Zeiningen
Franz Nietlispach: «Diese Auszeichnung bekommt einen besonderen Platz»

Franz Nietlispach wurde für seine Verdienste rund um den Behindertensport geehrt. Er gilt als einer der erfolgreichsten Schweizer Behindertensportler.

Nadine Böni
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Nach der Preisübergabe traf Franz Nietlispach (r.) im House of Switzerland Bundesrat Alain Berset zum Gespräch.

Nach der Preisübergabe traf Franz Nietlispach (r.) im House of Switzerland Bundesrat Alain Berset zum Gespräch.

KEYSTONE

Grosse Ehre für Franz Nietlispach: Am Rande der Paralympics in Rio de Janeiro wurde der Fricktaler als erster Schweizer in die «Hall of Fame» des Internationalen Paralympischen Komitees aufgenommen.

Ehre für Sportler: Hall of Fame

Seit 2006 werden jährlich zwischen drei und fünf erfolgreiche Persönlichkeiten in die «Hall of Fame» des Internationalen Paralympischen Komitees aufgenommen, die mit besonderen Verdiensten um den Behindertensport aufgefallen sind. Franz Nietlispach ist der erste Schweizer, dem diese Ehre zuteil wird.

Der seit Jahren in Zeiningen wohnhafte Nietlispach ist einer der erfolgreichsten Schweizer Behindertensportler der Geschichte. Im Rollstuhl- und Handbike-Sport hat er fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt.

Insgesamt holte Nietlispach 22 Medaillen an Paralympischen Spielen – zwei Bronzene, sechs Silberne und 14 Goldene. Dazu kommen 20 Weltmeister- und vier Europameistertitel.

Die Aufnahme in die «Hall of Fame» ist für den heute 58-Jährigen trotz all der Erfolge etwas Besonderes – gerade, weil sie nicht nur mit seinen sportlichen Leistungen zu tun hat.

Herr Nietlispach, Sie sind als erster Schweizer in die «Hall of Fame» des Behindertensports aufgenommen
worden. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Franz Nietlispach: Das ist eine sehr grosse Ehre und es war für mich ein guter Grund, um für einige Tage nach Rio de
Janeiro zu fliegen – und all die Athleten und Freunde wieder zu treffen, die ich zum Teil seit meiner ersten Paralympics-Teilnahme in Toronto 1976 kenne. Das sind herrliche Begegnungen. So habe ich einen befreundeten Tischtennisspieler von damals wieder gesehen.

Ist diese Auszeichnung vergleichbar mit Ihren sportlichen Erfolgen von früher – etwa mit den paralympischen Medaillen, die Sie geholt haben?

Nein, vergleichen kann man diese Auszeichnung eigentlich nicht mit den sportlichen Erfolgen. So hatte ich etwa nicht denselben Adrenalinstoss, wie ich es bei meinen Wettkämpfen erlebte. Trotzdem war die Ehrung mit der Übergabe des Trophäe durch Sir Philipp Carvenauch, Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees, emotional – in einem sehr würdigen und dennoch lockeren Rahmen.

Lange Jahre waren Sie nicht nur als Sportler aktiv und erfolgreich, sondern haben auch für die Anerkennung des Behindertensports in der Schweiz gekämpft. Ist die Aufnahme in die «Hall of Fame» auch eine Würdigung für diesen Einsatz?

Ja, das empfinde ich so. Das ist auch der Sinn dieser «Hall of Fame»: Es geht nicht in erster Linie um die sportlichen Leistungen. Dafür habe ich bereits genügend «return of Investment» – also Würdigung – erhalten. Ich sehe die Auszeichnung vielmehr auch als Anerkennung, dass ich die Entwicklung im Rollstuhlsport vor allem im technischen Bereich über Jahrzehnte mitgeprägt habe.

Es gab eine Zeit, da wollten grosse Schweizer Medien nicht einmal über die Paralympics berichten. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Das war die Zeit so vor rund 40 Jahren. Damals meinten alle, meine Frau müsse mir jeden Morgen helfen, die Hosen anzuziehen. Ich habe das als Herausforderung gesehen, allen zu zeigen, dass Behinderte gar nicht behindert sind. Dass das eigentlich nur ein doofes Wort ist. Jeder hat irgendwo ein Handicap, das er zu überwinden hat. Das sind normale Herausforderungen unseres Lebens.

Die Rollstuhlsportler mit Franz Nietlispach. (28.04.2014)

Die Rollstuhlsportler mit Franz Nietlispach. (28.04.2014)

zvg

Und 40 Jahre später – wie erleben Sie den Umgang mit dem Behindertensport heute?

Es gibt immer noch grosse Unterschiede von Nation zu Nation. Einige Nationen haben erkannt, dass sie die Leistungen ihrer Behindertensportler kommunikativ nutzen können, um zu zeigen, wie leistungsfähig ihre Nation ist. Jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied.

Dann hat sich der Kampf, den Sie und Ihre Kollegen während Jahren führten gelohnt, ist aber noch nicht vorbei?

So ist es. Wäre es ein Fussballspiel, würde ich sagen, es ist Halbzeit. Wir haben aus dem 0:3 ein 1:3 gemacht. In der zweiten Halbzeit müssen wir nun noch weiter zulegen, sonst haben wir verloren.

Zurück zur Auszeichnung: Wissen Sie schon, welchen Platz die «Hall of Fame»-Trophäe bei Ihnen zu Hause bekommt?

Nein, das weiss ich noch nicht. Aber die Auszeichnung bekommt einen besonderen Platz. Der Platz wird bestimmt besser, als der meiner Medaillen.

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