lässt zwei Menschen aufeinandertreffen – eine junge Frau und einen alten Mann. Das ist der Plot. Kaspar Lüscher hat das Stück Anfang 2020 geschrieben. Zur Entstehungszeit war der Gedanke noch fern, dass er als Autor die eine und die Tochter die andere Rolle spielen würde. Das hat sich erst ergeben, als der Vater den Stoff Mia zu lesen gab und diese die Frauenrolle darin reizvoll fand.

Was für die Lüschers die ideale Regie ausmacht

Noch reizvoller wurde es für Kaspar Lüscher, als die Idee entstand, dass Kaija Ledergerber Regie führen solle. Eine Frau als Mitspielerin, eine Frau als Spielleiterin, mit 28 und 38 Jahren beide noch jugendlich alt – der Gedanke gefiel dem 67-Jährigen. Teamorientiert den Schauspielern Raum gebend, offen für deren Spiel, flexibel auf deren Ideen eingehend – so arbeite Ledergerber. Für die Lüschers sollten alle Regisseure so arbeiten. Als dann der Dreierbund feststand, hat das Vater und Tochter ein Stück weit auch aus ihrem Corona-Blues herauskatapultiert. Die harten und unsicheren Monate davor hatten sie um ihr Lebenselixier gebracht: aufzutreten und Resonanz zu bekommen, wie sie sagen.

Premiere und drei weitere Vorstellungen in Frick

Dass sie jetzt Premiere im Kornhauskeller feiern und dort drei weitere Male spielen können, freut die zwei Mimen aus Gipf-Oberfrick, vor allem Kaspar Lüscher, für den die regionale Bindung der Schauspielerei immer essenziell war. Doch die Tournee umfasst nicht nur Heimspiele, sondern auch Vorstellungen ausserhalb des Fricktals. Ob danach weitere gemeinsame Projekte kommen, wollen Kaspar und Mia Lüscher offenlassen. Sie sagen:

«Erst mal das zu Ende bringen und schauen, wie’s ankommt.»

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