Kolumne

Freiwilligenarbeit wider die Gleichgültigkeit

Das Engagement der Freiwilligen nimmt stetig ab. Was braucht es, damit Freiwilligenarbeit nicht immer mehr an Zugkraft verliert? (Symbolbild)

Das Engagement der Freiwilligen nimmt stetig ab. Was braucht es, damit Freiwilligenarbeit nicht immer mehr an Zugkraft verliert? (Symbolbild)

Regula Laux über eine neue Studie des Gottlieb Duttweiler Institutes.

Wer kennt sie nicht, die Diskussionen in Vereinen oder zusammengewürfelten Grüppchen, wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen, sich inhaltlich und zeitlich zu engagieren?

Häufig ist man im Zusammentragen der Gründe, wieso diese oder jene Aufgabe nicht übernommen werden kann, so ausführlich, dass die Arbeit in der Zeit des Absagens schon fast erledigt wäre. Kommt noch dazu: Wer sich engagiert, sei es in der Flüchtlingsarbeit, beim städtischen Schützenverein, im Umweltschutz oder für regionale Autorennen, bietet Angriffsfläche. Privatisieren ist da bequemer. Es lebe der Individualismus.

Eine neue Studie des Gottlieb Duttweiler Institutes (GDI) hat dies ebenfalls untermauert: Das Engagement der Freiwilligen nimmt stetig ab und geht einher mit einem Verlust lokaler Verankerung und einem zunehmenden Individualismus. «Man wird nicht mehr in zivilgesellschaftliche Strukturen hineingeboren», erklärt Jakub Samochowiec, der Studienleiter des GDI. «Die Freiwilligkeit der Freiwilligkeit wird wichtiger», so sein Fazit.

Eine Gesellschaft ohne das Engagement von Freiwilligen kann meiner Meinung nach direkt zusammenpacken. Doch sich für etwas und/oder andere einzusetzen, braucht Partizipation und Mitgefühl. Aber: «Freiwilligenarbeit darf nicht auf Partizipation verkürzt werden», ist Barbara Bleisch, Philosophin und Moderatorin «Sternstunde Philosophie» überzeugt. Und weiter: «Gemeinschaft braucht Gemeinsinn – nicht jede Form der Freiwilligenarbeit schafft Gemeinsinn – Gemeinsinn braucht Haltung – Freiwillige leisten sich diese.»

Das, was Barbara Bleisch «Haltung» nennt, möchte ich lieber mit einer Mischung aus Mitgefühl und Zivilcourage betiteln. Etwas, was alle Menschen mit auf den Weg bekommen sollten: Mit offenen Augen, Ohren, Herzen und Haltungen durch diese Welt laufen, sich engagieren, auch anecken, wenn man es für richtig und wichtig hält und dranbleiben, wenn es nötig ist.

Und von noch etwas bin ich überzeugt: Damit die Freiwilligenarbeit nicht immer mehr an Zugkraft verliert, braucht es Toleranz, mehr Mitbestimmung und Flexibilität auf allen Seiten. Also: Wer übernimmt das Präsidium des neuen Clubs «Wider die Gleichgültigkeit»? Schriftliche Bewerbungen an info@lauxmedia.ch.

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