Fricktal/Windisch

Flucht vor dem Coronakoller: Der Schrebergarten als beliebter Rückzugsort

Während der Coronakrise sind die Familiengärten ein beliebter Rückzugsort. Ohne Blumensamen, Setzlinge und Baumaterial gibt es aber auch hier Herausforderungen.

Schrebergärten sind grüne Kolonien, regelrechte Oasen, Rückzugsorte vom Alltag – das gilt in normalen Zeiten und noch viel mehr in Zeiten wie jetzt, wo wegen Corona kaum mehr etwas ganz normal ist. «Hier finden wir Erholung und Ablenkung», sagt Heinz Mahrer, Pächter einer Parzelle im «Wolfgalge» in Möhlin und ehemaliger langjähriger Präsident des dortigen Gartenvereins. «Sonne, frische Luft und Bewegung tun gerade in schweren Zeiten gut. Im Garten können wir das geniessen, ohne die Empfehlungen des Bundesrats zu missachten», sagt auch Brigitte Denk, Co-Präsidentin des Familiengartenvereins Neuland in Rheinfelden.

Die Familiengärten erfreuen sich derzeit grosser Beliebtheit. «Wir hatten noch nie so viele Anfragen für Gärten wie jetzt», sagt Alois Steinger, Präsident der Gartenfreunde Sommerau in Windisch. Das bestätigt sich auch anderswo. Der Garten Neuland in Rheinfelden etwa wurde erst vor einigen Wochen um 40 Parzellen erweitert. Jetzt sind bereits alle neuen Flächen verpachtet und der Verein führt – wie viele Gartenvereine im Kanton – eine Warteliste.

Im Schrebergarten, so scheint es, lässt es sich dem Coronakoller wunderbar entfliehen. Das Virus ist allerdings auch hier präsent, zumindest indirekt. Auf Schildern wird etwa auf die geltenden Hygienevorschriften hingewiesen. Öffentliche Anlagen wie Spielplätze, Klubhäuser oder WC sind mancherorts vorübergehend gesperrt. Und auch auf das Feierabendbier über den Gartenzaun wird lieber verzichtet – «oder wir prosten uns einfach aus der Entfernung zu», erzählt Heinz Mahrer mit einem Lachen. Im Grossen und Ganzen zeigen sich die Gartenfreunde diszipliniert. «Die Leute halten sich an die Regeln», heisst es überall.

Allerdings haben auch die Hobbygärtner mit coronabedingten Herausforderungen zu kämpfen. Samen, Setzlinge, Blumen- oder Pflanzenerde sowie Baumaterial sind während des Lockdown schwierig zu erhalten, weil die Gärtnereien und Baumärkte geschlossen sind. Dabei wäre jetzt eigentlich der richtige Zeitpunkt zum Anpflanzen vieler Gemüse- oder Salatsorten. «Das ist bei den Gärtnern ein grosses Thema», sagt Gottfried Felder, Präsident des Vereins Familiengärten Augarten in Rheinfelden. Die Gärtner wissen sich aber zu helfen. Einige haben ohnehin selber Samen nachgezogen, andere haben gleich zu Beginn des Lockdown noch Bestellungen an die Gartencenter gegeben und inzwischen die Lieferungen erhalten. Die Gärtner tauschten untereinander auch Tipps aus, wo welche Produkte erhältlich seien, sagt Felder. So gäbe es Gärtnereien, Blumengeschäfte oder Hofläden, die auf Bestellung beispielsweise Setzlinge abgeben würden.

Die Gärtner helfen sich gegenseitig aus

Die Gärtner helfen sich ausserdem gerne gegenseitig aus. «Wer Samen, Setzlinge und Material hat, teilt das auch mit anderen», sagt Heinz Mahrer. So wandern schon einmal ein paar Samen für Peperoni über den Gartenzaun und im Gegenzug vielleicht ein paar Tomatensetzlinge zurück. «Diese Solidarität ist eine Selbstverständlichkeit, besonders jetzt», sagt Jean Frey, Präsident des Familien­gartenvereins Kaiseraugst.

Aber die Gärtner freuen sich natürlich trotzdem auf die Lockerungen des Lockdown. Am Donnerstag gab der Bundesrat bekannt, dass Baumärkte und Gartencenter Ende Monat wieder öffnen können. Leere Beete muss also niemand fürchten. «Wenn wir in den kommenden Tagen und Wochen anpflanzen können, wird es für eine gute Ernte reichen», sagt Brigitte Denk und fügt mit einem Lachen an: «Gutes Wetter vorausgesetzt natürlich.»

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