Wittnau

Flammenbilder nehmen das Tagfahrlicht mit 115 Fächteli auf die Schippe

Fasnachtsfeuer in Wittnau mit dem VW Käfer der Oberen: 11,45 Meter hoch und 16,7 Meter breit war das Gerüst am Limperg, an dem mit über 130 Fächteli das Sujet gezeichnet wurde. – Foto: Erwin Schmutz

Fasnachtsfeuer in Wittnau mit dem VW Käfer der Oberen: 11,45 Meter hoch und 16,7 Meter breit war das Gerüst am Limperg, an dem mit über 130 Fächteli das Sujet gezeichnet wurde. – Foto: Erwin Schmutz

Den Termin des Fasnachtsfeuers in Wittnau tragen sich alle in die Agenda ein. Die Tradition mit den Flammenbildern wurde auch in einem neuen Buch beschrieben, einem Projekt in Zusammenhang mit der Unesco-Konvention für immaterielles Kulturerbe.

«Bürli, Bürli, Rai ab…» tönte es an der Alten Fasnacht in Wittnau, und wie jedes Jahr waren die Spottverse jeweils gegen den anderen Dorfteil gerichtet. Die Feuerbilder und Flammenschriften wurden am Limperg im Oberdorf und am Homberg im Unterdorf entfacht.

Die zahlreichen Zuschauer am gegenüber liegenden Hang, am Altenberg, hatten einen hervorragenden Blick auf beide Feuer und warteten gespannt auf die bis anhin geheim gehaltenen Sujets. Dutzende von Fackeln oder Fächteli, wie sie in Wittnau genannt werden, ergaben nach und nach weit herum sichtbare Feuerbilder.

Tagfahrlicht thematisiert

Die Oberdörfler thematisierten das neu eingeführte Tagfahrlicht und zeichneten dazu die Front eines VW Käfers. Mit 115 Fächteli schrieben sie unterhalb des Hangs, neben einer Glühbirne, die Worte «Dänk dra» als Mahnung an alle Autofahrer. Die Unterdörfler schreiben jedes Jahr traditionell die Jahreszahl. Dazu werden am steilen Hang des Homberges kleine Kanzeln errichtet und darauf je vier Holzwellen geschichtet. Aus der Ferne schmelzen die Lichter im Dunkeln zu einer Linie zusammen und 2014 war gut erkennbar.

Wie die Oberen haben auch die Unteren ihre Bilder einem Verkehrsthema gewidmet. In grossen Lettern erstrahlte die Silhouette eines Zuges. Schnell war klar, dass zusammen mit dem Schriftzug Fabi die Vorlage zur Bahninfrastruktur gemeint war.

Unesco – immaterielles Kulturerbe

Auf der Grundlage der Unesco-Konvention zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes haben die Kantone Aargau und Solothurn in einem gemeinsamen Projekt rund 1000 Hinweise zu lebendigen Traditionen gesammelt. Die Autorin Karin Janz, Kulturwissenschaftlerin und Ethnologin, präsentiert im neu erschienenen Buch «Säen, dröhnen, feiern» eine Auswahl des breiten Brauchtums.

Unter den 17 explizit vorgestellten Brauchtümern befindet sich auf mehreren Seiten in Wort und Bild das Wittnauer Fasnachtsfeuer. Immer wieder gab es Zeiten, in denen sich die Wittnauer für ihr Fasnachtsfeuer wehren mussten. In der Dorfchronik Adlerauge 1995 wird beschrieben, wie selbst das Konzil von Trient Einfluss auf das Fasnachtsfeuer hatte.

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