Fricktal
Feuerwehr ist gefragt: Plötzlich schwebte ein Pferd durch die Luft

Im Aargau werden Feuerwehren immer häufiger zu kuriosen Einsätzen gerufen. Der Feuerwehrverband Bezirk Laufenburg übte mit Mitgliedern eine Grosstier-Rettung.

Paul Roppel
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Ueli und Anita Windisch vom Grosstier-Rettungsdienst demonstrieren die fachgerechte Bergung eines Pferdes.

Ueli und Anita Windisch vom Grosstier-Rettungsdienst demonstrieren die fachgerechte Bergung eines Pferdes.

Peter Roppel

Immer mehr werden Feuerwehrleute mit nicht alltäglichen Situationen konfrontiert, die sie aber meistern wollen. Deshalb organisierte der Feuerwehrverband Bezirk Laufenburg in Zusammenarbeit mit dem Grosstier-Rettungsdienst einen Kurs für den fachgerechten Umgang mit Tieren.

«In der Tierhaltung hat sich einiges geändert. Der Stellenwert eines Tieres hat sich gewandelt, so ist ein Pferd heute ein Familienmitglied», betont Ueli Windisch, Leiter des Grosstier-Rettungsdienstes Stützpunkt Densbüren. Dies habe auch Einfluss auf die Tierrettung. Deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden stark unter Beobachtung stehen und müssten auch das Tierschutzgesetz beachten.

Unter dieser Prämisse steht auch der vom Bezirksfeuerwehrverband Laufenburg organisierte freiwillige Weiterbildungskurs für über 80 Einsatzleiter, Offiziere und Gruppenführer aus dem Fricktal und dem Bezirk Brugg. «Wir sind bestrebt auf Kurswünsche unserer Mitglieder einzugehen», betont Präsident Dominik Vogel, der sich über die hohe Teilnehmerzahl freut.

Ein versierter Praktiker

Mit Ueli Windisch konnte ein fachkundiger Kurskommandant gewonnen werden, der zusammen mit Anita Windisch und Diane Günthart ein interessantes dreiteiliges Kursprogramm zusammen gestellt hat. «Wir haben pro Jahr 30 bis 40 Einsätze», erzählt der versierte Praktiker.

Aus seinem grossen Erfahrungsschatz lässt er die Kursteilnehmer praxisnah profitieren, gibt ihnen Tipps und Tricks im Umgang mit den Tieren und geht auch auf deren Verhaltensweisen ein. Wie Dompteure, elegant und ohne Probleme führten die Feuerwehrleute zwei Pferde auf dem Hof spazieren.

Aber Pferde können sehr schreckhaft sein und ergreifen die Flucht, erfuhren die Feuerwehrleute, was in Notsituationen zu berücksichtigen sei. Die Feuerwehrleute lernten, ein Pferd fachgerecht mit speziellen Gerätschaften zu versehen.

Der Rettungsdienst hob dann das Pferd per Kran vom Boden ab und liess es durch die Luft schweben. Als anforderungsreiche Knacknuss gestaltete sich das Unterfangen, eine der vielen Kühe via zwei Gatter aus dem grossen Freilaufstall in den Hof zu bewegen. «Die Kuh ist ein Gewohnheitstier und dieser Weg ist ihr eben nicht geläufig», erklärt Landwirt Thomas Imhof seinen Feuerwehrkollegen, der auch Offizier bei der Stützpunktfeuerwehr Frick ist.

Zudem war für die grosse Kuhherde auf ihrem Hof in Frick die tägliche Routine wegen der versammelten Feuerwehrleute etwas durcheinandergeraten – und das Gatter zur Weide hatte sich am Morgen nicht wie üblich automatisch zur Weide geöffnet.

Sichtlich Mühe hatte auch ein Feuerwehrmann, die kräftige Kuh auf dem Hofplatz zum Gehen zu bewegen. Die Zuschauerrunde lächelte amüsiert, aber schon bald machte auch einer aus dieser Gruppe ähnlich mühsame Erfahrungen. Das starke Tier versuchte, seinen eigenen Willen durchzusetzen.

«Das ist ein sehr interessanter und praxisbezogener Kurs, der mir für die Einsatzverantwortung viel bringt», meinte Reto Bürgi, Kommandant der Feuerwehr Oberes Fricktal, der schon mit Tierrettungen konfrontiert war und künftig einiges anders anpacken wird.