Der Herbst zieht übers Land, es wird kälter. Es ist an der Zeit, dass sich Rotkehlchen, Hausrotschwänze, Buchfinken und Stare auf die lange Reise Richtung Süden begeben; in die Wärme. Hauptsächlich aber, um genügend Nahrung zu finden. Denn kalt wird es den Vögeln kaum: Dank dem dichten Federkleid sind sie gut vor Kälte geschützt. Ob unsere Natur im Winter aber genug Obst, Beeren, Nüsse und Baumsamen zu bieten hat, ist eine andere Frage. In der Region kann man derzeit riesige Vogelschwärme beobachten; auf dem Sonnenberg etwa oder auch in der Region Frick.

Gäste aus Skandinavien

Doch nicht alle ziehen in den Süden. «Bei den sogenannten Teilziehern reist nur ein Teil der Vögel einer Vogelart in wärmere Gebiete», sagt Michael Schaad von der Schweizerischen Vogelwarte in Sempach. Dazu gehören beispielsweise der Buchfink und der Star: In milden Wintern finden die Vögel auch in der Schweiz genügend Nahrung, und sie verbrauchen keine Energie für die Reise in den Mittelmeerraum und zurück. Somit haben sie einen Vorteil gegenüber den vorübergehend ausgewanderten Artgenossen: Sie können im Frühling als Erste die besten Reviere besetzen und haben, dank mehr Energie, oft auch mehr Junge.

«Nach einem guten Buchennuss-Jahr wie 2016 sind die Voraussetzungen für eine Überwinterung gut. Wenn der Winter noch dazu mild ist, wird es für die Körnerfresser, die hierbleiben, einfacher sein, sich zu ernähren und zu überleben», sagt Schaad. Hinzu kommt, dass etwa Rotkehlchen und Buchfinken aus Skandinavien in unser Land ziehen, wie andere Vögel nach Afrika fliegen. Der Klimaunterschied zwischen den nordischen Ländern und der Schweiz reicht diesen Vögeln schon aus, viele überwintern hier. Ebenso machen es die Bergfinken. Urs Wullschleger, Ressortleiter im Bereich Vögel des Natur- und Vogelschutzvereines Kaiseraugst erklärt: «Das Zugverhalten von Vögeln ist futterbedingt, die Schweiz präsentiert sich im Winter aber definitiv vogelfreundlicher als früher.»

Milder Winter mit Folgen

Sogenannten obligatorischen Zugvögeln wie der Schwalbe, ist es nicht möglich, den Winter hier zu verbringen. Das Klima hat sich noch nicht so stark gewandelt, dass es im Schweizer Winter fliegende Insekten – und damit Nahrung – in grossen Mengen gibt. Aber es gibt andere Fälle: «Der Rotmilan bleibt seit einigen Jahren das ganze Jahr über in der Schweiz, früher zog er über den Winter weiter Richtung Süden», sagt Thomas Zehnder, Präsident des Naturschutzvereines Frick.

Der grosse Vogel ernährt sich unter anderem von Feldmäusen und Maulwürfen, aber auch von kleinen Vögeln wie dem Star. Dank immer milderen Wintern ist der Boden nicht mehr ständig gefroren; Maus und Maulwurf kommen ans Tageslicht und sind so auch im Winter sichere Beute für den Milan. «Die Schweiz ist die Hochburg der Milane, die Greifvögel kommen auch von Deutschland hierher um zu überwintern», so Wullschleger.

Er ist sich sicher: «Das Klima wird sich weiter wandeln und damit wird sich auch der Vogelzug einschränken und verändern.»