Bözberg
Flächenhiebe sind Pro Bözberg ein Dorn im Auge - Verein will handeln

Nach der erfolgreichen Verhinderung des Steinbruchprojekts hat der Vorstand eine neue Aufgabe gefunden. Er will sich beim Kanton für eine schonende Waldbewirtschaftung einsetzen, weil Gespräche mit den Gemeinden angeblich keinen Erfolg zeigten.

Claudia Meier
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Die Spuren, die ein Holzschlag in der Landschaft und auf der Strasse hinterlässt, beschäftigen den Verein Pro Bözberg.

Die Spuren, die ein Holzschlag in der Landschaft und auf der Strasse hinterlässt, beschäftigen den Verein Pro Bözberg.

Oliver Menge

Ganze 80 Bundesordner hätten die Akten über den jahrelangen Kampf gegen das Steinbruchprojekt Bözberg gefüllt, sagte Otto H. Suhner, Präsident des Vereins Pro Bözberg, an der 15. ordentlichen Mitgliederversammlung am Mittwochabend in der Turnhalle Oberbözberg. Der Verein mit seinen 1838 Mitgliedern setzt sich für die Erhaltung von Landschaft, Natur und Erholungsraum im Gebiet Bözberg/Oberes Fricktal ein und gehört seit 2012 zu den 17 einwendungs- und beschwerdeberechtigten gesamtkantonalen Organisationen des Aargauischen Baugesetztes.

«Damit haben wir einen Auftrag, der über jenen einer kleinen Protestbewegung hinausgeht und langfristig wahrzunehmen ist», sagte Suhner, als er die rund 70 Anwesenden begrüsste. Der Vorstand will sich nun verstärkt für eine schonende Waldbewirtschaftung einsetzen. Besonders die Flächenhiebe und der rüde Maschineneinsatz stören ihn schon lange. Denn der nordöstliche Teil des Bözbergs gehöre zum Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN 1108) von nationaler Bedeutung und ein Drittel des Walds auf dem Bözberg sei überdies als Naturschutzgebiet von kantonaler Bedeutung festgelegt, so Suhner.

Das Gleichgewicht fehlt

Die Forstwirtschaft und aktuelle Waldbewirtschaftung auf dem Bözberg und im Oberen Fricktal stünden nicht mehr im Gleichgewicht mit den auch vom Bund geförderten Elementen der Waldpolitik, fuhr der Vereinspräsident fort, ohne konkrete Beispiele zu nennen. «Zahlreiche Gespräche und Interventionen bei den für die Durchsetzung der eidgenössischen und kantonalen Vorgaben verantwortlichen Gemeinden zeigten bis dato keinen Erfolg», betonte Suhner. Er lief die ganze Zeit zwischen zwei Hellraumprojektoren hin und her und legte immer wieder neue Bilder aus dem Wald auf, die dem Vorstand nicht passen. Da auch die wiederholten Appelle in den letzten Jahren an den Mitgliederversammlungen wenig geholfen haben, werde der Vorstand seine Bemühungen in Zukunft auf kantonaler Ebene konzentrieren.

Suhner schlug Einladung aus

Besonders scharf schoss Suhner bei seinen Ausführungen gegen den Forstbetrieb Homberg-Schenkenberg. Die az hat gestern beim zuständigen Gemeindeammann und Forstbetriebskommissionspräsident Christian Probst von Zeihen nachgefragt. Im Dezember habe ein Gespräch mit vier Pro-Bözberg-Vorstandsmitgliedern – darunter Präsident Suhner – stattgefunden, bestätigt Probst. Danach habe er Suhner wieder eingeladen, um ihm zu zeigen, wie der Forstbetrieb Homberg-Schenkenberg einen Holzschlag verlässt. Suhner schlug das Angebot aus. Er habe bis Ende April wegen Auslandaufenthalten etc. keine Zeit, er werde jedoch seine Vorstandsmitglieder orientieren und diese würden sich bei Probst melden. Seither sei eine Rückmeldung von Pro Bözberg ausgeblieben.

Ammann: «Völlig daneben»

Dass Suhner die Mitglieder von Pro Bözberg an der Versammlung darüber nicht informierte, findet Ammann Probst «völlig daneben». Es scheint ihm, als ob Pro Bözberg an einer sachlich konstruktiven Zusammenarbeit gar nicht interessiert ist. Schliesslich sei es klar, dass man bei solchen Meinungsverschiedenheiten miteinander sprechen müsse, so Probst. Auch Bözbergs Gemeindeammann Peter Plüss sagt: «Der Verein Pro Bözberg suchte zu diesem Thema noch nie konkret das Gespräch mit uns.» Plüss ist der Meinung, dass in Bözberg nachhaltig geholzt wird.

Aus dem Vereinsvorstand wurden Kassier Walter Arrigoni sowie Andrea Egloff verabschiedet. Neu wählten die Anwesenden Geologe André Lambert aus Baden.

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