Mit Viren ist es so eine Sache. Man hält sie am Liebsten von sich fern, was allerdings – oh Gliederschmerz! – nicht immer gelingt.

Mit einem Virus indes, so hofft Luc Humbel, Kirchenratspräsident der römisch-katholischen Landeskirche, sollen sich möglich viele infizieren. Dem «Virus des solidarischen Miteinanders», wie er an der Medienkonferenz zur zweiten «Langen Nacht der Kirchen» sagte. Diese Nacht führen die Landeskirchen gemeinsam durch. Sie findet heute im Aargau sowie vier weiteren Kantonen statt. Und sie bietet zuhauf und für jeden Geschmack Gelegenheiten, sich zu infizieren – ganz egal, ob man nun gläubig ist oder nicht.

Im Aargau machen 80 Kirchgemeinden mit, 333 Veranstaltungen sind auf der Plattform «langenachtderkirchen.ch» verzeichnet. Darunter 40 aus dem Fricktal, wo 12 Gemeinden mit dabei sind. Die Palette der Angebote ist dabei ebenso breit wie vielschichtig. Sie führt in schwindelerregende Höhen (Turmbesteigungen), in fremde Welten (Sagen), in die Geschichte (Kirchenführungen), in besinnliche Sphären (Taizé-Abendgebete), in die innere Tiefe (Andachten) oder, wenn man so will, in den Baumarkt; Wölflinswil lädt zum Familienanlass «Wir bauen unsere Kirche».

Angesprochen werden sämtliche Sinne. Die Augen mit Lichtinstallationen oder mit «Kino in der Kirche», die Gaumen mit Pizza-Essen, «Taste the World» und Cüpli-Bar, die Ohren mit Bibellesungen oder «Turmgeschichten für die Kleinen» – und natürlich mit allerlei Konzerten. Mit dabei ist der im Fricktal bestens bekannte Musiker und Chorleiter Dani Kalt. Er lädt in Mumpf zum «offenen Singen», wo die Teilnehmer einige seiner Lieder einstudieren. Eines heisst «Von Mensch zu Mensch». «Das sind vier Worte, die für diesen Abend sprechen», heisst es dazu im Programm.

Singender Regierungsratskandidat

Der Name eines anderen Liedermachers und Geschichtenerzählers sticht ebenfalls hervor: Linard Bardill. «Ob ein Baum wohl sprechen kann?», heisst sein Programm – und spätestens seit einigen Wochen weiss jeder in der Schweiz, dass Bardill Klartext sprechen kann. Nach den Ereignissen in Graubünden – Stichwort: Bauskandal – fand der 61-Jährige klare Worte und kandidiert nun für den Regierungsrat.

Los geht es heute Abend in allen beteiligten Gemeinden punkt 18.10 Uhr. Die Kirchen geben dann Vollgas, wenn man so will: Sämtliche Glocken läuten. Er bekomme jetzt schon Hühnerhaut, wenn er daran denke, sagte Humbel an der Pressekonferenz vor gut einer Woche.

Was die Gemeinden in der «Langen Nacht der Kirchen» bieten, ist ganz ihnen überlassen; die Landeskirchen stellen nur die Plattform zur Verfügung. Auch, wie und wann sie die Aktion beenden, ist ihnen überlassen. Manche tun es mit einem Abendgebet kurz vor Mitternacht, andere mit einem musikalischen Bettmümpfeli wieder andere, wie Rheinfelden, «mit Segen und Bier».

Ziel der Organisatoren ist es, die erste «Lange Nacht der Kirchen», die vor zwei Jahren stattfand, zu toppen. Damals kamen 8000 Besucher. Ein zweites Ziel ist es, dass die Kirchennacht zur Tradition wird. 2020 soll die dritte Auflage stattfinden. Dann, so hoffen die Landeskirchen, in der ganzen Deutschschweiz. Heiliger Bimbam.