Frick
«Jedes Ei ist ein Unikat»: Diese Fricktalerin färbt Ostereier wie früher

Gemeinsam mit ihrer Grossmutter färbt Nathalie Wüthrich aus Frick Jahr für Jahr Hunderte Ostereier. Traditionell mit Kräutern und Zwiebelschalen. Wie die Eier nach dem Färben aussehen, ist dabei jedes Mal eine Überraschung.

Nadine Böni
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Nathalie Wüthrich aus Frick färbt gemeinsam mit ihrer Grossmutter jedes Jahr bis zu 250 Eier, um diese an ihrem Buuremärt-Stand in Frick zu verkaufen.

Nathalie Wüthrich aus Frick färbt gemeinsam mit ihrer Grossmutter jedes Jahr bis zu 250 Eier, um diese an ihrem Buuremärt-Stand in Frick zu verkaufen.

Bild: zvg/Aargauer Zeitung

Die Zutatenliste ist übersichtlich: Eier, bevorzugt weisse, eine Auswahl an Kräutern, Nylonstrümpfe, mehrere Stück Faden, ein Kochtopf mit Wasser, Zwiebelschalen und bei Bedarf etwas Essig und Öl. Das ist alles, was Nathalie Wüthrich braucht, um zu Ostern kleine Kunstwerke auf den Tisch zu zaubern: traditionell gefärbte Ostereier mit Pflanzenmotiven.

Die Eier werden samt darauf platzierten Kräutern eng in einen Strumpf gewickelt und dieser wird mit dem Faden zugebunden. Danach kommen die Eier in einen vorbereiteten Sud aus Zwiebelschalen und etwas Essig und werden darin rund zehn Minuten gekocht. Die Kräuter – denkbar sind allerlei Blüten, Blätter und Gräser – dienen quasi als natürliche Stempel. Wüthrich erklärt:

«Im Zwiebelsud färben sich die Eierschalen rotbräunlich, die Stellen unter den Kräutern aber bleiben hell.»

Das Resultat ist dabei immer eine Überraschung. «Ich weiss im Vorhinein nie, wie stark ein Ei die Färbung annimmt oder wie das Motiv aussieht und wirkt», sagt Wüthrich. Jedes Ei ist ausserdem ein Unikat. «Ich könnte zehn Eier mit Kleeblättern einwickeln und genau gleich lang im Sud kochen – trotzdem würde jedes anders aussehen», sagt Wüthrich. Das gehört für sie zur Faszination dieser traditionellen Färbetechnik dazu. Und natürlich die Freude daran, ein Brauchtum fortzusetzen.

Es braucht Geduld und Geschick

Wüthrich erinnert sich, wie sie bereits als Kind daneben sass, als ihre Mutter und Grossmutter mit dieser Technik die Eier färbten. «Uns Kindern fehlten damals wohl etwas die Geduld und das Geschick dafür. Deshalb haben wir unsere Eier währenddessen einfach mit natürlichen Farben bemalt», sagt sie mit einem Lachen.

Seit einigen Jahren nun hat sie die alte Familientradition aber wieder aufgenommen und färbt nun, wieder gemeinsam mit ihrer Grossmutter, Ostereier. Zwischen 200 und 250 Eier färben die beiden Frauen jedes Jahr. Geduld und Geschick gehören noch immer dazu: Pro Ei brauche sie ungefähr eine Minute, sagt Wüthrich – das Kochen im Sud und das anschliessende Auswickeln sind da natürlich nicht eingerechnet.

Beliebt sind nicht nur die «perfekten» Eier

Die gefärbten Ostereier verkauft Wüthrich an ihrem «Buuremärt»-Stand, jeweils samstags in Frick. Sie kommen gut an:

«Viele Kundinnen und Kunden möchten sich zu Ostern etwas Spezielles kaufen, dekorieren mit den Eiern etwa den Tisch zum Brunch oder die Osternestli.»

Je näher die Feiertage rückten, desto grösser werde die Nachfrage. Dabei überrascht Wüthrich immer wieder von Neuem, welche Eier bei den Kundinnen und Kunden besonders gut ankommen.

«Es sind nicht unbedingt jene Eier mit den detailliertesten Motiven, die scheinbar perfekt gelungen sind, sondern auch solche mit einem eher speziellen Aussehen», sagt sie. Wenn etwa ein Ei auch auf der Rückseite – dort, wo der Strumpf verknüpft wurde – eine spezielle Färbung habe oder das Motiv leicht verwaschen sei. Der Verkauf ist für sie deshalb ein bisschen wie das Auspacken nach dem Färben: immer eine Überraschung.

Tipps fürs Färben der Ostereier

  1. Möglichst schöne Blätter, Blüten und Gräser aussuchen und darauf achten, dass sie nicht beschädigt oder zerknittert sind. «Die Blätter wieder glatt und schön zu bekommen, ist fast unmöglich», sagt Nathalie Wüthrich. Für Anfänger würde sie Löwenzahn- und Kleeblätter empfehlen, da diese relativ einfach zu handhaben sind. «Man kann die Technik aber natürlich mit allen Blättern und Blüten ausprobieren. Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt.»
  2. Die Strümpfe sollten satt gewickelt und gut verknüpft werden, damit die Motive während des Kochens nicht verrutschen oder sich die Strümpfe ganz vom Ei lösen. «Die richtige Technik ist etwas Übungssache, aber es ist keine Hexerei», sagt Wüthrich. Geübte «Färber» können auch versuchen, verschiedene Blätter zu kombinieren.
  3. Nach dem Färben im Zwiebelsud die Eier kalt abspülen und dann auspacken. Um ihnen einen besonderen Glanz zu verleihen, können die Ostereier danach noch mit etwas Öl eingerieben werden. Aber Achtung: «Durch das Öl werden die Eier schnell glitschig. Es ist dabei also Vorsicht geboten, damit die Arbeit nicht umsonst war», sagt Wüthrich mit einem Lachen.