Schupfart
Flugplatz Schupfart: Ortsbürger wollen auch bei Fusion allein bestimmen

Ob der Pachtvertrag für den Flughafen Schupfart erneuert und die Flugzeiten ausgedehnt werden, entscheiden die Ortsbürger. Für den Fall einer Fusion von Schupfart mit drei Nachbargemeinden denken die Ortsbürger an eine Auslagerung des Flugplatzes.

Stefan Gyr
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Der Flugplatz Schupfart liegt auf zwei Grundstücken, die sich im Besitz der Ortsbürgergemeinde befinden.

Der Flugplatz Schupfart liegt auf zwei Grundstücken, die sich im Besitz der Ortsbürgergemeinde befinden.

Walter Christen

Auf dem Flugplatz von Schupfart haben die Ortsbürger das alleinige Sagen. Die Ortsbürgergemeindeversammlung entscheidet am 27. Juni über die Erneuerung des Pachtvertrags mit dem Aero-Club und die Ausweitung der Flugzeiten. Die Ortsbürgergemeinde ist Alleineigentümerin der beiden Pachtgrundstücke. Die Bevölkerung in den Nachbargemeinden wird nicht nach ihrer Meinung gefragt, obwohl sie den Fluglärm mittragen muss.

«Ich frage mich, ob es nicht sinnvoll ist, auch die Nachbarn über diese Verlängerung des Betriebs zu informieren», schreibt die Grünen-Grossrätin Patricia Schreiber-Rebmann aus Wegenstetten in einem Leserbrief. «Kann die Bevölkerung in den umliegenden Gemeinden mindestens konsultativ über diesen Pachtvertrag abstimmen, damit die Schupfarter wissen, was die Nachbarn davon halten? Oder müssen wir diese Ausdehnung der Betriebszeiten einfach hinnehmen?»

Anonym: Hinter den Inseraten steckt Willi Luder

Im Fricktal sorgen anonyme Inserate gegen den Flugplatz Schupfart für Diskussionen. Jetzt ist der Urheber des Protests bekannt. Der 63-jährige Willi Luder aus Wittnau steckt hinter den grossformartigen Inseraten gegen den Fluglärm, die in den letzten Tagen anonym in der «Neuen Fricktaler Zeitung» aufgetaucht sind. Das berichtete Tele M1.

Luder und seine Frau fühlen sich nach eigenen Angaben durch den Fluglärm «massiv belästigt». In einem Inserat forderten sie anonym, dass Schupfart den Flugplatz schliesst und dafür von den Nachbargemeinden finanziell entschädigt wird.

Luder sieht jetzt eine Chance für eine Beendigung des Flugbetriebs, weil die Ortsbürgergemeindeversammlung am 27. Juni über die Verlängerung des Pachtvertrags für die nächsten 25 Jahre entscheidet. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Gemeinderäte von Wegenstetten, Hellikon und Schupfart sowie Einwohnern von Schupfart hat mit dem Regionalverband Fricktal des Aero-Clubs einen neuen Pachtvertrag ausgehandelt.

Er sieht eine Ausweitung der Betriebszeiten vor: Die Mittagspause soll verkürzt werden, und an Sonntagen soll der Flugbetrieb früher beginnen und länger dauern. Der Jahrespachtzins wurde von 25 000 auf 16 000 Franken gesenkt. Daneben muss der Aero-Club eine progressive Bewegungs- und Lärmgebühr entrichten. (AZ/stg)

17 Seiten starkes Gutachten

Einige Ortsbürger von Schupfart wollen aber von einer Mitbestimmung der Nachbarn nichts wissen. Im Gegenteil: Sie wollen auch bei einer Fusion der Einwohner- und Ortsbürgergemeinden von Schupfart, Obermumpf, Mumpf und Stein weiterhin allein über die Geschicke des Flugfelds entscheiden. Zur Diskussion steht eine Auslagerung der beiden Pachtgrundstücke. An einer Informationsveranstaltung beauftragten sie den Gemeinderat, die rechtlichen Fragen zu klären. Der Gemeinderat holte bei den ME Advocat Rechtsanwälten im sanktgallischen Staad ein Gutachten ein.

Die Kanzlei lieferte Anfang Mai ein 17 Seiten starkes Papier ab, das der Gemeinderat jetzt auf der Schupfarter Website im Zusammenhang mit der Ortsbürgerversammlung und dem neuen Pachtvertrag veröffentlicht hat.

Der Gutachter empfiehlt die Übertragung der beiden Grundstücke an einen noch zu gründenden Verein. Damit könnte das Ziel «bestmöglich erreicht werden». Der Gemeinderat winkt aber ab.

«Wir haben zwar nicht definitiv abgestimmt, aber wir lehnen diese Lösung eher ab», erklärt der verantwortliche Gemeinderat René Heiz. «Aus unserer Sicht ist nicht klar, ob eine Auslagerung überhaupt möglich wäre.» Das Verfahren wäre komplex und aufwendig.

«Die Übertragung des Flugfelds an einen Verein würde aber vor allem dem Fusionsgedanken nicht entsprechen», sagt Heiz. «Wenn Gemeinden sich zusammenschliessen, gehört alles dazu.»

Projektleitung informiert

Der Gemeinderat sei dem Auftrag einiger Ortsbürger nachgekommen, die Rechtsfragen zu klären. Er habe die Leitung des Gemeindefusionsprojekts im mittleren Fricktal von Anfang an über diese Abklärungen informiert. Der Gemeinderat werde dazu an der Ortsbürgergemeindeversammlung keinen Antrag stellen und das Gutachten auch nicht zur Sprache bringen, erklärt Heiz.

Klar ist aber: Die Ortsbürger können eine Auslagerung der Grundstücke beschliessen, und der Gemeinderat müsste sich fügen. Allerdings mahnt auch der Gutachter: Ob diese Lösung im Vorfeld einer Gemeindefusion aus gemeindepolitischer Sicht opportun sei, bleibe «fraglich».

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