Laufenburg
Flüchtlinge aus Eritrea berichten über ihr Schicksal

Am Begegnungsabend in der reformierten Kirche erzählten Flüchtlinge aus Eritrea von ihrer Heimat, dem Weg nach Europa und ihrem Leben hier.

Hans Christof Wagner
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Im Gespräch mit Salahaddin Al Beati (2.v.r.) berichteten Al Amary Hussein, Abdu Mohamed, und Tsige Kidane (v.l.) von Eritrea undihrer Flucht in die Schweiz. hcw

Im Gespräch mit Salahaddin Al Beati (2.v.r.) berichteten Al Amary Hussein, Abdu Mohamed, und Tsige Kidane (v.l.) von Eritrea undihrer Flucht in die Schweiz. hcw

Hans Christof Wagner

Kommunikation mit den Einheimischen – das wünschen sich die in Laufenburg wohnenden Eritreer am allermeisten. Am Donnerstagabend hatten sie dazu Gelegenheit. Beim von der IG Asyl organisierten Begegnungsabend in der reformierten Kirche sassen drei Eritreer auf dem Podium: Al Amary Hussein (19), Abdu Mohamed (25) und Tsige Kidane (32). Befragt von Salahaddin Al Beati, einem schon mehr als 20 Jahre in der Schweiz lebenden Iraker, der ein Beratungsbüro für Flüchtlinge in Aarau betreibt, schilderten sie ihre Schicksale, berichteten sie aus ihrem Land, erzählten sie, warum sie in die Schweiz kamen und was sie vom Leben hier erwarten.

Eins wurde deutlich: Die drei Männer kennen ihren Schilderungen nach kaum etwas anderes als Verfolgung, Flucht und materielle Not. Bevor sie sich zu ihrem riskanten Trip ins ferne Europa aufmachten, prägte die Flucht in die direkten Nachbarländer Eritreas, nach Sudan und Ägypten, ihr Leben. Bei Mohamed und Kidane war der vom Staat verfolgte Vater, der keinen Militärdienst ableisten wollte, der Grund für das Exil. Hussein, dessen Mutter aus dem Jemen stammt, verlor den Vater 2015 und stand, nachdem der Bruder verhaftet worden war, alleine und mittellos da.

Bis zu 4000 Franken für Schlepper

Und dennoch: Nach Europa zu flüchten, muss man sich leisten können. Hussein erzählte den rund 100 Besuchern der Veranstaltung, dass er den Schleppern umgerechnet 4000 Franken bezahlte. Kidane und Mohamed zahlten 1600 und 2500 Dollar, um über Libyen und Ägypten nach Italien zu gelangen. Auf die Frage Al Beatis, warum die Männer gerade die Schweiz gewählt haben, sagte Mohamed: «Ich habe schon im Flüchtlingslager im Sudan Schweizer kennen gelernt, die dort für die UNO arbeiteten, und die waren sehr nett zu uns.»

Aus den Berichten der Männer, die für die Veranstaltung ausgesucht wurden, weil sie auch Arabisch sprechen, kam heraus: In der Schweiz haben sie zum ersten Mal Menschlichkeit erlebt, sind sie zum ersten Mal auf Menschen gestossen, die ihnen uneigennützig helfen und beistehen. Und das wollen sie, wie sie betonten, schnellstmöglich zurückgeben – indem sie die Sprache lernen und Arbeit finden.

Auf den Männern aus Eritrea lastet grosser Druck: Ihre Familien zu Hause haben ihr letztes Hab und Gut verkauft, um ihnen die Flucht nach Europa zu finanzieren. Dort müssen sie jetzt Erfolg haben und mit dem verdienten Geld die Angehörigen unterstützen. Aber noch sitzen sie in ihrer Unterkunft, der früheren Villa Balteschwiler, meist tatenlos herum, wie Hussein berichtete, und haben auch kaum Kontakt zu ihren Leuten in Afrika.

Astrid Bieri und Dora Freiermuth von IG Asyl kündigten jedoch an, dass die Eritreer bald Gartenarbeit verrichten können, auf einer nahe gelegenen Parzelle. Dazu gibt es heute Samstag eine Sammelaktion. Laufenburger können in einen hinter dem Coop stehenden Anhänger (Ausgang Baslerstrasse) zwischen 8 und 12 Uhr ausrangierte Gartengeräte ablegen.