Stein
Frauenmorgen Stein: Gut altern ist eine reife Leistung

Beim letzten Frauenmorgen in Stein vor den Sommerferien zeigte Referentin Verena Kuster, Aarau, wie man mit der «Lebensphase Alter» am besten umgehen kann.

Hildegard Brunner
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Verena Kuster, Aarau, verstand es ausgezeichnet, die Frauen am Frauenmorgen in Stein zu informieren.

Verena Kuster, Aarau, verstand es ausgezeichnet, die Frauen am Frauenmorgen in Stein zu informieren.

Hildegard Brunner

Im Alter schaut man oft retour, aber nicht immer gelingt es, den Wandel im Alter zu verstehen und zu akzeptieren. Dies gilt auch für diejenigen, die einen alten Menschen begleiten und für ihn Verantwortung übernehmen. Im Referat von Verena Kuster, Erwachsenenbildnerin und Therapeutin mit eigener Praxis, wurde klar, die Menschen werden heute im Allgemeinen älter als früher. Und für viele ist es schwierig bei der rasanten Entwicklung der Technik mitzuhalten.

Manche verweigern sich von vornherein und so flüchten viele ältere Menschen zurück in die Vergangenheit. Die Vergangenheit birgt jedoch für viele nicht nur Positives. Ausgehend von der Kindheit zeigte die Referentin anhand vieler Beispiele, wie die persönliche Identität und manche Defizite ihren Ursprung oft in Ereignissen haben, die man als kleines Mädchen oder Junge erlebt hat.

Veränderungen im Leben sind prägend

Oft wird man beim persönlichen Rückblick an Schmerzhaftes, Trennungen, Enttäuschungen und eigene Fehler erinnert, die man nie richtig verarbeitet hat. In der zweiten Lebenshälfte sollte man sich sukzessiv vermehrt nach innen orientieren. Vielleicht könne man auch einen Sinn im Leiden erkennen. Wichtig ist, nicht daran zu zerbrechen. Auch die Erkenntnis, dass man nicht für alles verantwortlich ist und nicht alles selber machen muss, kann hilfreich sein. Grübeln sei jedoch kontraproduktiv und schädlich. Oft müsse man akzeptieren, dass es nicht auf jedes «warum» eine Antwort gibt.

Versöhnungsarbeit ist wichtig

Wichtig sei, so die Referentin, dass man sich selber gern habe und akzeptiere. Dann könne man loslassen und auch aktive Versöhnungsarbeit in Angriff nehmen. Schwierig sei es oft, gegen Urängste wie «Verarmungsangst» oder «Versagensangst» anzugehen. Fast jeder hat schon einmal erlebt, wie ein älteres Familienmitglied behauptet, man habe ihm alles Geld genommen oder überängstlich nichts Neues wagen will. Glücklich alle diejenigen, die zu jemand Vertrauen haben können und immer wieder sich über etwas freuen können. Oft sind es die kleinen Dinge, wie ein Kinderlachen, ein gutes Gespräch oder eine schöne Erinnerung, die neue Lebensfreude weckt. Altern könne, so Verena Kuster, eine Chance sein, sein Leben im besten Sinne zu vollenden.