Ernst Schlienger legt einen massiven Eisenhebel um. Mit einem Surren setzen sich die Zahnräder und Riemen an der Wand und Decke der Scheune in Bewegung. Mit einem zweiten Hebel schaltet Schlienger auch das Förderband an. Es rumpelt und knackst. Kein Wunder: Bereits seit 1899 wurde in der Traditionsmosterei der Familie Sidler in Hellikon gesaftet, anfänglich mit einer Handpresse, später durch Wasserkraft betrieben mit Korb- und Packpresse. Die Technik und Einrichtung stammen noch von damals.

«Die Presse wird zwar inzwischen von Elektromotoren betrieben», sagt Mosti-Chef Schlienger. «Das Obst wird aber noch immer durch Wasserkraft des Möhlinbachs und fünf Transmissionsriemen transportiert.» Der längste Riemen misst fünf Meter.

1000 Liter in der Stunde

Nach dem Tod des Besitzers stand die historische Mosti zwei Jahre still. Ein eigens dafür gegründeter Verein setzte sich seit 2016 aber für den Erhalt der geschichtsträchtigen Anlage ein. Ende des letzten Jahres konnte sie – leicht restauriert – wieder in Betrieb genommen werden. Letzte Woche wurde nun erstmals in der Saison 2018 gemostet. Rund 600 Liter seien gepresst worden, sagt Daniela Rohrer vom Verein Fledermosti.

Die Idee ist es, dass Landwirte aus dem Tal ihr Obst hier pressen lassen können. Aber auch Privatpersonen können Äpfel vorbeibringen. «Der gepresste Most kann entweder für den Eigenverbrauch verwendet oder dem Verein verkauft werden, der diesen dann weiter vertreibt», erklärt Rohrer. Derzeit sammelt der Verein Anmeldungen, um diese zu koordinieren und möglichst effizient mosten zu können. Die Presse kann in der Stunde rund 1000 Liter Most pressen. Die Ausbeute der Packpresse liegt bei gut 80 Prozent.

Lebensraum für Fledermäuse

Die Termine, an denen die «Fledermosti» läuft, werden auf der Website des Vereins veröffentlicht. «Wer zuschauen möchte, darf gerne vorbeikommen», sagt Rohrer. Sie und Schlienger sind zuversichtlich, dass es in der kommenden Woche wieder soweit sein wird. «Es sind schon Anmeldungen eingegangen.» Am 21. Oktober findet ausserdem ein Mosti-Fest statt.

Ihren Namen hat die Mosti in Anlehnung an das Fledermaustal und das Flederhaus in Wegenstetten erhalten. «Das Ziel unseres Vereins ist es nicht nur, die historische Anlage zu erhalten, sondern auch, etwas für die Natur zu tun», sagt Rohrer. Die Obstbäume bieten vielen Insekten und Vögeln Lebensraum und den im Tal lebenden Fledermäusen – es sind seltene «Grosse Hufeisennasen» – damit Jagdreviere. «Dafür möchten wir die Menschen sensibilisieren», sagt Rohrer. Damit es in der alten Traditionsmosterei noch lange surren und knacksen kann, wenn Mosti-Chef Schlienger den Hebel umlegt.