Doch die Premiere des Events fand grossen Anklang. Die grosse Anzahl der Besucher überraschte auch die Veranstalter. Das weiss getünchte Gewölbe im ehemaligen Restaurant Schlosskeller mit der Dauerausstellung des Sprachpanoramas war schnell bis auf den letzten Platz besetzt. Weitere Stühle wurden herbeigeschafft, die Zuschauer rückten zusammen, und sicherlich fünfzig Besucher warteten gespannt auf die Vorführung des Films «Neuland» von Anna Thommen.

«Der Film zeigt eine schweizerische Realität. Er wurde in Basel an einer Schule gedreht», kündigte Frieda Tapia, Projektleiterin von mit.dabei-Fricktal, den Film an. Den Filmabend mit Podiumsdiskussion organisierten mit.dabei-Fricktal und das Sprachpanorama anlässlich des internationalen Tags der Migranten am 18. Dezember.

Sprache ermöglicht Zugang

Vor Filmbeginn gab Florence Aggeler, Projektleiterin vom Sprachpanorama und Sprachwissenschafterin, noch eine kurze Einführung zu den Zusammenhängen von Sprache und Identität. «Das Zusammenleben basiert auf Kommunikation», so Aggeler, die erklärte, wie Sprache Zugang zu verschiedenen Gruppen ermöglicht oder verhindert.

An Beispielen aus einer kanadischen Studie verdeutlichte sie, dass sich Migranten aufgrund ihres Akzents um ihr gesellschaftliches Ansehen sorgten und unterschiedliche Nachteile erfuhren, wie etwa die schwersten Arbeiten auszuführen, aber auch Hoffnungen in den Spracherwerb setzten. «Im Kontext des Zusammenlebens steht das Miteinander-Kommunizieren im Vordergrund. Ob die Sprache dabei anders klingt als gewohnt, sich Aspekte der Sprache vielleicht falsch anfühlen, steht im Hintergrund», schloss Aggeler. «Ein gegenseitiges Verstehen ist nicht von perfekter Sprache abhängig.»

Sehr direkter Ton

Im Film «Neuland» kann man den Spracherwerb von Schülern einer Basler Integrationsklasse verfolgen. Der Film begleitet die Flüchtlinge bei ihren Erfolgen und Rückschlägen und vermittelt den Zuschauern eindrücklich die Schicksale der einzelnen Schüler. In der anschliessenden von Regula Laux moderierten Fragerunde nahm das Thema Sprache wieder zentralen Raum ein. Der Schriftsteller Christian Haller fand die Sprache des Lehrers gegenüber einer Schülerin in einer Szene «fast brutal» in seiner direkten Ehrlichkeit, sie könne nicht Lehrerin werden.

Tapia, die aus Peru stammt, stimmte zu, dass in Europa ein sehr direkter Ton herrsche. Im Verlauf der Diskussion, an der auch Elisabeth Hesse (IG Asyl) und Gemeinderätin Regina Erhard teilnahmen, wurde die Bedeutung von Bildung für die Integration hervorgehoben. Bei der anschliessenden Fragerunde wurden die Anregungen und Wünsche der Besucher gesammelt, die diese auf Kärtchen notieren konnten.