Fricktal

Freispruch nach Verletzung eines Fohlen: Was geschah auf der Pferdeweide?

Fohlen missbraucht: Verdächtiger bestreitet Tat vor Gericht

Fohlen missbraucht: Verdächtiger bestreitet Tat vor Gericht

Trotz erdrückender Beweismittel, welche die Polizei auf der Pferdeweide gefunden hat, streitet der 32-jährige Fricktaler Tatverdächtige ab, ein Fohlen missbraucht zu haben.

Das Bezirksgericht Rheinfelden spricht einen 32-Jährigen vom Vorwurf der Tierquälerei frei – einige Fragen bleiben offen.

«Bizarr» sei der Fall, und: «Ganz sicher nicht alltäglich.» Das sagte der Verteidiger eines 32-Jährigen am Mittwochnachmittag vor dem Bezirksgericht Rheinfelden. Genau so lässt sich denn auch der Inhalt der Anklageschrift beschreiben.

An einem Montagmorgen im Juni 2017 fanden die Besitzer einer Ranch im Fricktal demnach ein paar rote Boxershorts, einen von Hand ausgefüllten Einzahlungsschein und eine Flasche Putzmittel auf der Pferdeweide. Bei einer späteren Kontrolle der Pferde wurde ausserdem festgestellt, dass eines der Tiere, ein Fohlen, Verletzungen im Genitalbereich aufwies.

Laut Anklageschrift kam die herbeigezogene Tierärztin zum Schluss, «dass die vorhandenen Verletzungen und der Zustand des Fohlens dafür sprechen, dass es angefasst und missbraucht wurde.» Der Verdacht fiel dabei schnell auf den nun Angeklagten: Auf dem gefundenen Einzahlungsschein waren sein Name und seine Adresse angegeben. Er wohnte zum damaligen Zeitpunkt nur wenige hundert Meter von der Ranch entfernt. Auf den dort gefundenen Boxershorts konnten die Kriminaltechnik-Experten seine DNA nachweisen.

«Ich habe nur den Abfall an die Strasse gestellt»

Allerdings: Der Beschuldigte bestritt von Anfang an, etwas mit dem angeblichen Missbrauch zu tun gehabt zu haben. Bereits bei den Befragungen durch die Polizei gab er an, sich nicht erklären zu können, wie die Boxershorts, der Einzahlungsschein mit seinen Daten und die Putzmittelflasche auf die Pferdeweide gekommen seien. Diese Aussage wiederholte er auch vor dem Bezirksgericht. «Ich kenne weder die Besitzer der Ranch noch den Tatort, noch die Tiere», sagte er. Ein einziges Mal habe er die Ranch betreten – als Kind, als seine Schwester dort einen Reitkurs besuchte. «Seither war ich nie mehr dort.»

Auch auf Nachfrage von Gerichtspräsidentin Regula Lützelschwab konnte er keine schlüssige Erklärung liefern, wie die Gegenstände auf der Weide gelandet waren. Er habe damals den Umzug in eine neue Wohnung vorbereitet und daher aufgeräumt und entrümpelt. Auch seine Boxershorts seien im Abfall gelandet, «weil sie mehrere Löcher hatten», so der Angeklagte.

«Ich habe nur den Abfall an die Strasse runtergestellt. Einige Monate später stand die Polizei vor der Tür.» Die Theorie, ein Fuchs könnte die Abfallsäcke aufgerissen und die Gegenstände mitgeschleift haben, bezeichnete der Angeklagte gleich selber als «wenig realistisch». Aber eine bessere Erklärung habe er auch nicht.

Am Fohlen fehlte die DNA des Angeklagten

Die Staatsanwaltschaft forderte für den Angeklagten wegen «Tierquälerei durch Vornahme von sexuell motivierten Handlungen an einem Fohlen» eine bedingte Geldstrafe von zwei Jahren und dazu eine Busse in der Höhe von 1200 Franken.

Ein Schuldspruch aber, so der Verteidiger, sei «aufgrund der dürftigen Beweislage nicht möglich». So seien am Fohlen keinerlei DNA-Spuren nachgewiesen worden, die mit jenen des Angeklagten übereinstimmen. «Es gibt also höchstens summierte Indizien, aber keinerlei Beweise für die Schuld des Angeklagten.» Der Verteidiger plädierte auf einen Freispruch. Und er wollte seinen Mandanten mit einer Genugtuung entschädigt wissen.

Das Gericht folgte schliesslich der Forderung des Verteidigers. Es sprach sowohl einen Freispruch als auch eine Genugtuung aus. Es sei «einigermassen mysteriös», wie die Gegenstände auf die Weide gelangten, sagte Regula Lützelschwab. Auch sonst blieben zu viele offene Fragen. «Eine Verbindung zwischen Pferd und Beschuldigtem etwa war nicht möglich. Am Ende gibt es keine geschlossene Indizienkette», erklärte sie.

Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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