Frick
«Es hat mir viel gefehlt»: Nach einem Jahr Zwangspause wird im Artune wieder ausgestellt

Chris van Weidmann zeigt im Haus von Peter Stocker eine Auswahl ihrer Bilder - nachdem die Ausstellung wegen Corona mehrmals verschoben werden musste. Für die Künstlerin wie den Galeristen endet damit eine coronabedingte Durststrecke. Weitere Ausstellungen sind geplant - für den Herbst und mit Maskenpflicht.

Peter Schütz
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Peter Stocker und Chris van Weidmann vor dem Werk «Das Paradox unserer Zeit» im Artune in Frick.

Peter Stocker und Chris van Weidmann vor dem Werk «Das Paradox unserer Zeit» im Artune in Frick.

Peter Schütz (27. August 2021)

Peter Stocker, Veranstalter von Kunstausstellungen und anderen Kreativbeiträgen in seinem Haus am Panoramaweg in Frick, hat Humor. Am Eingang hängt ein Blatt mit einer Abbildung der sich küssenden Staatschefs Leonid Breschnew und Erich Honecker mit dem Hinweis: «Coronavirus: Bitte auf Händeschütteln und Begrüssungsküsse verzichten.» Eine Flasche Desinfektionsmittel ist auch vorhanden.

Drinnen können die Abstände eingehalten werden, denn das Haus ist geräumig. Ausserdem hat der Gastgeber 50 Personen zugleich an einer Ausstellung noch nie gezählt. Sogar das Buffet gibt es nicht, stattdessen Lunchpakete zum Verzehr an einem beliebigen Ort. Stocker sagt:

«Ich freue mich, dass es wieder losgeht. Es hat mir viel gefehlt.»

Nach einem Jahr coronabedingter Zwangspause – die letzte Ausstellung fand im September 2020 mit Susi und Larissa Kramer statt - ist sein Haus mit dem Label «Artune» wieder eine Galerie. Zu sehen sind Schriftwerke von Chris van Weidmann, einer jungen, aus Lörrach stammenden Künstlerin mit Wohnsitz in Chur.

Van Weidmann hat 2016 mit Cristina Mazotti in der Galerie Mühle in Kaisten ausgestellt. Dort fand 2018 die letzte Ausstellung statt. Irene Wiestner, damals Präsidentin der Kulturkommission Kaisten, stellte den Kontakt zu Stocker her.

Mehrmalige Verschiebungen wegen Corona

Glatt verlief die Organisation der Ausstellung von Chris van Weidmann in seinem Haus nicht. «Wir mussten sie wegen Corona mehrmals verschieben», berichtet Stocker. Anderen Veranstaltungen erging es gleich. Der seit eineinhalb Jahren geplante Auftritt von Slam-Poetin Lara Stoll musste zwei Mal verschoben werden.

Jetzt soll es im Herbst klappen – mit Maskenpflicht. «Für Künstler und Künstleragenturen ist es dramatisch», sagt Stocker mit Blick auf das lange Aus für die Kultur, «jedes Verschieben macht Arbeit und kostet Geld».

Ein Jahr ohne Austellung - wirtschaftlich ein Desaster

Chris van Weidmann konnte ein Jahr lang nicht ausstellen – wirtschaftlich ein Desaster, gegen das sich die Wahl-Churerin mit Auftragsarbeiten stemmte. Eine Folge der Zwangspause: Sie hatte mehr Besuche im Atelier. Dabei stellte sie fest, «dass die Leute ruhiger, achtsamer geworden sind». Die Coronapandemie ist in ihren Bildern auf den ersten Blick kein Thema. Wenngleich eines den Titel «Das Paradox unserer Zeit» trägt, ein anderes Sherlock Holmes zitiert:

«Trauen Sie niemals allgemeinen Eindrücken, sondern konzentrieren Sie sich auf Einzelheiten.»

Damit bringt die Künstlerin das Wesen ihrer aufwendigen Werke auf den Punkt. Die Motive scheinen konventionell gezeichnet zu sein, bestehen jedoch aus Unmengen von sehr kleinen, nur mit der Lupe erkennbaren, von Hand aufgetragenen Buchstaben, Worten, Sätzen.

«Ich wünsche mir, dass die Menschen sich wieder Zeit nehmen und lernen, wieder genau hinzusehen, um zu verstehen, dass viele Dinge erst auf den zweiten Blick ersichtlich sind», erklärt Chris van Weidmann.

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