Fricktaler Unternehmen
Findige Köpfe mit zündenden Ideen

Fricktal Die az stellt – stellvertretend für die Region – drei Unternehmer vor, die mit Innovationen überzeugen

Fabrice Müller
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Christoph Sanne im Labor der Firma Mettler-Seifen.

Christoph Sanne im Labor der Firma Mettler-Seifen.

Zahlreiche Innovationen haben im Fricktal ihren Ursprung. Die az zeigt drei Beispiele: Firmen aus wHornussen, Frick und Wallbach, ihre Innovationen – und die Köpfe, die dahinterstecken.

Faltenfreie Haut, auch im reiferen Alter. Welche Frau träumt nicht davon? Die neueste Innovation des Seifen- und Kosmetikunternehmens Mettler-Seifen AG in Hornussen bedient sich der Wirkung von Apfelstammzellen, die dem Uttwiler-Spätlauber-Apfel aus dem Thurgau entnommen wurden. Das Traditionsunternehmen in Hornussen entwickelte aus diesem und anderen natürlichen Wirkstoffen die Rezeptur für ein Anti-AgingSerum und liess in einem externen Labor Wirksamkeitsstudien durchführen.

Fricktal als idealer Standort

«Von der Idee bis zur Produktion für den Markt benötigen wir bei neuen Innovationen aus unserem Betrieb zwischen 12 und 15 Monaten», berichtet Christoph Sanne, der das Unternehmen seit 2014 leitet. Damals wurde der Familienbetrieb an einen Westschweizer Kosmetikunternehmer verkauft. Dieser setzt bewusst auf die Innovationskraft aus dem Aargau und den guten Ruf des Fricktaler Unternehmens, das sich mit seinen hochstehenden, naturnahen Produkten in einem Nischenmarkt bewegt. Rund 70 Prozent sind für den Schweizer Markt, der Rest für den Export vorgesehen. Kürzlich konnten auch in Hongkong und Dubai Vertriebspartner gewonnen werden.

Pro Jahr bringt Mettler zwei bis drei neue Produkte auf den Markt. Manchmal werden auch bestehende Formulierungen weiterentwickelt. «Wir investieren 60 bis 70 Prozent des Verkaufspreises in die Entwicklung neuer Produkte», sagt Christoph Sanne. Sein Unternehmen produziert zum einen für die Eigenmarke «Mettler 1929», zum andern für Fremdmarken im Hochpreissegment. Das Fricktal sei für das Unternehmen in mehrfacher Hinsicht ideal: Logistisch wertvoll ist die Nähe zu Basel mit dem Rheinhafen und zu Zürich mit dem Flughafen, ebenso die nahe Autobahn und die Grenze zu Deutschland.

Ausserdem wirbt Mettler mit seinen Produkten aus dem «grünen Herz der Schweiz». Christoph Sanne hofft, dass er in Zukunft die Belegschaft mit bisher vier Mitarbeitenden in der Produktion und drei in der Verwaltung weiter ausbauen kann.

Gegen den Schimmelpilz

Mit Klimawänden und Klimapaneelen wurden in der neu gegründeten Manufaktur «Art of Alfi» des Maler- und Gipsergeschäfts Alfons Paul Kaufmann GmbH in Wallbach Lösungen entwickelt, die die Fähigkeit haben, eine grosse Menge Feuchtigkeit aufzunehmen, zu speichern und nach Bedarf wieder an den Raum zurückzugeben.

«Wir stellen schon seit längerem in vielen Häusern eine starke Zunahme von Schimmelpilzbildungen fest. Vor allem die inzwischen sehr dichte Bauweise ohne kontrollierte Lüftung wie auch manche teilisolierte Altbauten fördern oft diese Tendenz», erzählt Alfons Paul Kaufmann.

Also habe man sich Gedanken gemacht, wie man die Schimmelbildung in alten wie auch in modernen Gebäuden nicht nur beseitigen, sondern nachhaltig verhindern kann. Ein Jahr lang entwickelte und experimentierte der Malermeister mit Materialien aus der Region: Lehm, Kalk und Stroh.

Uraltes Wissen neu umgesetzt

Entstanden sind Klimawände wie auch Paneelen, die sich durch atmungsaktive Oberflächen auszeichnen. Die Pflanzenwand bietet zudem Platz beispielsweise für Küchenkräuter oder Orchideen. Innovativ sind auch die Klimapaneele, die den Duft von ätherischen Ölen, Gewürzen oder Kräutern verbreiten und nach Bedarf ausgetauscht werden können.

Alfons Paul Kaufmann ist von den Lehmprodukten überzeugt. «Wir lassen uraltes Wissen wieder aufleben und bringen mehr Natur und Wohnqualität in die Häuser.» Der Unternehmer setzt für diese neuen Produkte auf regionale Lieferanten. Ferner wird ein Teil der Werkstatt für die künftige Produktion von Klimawänden und -paneelen umgebaut.

Lichtblick aus dem Fricktal

Während rund 15 Jahren arbeitete und lebte Urs Meyer in Asien und Amerika für seinen Arbeitgeber. Vor sechs Jahren gründete der studierte Ingenieur in Frick die GreenTec Innovation AG, eröffnete eine Niederlassung in Schanghai (die «SWIQU Ltd») und lancierte vor vier Jahren die zwei Firmen «EOLED» und die «AAA-LUX Schweiz».

Spezialisiert haben sich Urs Meyer und sein siebenköpfiges Team auf Entwicklungen und Innovationen im Bereich von LED-Beleuchtungen, beispielsweise Leuchtenbau mit hoher thermischer Leitfähigkeit für industrielle Anwendungen bis 70 Grad Celsius oder drahtlose Beleuchtungssysteme für Industrie und Arealbeleuchtung.

Die neuste Innovation ist eine Linsentechnologie für Sportstätten. So entwickelte Meyer auf Kundenanfrage ein LED-Beleuchtungssystem für eine Ballontraglufthalle und Sportplatzflutleuchten mit geringem Blendungsindex.

22 Tennisplätze ausgerüstet

Die Nachfrage nach diesen stromsparenden Beleuchtungen sei gross, freut sich Urs Meyer. Erst in den letzten Wochen konnte er im Kanton Zürich sowie in der Ost- und Westschweiz insgesamt 22 Tennisplätze damit ausrüsten. Noch im Februar wird ausserdem die «Sport World Baregg» umgerüstet. Für dieses Jahr seien weitere 80 Hallen und Sportplätze in Planung. Europaweit haben Meyers Firmen mittlerweile gegen fünfhundert Sportfelder und Stadien mit LED-Beleuchtungskörpern ausgerüstet.

Innovative Lösungen entstehen im Unternehmen von Urs Meyer aufgrund von Kundenbedürfnissen. Dann sucht der Ingenieur zusammen mit seinen Partnern und der Produktion nach technischen Lösungen.

Für den Zoo in Basel beispielsweise werden stetig neue Innovationen eingeführt, welche neben der Ausleuchtung die Behaglichkeit für Tier und Mensch mit der Vegetation kombinieren. «Sobald wir eine Innovation auf dem Markt realisiert haben, besteht die Gefahr, dass sie von Mitbewerbern kopiert werden. Deshalb achten wir stark darauf, unsere Lösungen zu schützen», sagt Urs Meyer.