SRF-Moderatorin Sabine Dahinden macht einen beherzten Sprung und landet auf der Uferböschung. Sie nimmt das Seil, befestigt es an einem Baumstamm, zieht kräftig daran und holt das sechs Tonnen schwere Floss mit Captain J-C Weiersmüller und der Fernseh-Crew an Land.

Die Anstrengung über die dreistündige Flossfahrt, bei der Dahinden das schwere Seitenruder hin- und hermanövrieren musste, kann sie kaum verhehlen: «Morgen habe ich bestimmt Muskelkater», sagt sie mit einem breiten Grinsen und zeigt kurz darauf ihre Handinnenfläche, an der sich vom Rudern eine Blase gebildet hat. «Obwohl Sabine eine zierliche Frau ist, hat sie das schwere Floss gut manövriert», lobt sie Captain J-C und schiebt mit einem Lachen nach: «Manchmal ist sie aber in die falsche Richtung gefahren. Das war amüsant.»

Sabine Dahinden musste die Herausforderung meistern, das Floss zu befestigen.

Sabine Dahinden musste die Herausforderung meistern, das Floss zu befestigen.

Im diesjährigen «Schweiz aktuell»-Sommerprojekt «Dahinden vor 500 Jahren» begibt sich das Schweizer Fernsehen in drei Sendungen auf die Spurensuche nach dem Leben vor fünf Jahrhunderten. Neben den Themen Mittelalter und Reformation geht es auch um Burgen, Scheiterhaufen und Schwertransporte. «Beim Recherchieren für Themen bin ich auf die Flösser von Laufenburg gestossen. Da war der Weg zu Captain J-C nicht mehr weit», erklärt Produzent Fabian Bucher.

So erzählt Captain J-C auf der Fahrt von Leibstadt nach Laufenburg, wie die Flösserei bis ins 19. Jahrhundert für den Ausbau der Eisenbahn bedeutend war und das Holz von Stilli via Aare und Rhein nach Laufenburg geführt wurde. Die Ausstrahlung der Folge ist für Freitag, 28. Juli, auf SRF 1 geplant.

Konzentration vor der Kamera

In der Sendung geht es aber nicht nur um die Historie der Flossfahrt – auch Captain J-C rückt als Protagonist in den Fokus. «Mit seiner naturnahen, urwüchsigen Art und seiner rustikalen Erscheinung hat man das Gefühl, Captain J-C ist wirklich ein Flösser aus dem 16. Jahrhundert», sagt Dahinden. Captain J-C freut sich über diese Worte: «Das ist für mich ein Kompliment. Ich hätte nichts dagegen gehabt im 16. Jahrhundert geboren worden zu sein.»

Den Dreh selbst hat J-C genossen. Zwar hatte er kein Lampenfieber, aber anstrengender als mit gewöhnlichen Passagieren sei es schon gewesen: «Ich musste mich natürlich konzentrieren, als die Kamera lief», sagt er. Auch für die Filmcrew waren die Dreharbeiten nicht ganz einfach: «Man muss natürlich immer darauf achten, dass das Gesprochene mit dem Gezeigten in einem Zusammenhang steht», erklärt Bucher. Auch auf das, was gefragt und gezeigt werden soll, muss sich die Fernseh-Crew vor dem Dreh akribisch vorbereiten: «Wir haben nur einen Versuch. Wenn wir etwas vergessen, dann können wir das nicht in einem zweiten Dreh nachholen.»

Das Floss mit dem SRF kommt im Laufenburg an.

Das Floss mit dem SRF kommt im Laufenburg an.

Dennoch geht es in der Sendung auch um spontane Momente, um Emotionen und was Dahinden bei der Flossfahrt durchmacht und dabei fühlt. Der Zuschauer soll möglichst in die Welt der Flösserei des 16. Jahrhunderts eintauchen. «Dazu gehört auch, dass Sabine am Ruder ist und sich verausgabt. So können wir dem Zuschauer vermitteln, dass die Flossfahrerei ein Knochenjob war», sagt Bucher und schiebt nach: «Wir zeigen auch, wenn bei Sabine etwas schiefläuft. Zum Beispiel, wenn sie vom Floss ins Wasser gestürzt wäre.»