Herznach

Fleisch und Würste gibt es auch weiterhin zu kaufen: Herznach behält seine Metzgerei

Freuen sich, ihre Produkte bald in Herznach verkaufen zu können: Urs (links) und Markus Müller.

Freuen sich, ihre Produkte bald in Herznach verkaufen zu können: Urs (links) und Markus Müller.

Am 1. August schliesst Ernst Gasser sein Geschäft – im Dezember eröffnen die Brüder Urs und Markus Müller ihre zweite Dorfmetzg-Filiale.

Es sind gute Nachrichten für die Herznacher: Sie müssen auch in Zukunft nicht auf eine Metzgerei im Dorf verzichten. Zwar öffnet der heutige Inhaber der Metzgerei, Ernst Gasser, sein Geschäft am 1. August zum letzten Mal. Aber ab Dezember werden die Gebrüder Urs und Markus Müller aus Stein in der Liegenschaft ihre zweite Dorf­metzg-­Filiale eröffnen.

Möglich macht es die Domestica Immobilien AG, welche die Liegenschaft im Frühling gekauft hat und «in den vergangenen Monaten intensiv an einem neuen Konzept für eine Metzgerei in Herznach gearbeitet hat», wie Verwaltungsrat Peter Scheuble in einer Mitteilung schreibt.

Das Konzept sieht vor, die Räumlichkeiten umfassend zu sanieren und die Verkaufsfläche gegenüber heute mehr als zu verdoppeln. Denn die Gebrüder Müller werden in Herznach nicht nur ihr Fleisch- und Wurstsortiment anbieten, sondern auch Käse, Fisch, Bäckereiwaren und weitere regionale Produkte aus dem Jurapark.

«Wir werden auch Sandwiches und Coffee to go im Sortiment haben», sagt Urs Müller. Man wolle damit nicht die Restaurants konkurrenzieren, sondern jene abholen, die auf der Vorbeifahrt etwas zum Essen oder zum Trinken holen wollen. «Wenn nur ein Prozent der rund 12'000 Fahrzeuge, die pro Tag durchfahren, hält, rechnet sich das», sagt Markus Müller.

Die grossen Umbauarbeiten, die im August starten, bedingen auch die temporäre Schliessung der Metzgerei. «Wir bieten den Kunden aus dem Staffeleggtal in dieser Zeit aber einen Lieferdienst an», sagt Markus Müller. Dieser habe sich auch in Stein bewährt – gerade während der Coronakrise. Im Laden konnten die Gebrüder Müller zwar ein «deutliches Plus» verzeichnen, das Catering allerdings, das zweite Standbein des Familienbetriebs, «brach komplett weg».

Zwar wird das Catering inzwischen wieder für kleinere Feiern, vor allem im Familienkreis, gebucht. Grössere Veranstaltungen aber sind allesamt gestrichen – «und dies teilweise bis Ende Jahr», so Urs Müller. Damit fehlen in der Kasse auch in den nächsten Monaten fast alle Cateringaufträge, welche die Metzgerei für bis zu 2000 Personen ausrichten sollte.

«Das geht nicht spurlos an einem vorbei», sagt Markus Müller. «Wir haben uns in den letzten Monaten viele Gedanken über die Zukunft gemacht», ergänzt sein Bruder. Ein Stellenabbau wollten die beiden aber «wenn immer möglich» vermeiden.

Möglich machte es der Anruf von Peter Scheuble. «Für mich war sofort klar: Das machen wir», sagt Markus Müller. Sein Bruder war etwas zurückhaltender. Doch das Konzept überzeugte beide – «und so unterschrieben wir letzte Woche die Verträge», freut sich Urs Müller.

Damit sind die Arbeitsplätze der zehn Fest- und sechs Teilzeitangestellten gesichert. Mehr noch: «Wir hoffen, dass wir mittelfristig ein bis zwei Stellen schaffen können.» In Herznach wollen die Gebrüder 2,5 bis 3,5 Personen beschäftigen. Zudem hilft die Filiale, die Produktion besser auszulasten.

Vater Müller absolvierte in Herznach die Metzgerlehre

Die Eröffnung der zweiten Filiale bedeutet den beiden Brüdern viel. Urs Müller lacht. «Es schliesst sich für uns ein Kreis.» Denn ihr Vater, Erhard Müller, hat bei der Metzgerei in Herznach seine Lehre absolviert und später als Metzger in Stein gearbeitet – just in jener Metzgerei also, welche die Brüder vor 30 Jahren übernommen haben.

Markus Müller schmunzelt. «Aus der Region für die Region eben.» Dies ist auch das Konzept der Metzgerei. Den Brüdern ist wichtig, dass die Tiere ein gutes Leben haben – sie setzen auf Weidesäue und Galloway-Rinder – und dann auch respektvoll geschlachtet und verarbeitet werden. «Geiz ist geil darf beim Umgang mit Lebewesen nicht die Devise sein», mahnt Urs Müller.

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