Wölflinswil
Förster Habermacher stellt die Baumarten der Zukunft vor

Ein spannender Samstagnachmittag fand mit Förster Werner Habermacher im Lammetholz von Wölflinswil statt. Habermacher führte durchs «Lammetholz» und legte das Augenmerk auf die Auswirkungen des Klimawandels. Und zeigte die kommenden Baumarten.

Peter Bircher
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Förster Werner Habermacher (rechts) führte durch das Lammetholz.

Förster Werner Habermacher (rechts) führte durch das Lammetholz.

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Eingeladen hatte das Naturama, der Jurapark Aargau und das Bildungshaus Herzberg. Trotz starker Regengüsse war die Beteiligung vieler Interessierter beachtlich. Die Waldexkursion fand im Rahmen der Sonderausstellung des Naturama statt, welche noch bis zum 3. Februar 2013 dauert und dem unscheinbaren Molekül CO2 gewidmet ist, das neben Sauerstoff und Wasser zu den wohl bekanntesten chemischen Verbindungen gehört.

Klimakiller und Lebenselixier

Der Stoff wird als Klimakiller verteufelt und ist gleichzeitig ein überaus wichtiges Lebenselixier. Bedrohlich für das Klima ist die Konzentration in der Luft, die ihre Auswirkungen auch auf die Wälder hat. Man rechnet mit einem Temperaturanstieg von zwei bis fünf Grad in den nächsten hundert Jahren. Die Folgen: Die Sommerniederschläge nehmen tendenziell ab, und wenn die Niederschlagsmenge unter 800 mm pro Jahr fällt, gelten die Fichtenbestände als gefährdet. Durchschnittswerte können trügerisch sein und es gibt auch Prognosen, welche bis 2080 im Jahresverlauf extreme Schwankungen erwarten, so beispielsweise im August massive Erwärmung gegenüber heute sowie generell mehr Stürme und massive Regenfälle in kurzen Zeitabschnitten.

Das Öko-System ist fragil. Die heute dominante Buche ist robust und wird bis zu drei Grad Temperaturanstieg vermutlich verkraften können. Aber der Baum und mit ihm die Grosszahl der Pflanzen gerät unter Druck und in Stress. Man geht schon heute von einer «Verfrühung» von 18 Tagen im Frühjahr und von drei Tagen im Herbst aus, was heisst, dass sich die Vegetationsperiode innert 50 Jahren um 15 Tage verlängert hat.

Wachstumsschub

Ein weiterer oft unterschätzter Faktor ist der dauernde Stickstoffeintrag aus der Luft bis zu 20 Kilogramm pro Hektare und Jahr, was zu einem zuvor nie gekannten Wachstumsschub der Bäume geführt hat.

Habermacher sprach sich für mehr Vielfalt aus. Die wärmeliebende Eiche, den Waldkirschbaum und auch Douglasien und Nussbaumarten sieht er als «Zukunftsbäume», welche auch wirtschaftlich interessant sind. 1967 warf im Lammetholz ein grosser Sturm 3800 Kubikmeter Weisstannen und Fichten zu Boden. Die Wiederaufforstung darf sich heute sehen lassen, blieb aber stark «fichtenlastig». Es wäre aber eine Illusion zu glauben, dass die Fichtenwälder so rasch ersetzt werden können.

Vor allem weil der Preis für das Buchenholz im Keller liegt, ist man in einem Jurawald auf mindestens einen Drittel Nadelholznutzung angewiesen, um wirtschaftlich überleben zu können. Der Douglasienanteil wird auch bei starker Förderung bei fünf Prozent liegen.

Habermacher sensibilisierte die Teilnehmer für die Klimadebatte, die nicht aufs Nebengleis geschoben werden dürfe. Hohe Mobilität und zu grosser Energieverbrauch könnten nicht einfach ausgeblendet werden. Aber auch das Wirtschaften um den ganzen Erdball führe in eine Sackgasse. So werden Buchenstämme aus regionalen Wäldern nach Vietnam verfrachtet, zu Parkett oder Türschwellen verarbeitet, um dann wieder in Europa zum Verkauf zu gelangen.