Frick
Tempo 30 durch das Hintertürchen? Die Gemeinde streitet ab – und verweist auf Verbesserungen für den Schwerverkehr

Ein Vorstoss von SVP-Grossrat Stefan Giezendanner schlägt hohe Wellen: Er bezichtigt den Regierungsrat, durch das Hintertürchen Tempo 30 auf Kantonsstrassen innerorts einzuführen. Dabei geht es ihm auch um die Aufwertung der Hauptstrasse in Frick. Dort heisst es hingegen: Ziel sei es, den Verkehrsfluss zu verbessern.

Nadine Böni
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Die Hauptstrasse in Frick soll saniert werden. Die Ausführung kann – ein Ja an der Gmeind heute Abend vorausgesetzt – 2023 und 2024 erfolgen.

Die Hauptstrasse in Frick soll saniert werden. Die Ausführung kann – ein Ja an der Gmeind heute Abend vorausgesetzt – 2023 und 2024 erfolgen.

Peter Schütz

Das Timing ist für die Fricker ziemlich unglücklich. SVP-Grossrat Stefan Giezendanner äussert in einem Vorstoss den Verdacht, dass der Regierungsrat Tempo 30 auf Kantonsstrassen einführen wolle, durch die Hintertür quasi. Oder, wie der Zofinger schreibt: «Dass die politischen und rechtlichen Hürden umgangen werden, um trotzdem Verkehrsverlangsamungen auf Kantonsstrassen zu erreichen.»

Als konkretes Beispiel nennt Giezendanner unter anderem Frick, wo eine Aufwertung der Ortsdurchfahrt geplant ist. Er kritisiert, dass hier durch die Verkleinerung der Spuren und durch eingebaute Hindernisse «faktisch Tempo 20» auf der Hauptstrasse installiert würde.

Eine Visualisierung zeigt die geplante Neugestaltung samt Mittelstreifen.

Eine Visualisierung zeigt die geplante Neugestaltung samt Mittelstreifen.

Zvg

Seinen Verdacht äussert Giezendanner dabei ausgerechnet an der letzten Grossratssitzung vor der Sommerpause diese Woche – und damit genau drei Tage vor der Gemeindeversammlung von heute Abend, die in Frick über das Projekt entscheidet.

Kanton und Gemeinde erarbeiteten Projekt gemeinsam

Gut angekommen sind die Vorwürfe und der Zeitpunkt, diese zu äussern, in Frick nicht, logisch. Aber: Bereits zuvor war klar, dass das Projekt das Potenzial für Diskussionen an der Gmeind hat – und eine Prognose zum Ausgang der Abstimmung kaum möglich ist. Die Sanierung ist im Dorf nicht unumstritten. Gewerbetreibende etwa ärgert, dass ein Teil der Parkplätze der Strasse entlang wegfalle.

Trotzdem lässt die Gemeinde Giezendanners Vorwürfe nicht auf sich sitzen – weder Kanton noch Gemeinde würden über ein Hintertürchen Tempo 30 einführen wollen, sagt Gemeindeschreiber Michael Widmer und fügt an:

Gemeindeschreiber Michael Widmer.

Gemeindeschreiber Michael Widmer.

Zvg
«Wir planen die Aufwertung seit Jahren gemeinsam. Das Ziel beider Seiten war es stets, das starke Verkehrsaufkommen besser abwickeln zu können.»

Im technischen Bericht zum Projekt ist gar explizit festgehalten: «Mit dem Projekt erfolgt keine Änderung der Geschwindigkeit. Der gesamte Projektperimeter befindet sich im Innerortsbereich mit generell 50 km/h Höchstgeschwindigkeit.»

Die Fricker Hauptstrasse passieren täglich über 15'000 Fahrzeuge. Der Verkehrsfluss werde sich mit dem geplanten Mittelstreifen verbessern, so Widmer. «Abbiegende Fahrzeuge können bereits losfahren, wenn erst eine Spur frei ist.» Damit hat die Gemeinde bereits gute Erfahrungen gemacht: Die Kreuzung beim Coop ist so gestaltet und «funktioniert gut», wie Widmer sagt.

Mehr Sicherheit für Fussgänger und Velofahrer

Gleichzeitig würden mit der Aufwertung die Aufenthaltsqualität erhöht und die Sicherheit für den Langsamverkehr verbessert, so Widmer. Dazu sind bei den Fussgängerquerungen Schutzinseln vorgesehen.

Das Zentrum solle auch in Zukunft ein Treffpunkt bleiben und die Hauptstrasse sei dazu der Frequenzbringer, sagt Widmer. «Es geht nun darum, das Zentrum auch in Zukunft einfach erreichen zu können und sich zugleich als Gast in einem Café oder Restaurant oder als Fussgänger oder Radfahrer sicher und wohl zu fühlen.»

Stefan Giezendanner.

Stefan Giezendanner.

zvg

Stefan Giezendanner, selber Camionneur, schreibt in seinem Vorstoss von «Hindernissen» und verweist weiter darauf, dass die Hauptstrasse eine Schwerverkehrsroute von nationaler Bedeutung sei. Dem sei man sich durchaus bewusst, sagt Widmer und betont sogleich:

«Es sind keine Hindernisse geplant. Das Projekt erfüllt die üblichen Normen für den Schwerverkehr. Die Fahrbahnbreiten sind für Schwerverkehr ausreichend und werden nicht durch Hindernisse tangiert.»

Im Gegenteil: Widmer spricht sogar von Vorteilen, welche die Aufwertung gegenüber der heutigen Situation bringe – auch für den Schwerverkehr. So sind Verbesserungen bei den Einlenkradien bei allen einmündenden Strassen vorgesehen.

Spannend wird es heute Abend so oder so, wenn die Gemeinde über den traktandierten 5,8-Millionen-Franken-Kredit für die Sanierung und Aufwertung der Hauptstrasse entscheidet. Genehmigt die Versammlung das Geschäft, soll die Ausführung in den Jahren 2023 und 2024 in Etappen erfolgen.