Viel los ist seit Anfang April an den Zählbecken der Wasserkraftwerke in Wyhlen und Rheinfelden. Denn Anfang des Monats hat die turnusmässige Fischzählung an allen Hochrheinkraftwerken begonnen. Und so zählen auch hier Mitglieder der örtlichen Fischervereine, wie viele Fische täglich die Fischaufstiegsmöglichkeiten an den beiden Wasserkraftwerken nutzen, um die Stauwehre zu passieren. In Wyhlen zählt der Fischerverein Grenzach-Wyhlen, in Rheinfelden zählen der Fischerverein Karsau, der Angelsportverein Rheinfelden (DE) sowie der Fischerverein Bezirk Rheinfelden (CH).

Täglich leeren die Fischer im Auftrag von Energiedienst die Zählbecken, um festzustellen, wie viele Fische aufgestiegen sind, wie gross die Fische sind und natürlich, um welche Fische es sich handelt. Anzahl und Art der Fische geben Aufschluss über die Funktionsfähigkeit der jeweiligen Fischaufstiegsanlagen.

Drei Möglichkeiten in Rheinfelden

An den beiden Energiedienst-Wasserkraftwerken haben die Fische viel Auswahl für ihre Wanderung. Denn in Rheinfelden gibt es mit dem naturnahen Fischaufstiegs- und Laichgewässer, dem RaugerinneBeckenpass und dem Vertical-Slot-Fischpass auf Schweizer Seite insgesamt drei Möglichkeiten, das Wasserkraftwerk zu umgehen. Auch am Wasserkraftwerk Wyhlen haben die Fische Alternativen. Auch dort gibt es einen Raugerinne-Beckenpass. Darüber hinaus können die Fische auch den Fischlift nehmen, um sich in das höher liegende Oberwasser des Kraftwerks befördern zu lassen. «Die Zählung liefert uns wertvolle Hinweise darüber, wie gut unsere Aufstiegshilfen sind und wie sich die Fischbestände in den letzten Jahren verändert haben. Da sind wir sehr gespannt», sagt Jochen Ulrich, Leiter Ökologie bei Energiedienst.

In Rheinfelden zählte Energiedienst zuletzt 2012/2013, wie viele Fische die Aufstiegshilfen am neuen Wasserkraftwerk genutzt haben. Die Ergebnisse damals waren gut: Am Umgehungsgewässer wurden insgesamt 34 991 Fische und 34 verschiedene Arten, am Vertical-Slot-Fischpass 5273 Fische und 24 unterschiedliche Arten gezählt. Sehr gute Erfolge zeigten sich unter anderem bei gefährdeten und stark gefährdeten Arten im Rhein, wie zum Beispiel der Nase und der Äsche.

In Wyhlen fand die letzte Fischzählung bereits 2008/2009 statt. An diesem Wasserkraftwerk hatte Energiedienst die Fischaufstiegsanlagen optimiert. Neben dem Bau des ersten Fischlifts in Deutschland verbesserte Energiedienst damals die Fischtreppe. Wie in Rheinfelden konnte sich auch dieses Ergebnis sehen lassen: Rund 14 500 gezählte Fische und damit dreimal so viele wie bei der turnusmässigen Zählung 2005/2006 belegten, dass sich die umfangreichen Optimierungsmassnahmen gelohnt hatten. Vor allem die hohe Zahl der aufgestiegenen und seltenen Fischart Schneider beeindruckte.

Zahlen gehen an den Bund

Die Ergebnisse der aktuellen Zählung fassen die Fischer zusammen, dokumentieren sie und leiten sie an das Schweizer Bundesamt für Umwelt weiter. Dort werden die Ergebnisse aller Hochrheinkraftwerke ausgewertet und in einem Abschlussbericht veröffentlicht. Seit 1985 findet alle zehn Jahre eine koordinierte Fischzählung statt. So können die Kraftwerkbetreiber nachweisen, ob die Anlagen für den Aufstieg funktionieren und ob sie optimiert werden müssen. Darüber hinaus liefern die Resultate der Zählung wertvolle Hinweise über den Fischbestand, die Artenzusammensetzung und deren Veränderungen. Sie fliessen ein in die Konzeption neuer Fischaufstiegshilfen. (AZ)