Fricktal

«Finanzen überhaupt im Griff?»: SVP kritisiert Erhöhung der Pensionspreise

5,2 Millionen Franken sollen ins Alterszentrum Bruggbach investiert werden. Die SVP stellt die Investitionen infrage.

5,2 Millionen Franken sollen ins Alterszentrum Bruggbach investiert werden. Die SVP stellt die Investitionen infrage.

Nach der Ankündigung, dass die Pensionstarife in den Alterszentren in Frick und Laufenburg erhöht werden, attackiert die SVP den Verein für Altersbetreuung im oberen Fricktal scharf. Dieser kontert.

Der Verein für Altersbetreuung im oberen Fricktal (VAOF) will die Pensionspreise in seinen beiden Alterszentren in Frick und Laufenburg per 1. Juni um zehn Franken pro Tag erhöhen. Die Vereinsversammlung muss dem Antrag noch zustimmen.

Tut sie das, ist dies für die Pensionäre bereits die zweite Tariferhöhung innerhalb von nur einem halben Jahr: Bereits per 1. Januar erhöhte der VAOF die Tarife für Zimmer und Hotellerie um zehn Franken auf aktuell 125 Franken für das Doppel- und 145 Franken für das Einzelzimmer. Mit anderen Worten: Ab Juni zahlen die Pensionäre, wird die neuerliche Erhöhung genehmigt, 7300 Franken pro Jahr mehr als noch 2017. Das sind, je nach Zimmerkategorie, zwischen 14 und 17 Prozent mehr.

Hauptgrund für den happigen Preisaufschlag ist die gesunkene Bettenauslastung. Diese lag in den letzten Jahren nahezu bei 100 Prozent und sank im letzten Jahr zeitweise unter 95 Prozent. Verantwortlich dafür ist ein kantonsweites Überangebot an Pflegebetten, vor dem VAOF-Geschäftsführer und CVP-Grossrat Andre Rotzetter auf Kantonsebene immer wieder warnte.

Der VAOF hat zwar diese Entwicklung antizipiert und in diesem Jahr mit einer Bettenauslastung von «nur» 98 Prozent kalkuliert; doch dies ist, wie sich nun zeigt, immer noch zu hoch. Deshalb reagiert der Verein mit der neuerlichen Tarifanpassung. Denn ein Minus von einem Prozent bei der Auslastung, so rechnet Rotzetter vor, bedeutet 187 000 Franken weniger in der Kasse.

Kommt verschärfend ein zweites Phänomen hinzu: Immer mehr Pensionäre sind immer länger im Spital und auf Kur. 2013 waren 13 Bewohner wegen eines Klinikaufenthalts abwesend; im letzten Jahr waren es 70. Auch das drückt auf die Einnahmen. Summa summarum resultierte für letztes Jahr ein Defizit von 780 430 Franken. Ohne Gegensteuer droht in diesem Jahr ein Defizit von 300 000 Franken.

Die Pläne der VAOF-Leitung rufen nun die SVP Frick auf den Plan. Sie kritisiert das Defizit und die beabsichtigte Erhöhung der Pensionspreise scharf. «Hier macht die SVP nicht stillschweigend mit», schreibt Ortsparteipräsident Adrian Speckert. «Und das vor allem im Sinne von vielen, die unserer Partei nahestehen und von diesem unwahrscheinlichen Preisschub betroffen sein werden oder bereits betroffen sind.» Besorgt fragt er, ob der Preisaufschlag noch zu stoppen sei – und ob die VAOF-Verantwortlichen «das Finanzielle überhaupt im Griff» haben.

«Finanzen im Griff»

«Aber sicher doch», kontert Rotzetter und schiebt spitz nach: «Einen Verein wie den VAOF mit einer Bilanzsumme von 34 Millionen Franken und zwei Häusern mit über 200 Betten kann man nicht parteipolitisch führen. Dies ist hochkomplex und dazu braucht es viel Fachwissen.» Sein Rat: «Wenn die SVP mitreden will, dann soll sie bei den nächsten Vorstandswahlen einen Vertreter ins Rennen schicken.»

Auch den impliziten Vorwurf, man habe die Entwicklung verschlafen, lässt Rotzetter nicht gelten. «Das ist Humbug», enerviert sich der Geschäftsführer. Die Auslastung könne der VAOF nicht aktiv beeinflussen. «Im letzten halben Jahr hatten wir allein im Alterszentrum in Frick 26 Todesfälle. Das entspricht einem Viertel der Bewohner.» Dass man so viele Betten in Zeiten der Überkapazitäten nicht von einem Tag auf den anderen wieder füllen könne, «ist nur logisch».

Natürlich hätte man, so Rotzetter, in den letzten Jahren auf Nummer sicher gehen und die Pensionstarife auf Vorrat erhöhen können. «Viele andere Anbieter haben das getan», weiss der Geschäftsführer. «Wir verzichteten bewusst darauf – und das sollte doch ganz im Sinne der SVP sein». Rotzetter kramt in den Papieren, nimmt ein Dokument des Kantons hervor, das die Tarife sämtlicher Pflegeheime auflistet, tippt mit dem Zeigefinger darauf. «Wir sind heute eines der günstigsten Heime im Aargau. Darauf sind wir stolz.»

Die Vereinsversammlung könne den Preisaufschlag natürlich stoppen, nimmt Rotzetter den Gedanken von Speckert auf. «Dann werden wir im 2018 aber ein Defizit haben.» Die Alternative dazu wäre, Personal abzubauen. «Das macht aber in Zeiten des Fachkräftemangels keinen Sinn», ist Rotzetter überzeugt. Zudem geht er davon aus, dass sich die Auslastung wieder erhöhen wird. «Personal herunterzufahren, würde nur Sinn machen, wenn wir langfristig auf eine Auslastung von 90 Prozent fallen würden.» Dies sei aber nicht wahrscheinlich.

Die SVP bringt in ihrem Schreiben noch einen weiteren Vorschlag. «Bekanntlich führen die vielen Investitionen zu neuen laufenden Kosten», schreibt Speckert und fragt: «Ist der bevorstehende Neubau von mehreren Millionen Franken in Frick deshalb zu verantworten? Ausbau der Cafeteria und Bauvorhaben ‹Erdbebensicherheit› lassen grüssen.»

5,2 Millionen Investitionen

Konkret geht es darum, dass der VAOF im letzten Jahr 5,2 Millionen für die zweite Sanierungsetappe im Alterszentrum Bruggbach in Frick beschlossen hat. Diese sieht unter anderem Investitionen in den Ersatz der alten Wasserleitungen und die Erfüllung von kantonalen Auflagen vor – etwa bei der Wäscherei, der Cafeteria und der Erdbebensicherheit.

Rotzetter liest den Punkt zwei auf dem SVP-Dokument, der die Investitionen infrage stellt, nochmals, schüttelt den Kopf. «Hier werden finanztechnisch Äpfel mit Birnen verglichen», sagt er dann. «Das Defizit entsteht in der Betriebsrechnung, die Sanierung läuft über die langfristige Investitionsrechnung.» Man habe genug finanziellen Spielraum, um diese Investitionen zu tätigen.

Zumal: «Wenn wir das Projekt jetzt abbrechen, haben wir 500 000 Franken in den Sand gesetzt.» Zudem seien die Investitionen in die maroden Wasserleitungen und die Erdbebensicherheit wichtig. «Wenn bei einem Erdbeben etwas passiert, dann stehen die gleichen, die nun sparen wollen, da und rufen: Es ist unverantwortlich, dass die Investitionen in die Sicherheit nicht getätigt wurden.»

Der VAOF sei trotz Defizit im 2017 gut aufgestellt, ist Rotzetter überzeugt. Das bestätige auch der Revisionsbericht zur Jahresrechnung 2017. «Alle Ampeln bis auf eine sind auf Grün», sagt Rotzetter. Eine gelbe Ampel gab es für die «internen Mieten». Hier empfiehlt die Revisionsgesellschaft, die Mieten aus Transparenzgründen gesondert nach internen und externen Einnahmen zu verbuchen. Diesen Input nehme man auf, sagt Rotzetter und rät Speckert: «Jeder kann bei uns mitreden – wenn er Vereinsmitglied ist.»

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