Auf dem Pausenhof der Heilpädagogischen Schule Frick steht eine Kerze. Noch mysteriöser wirkt die Szene, als ein kleiner Junge die Kerze nimmt, anzündet und dann isst. Gleich darauf lässt er seinen Finger brennen. Wie er das macht, wird der kleine Zauberer nicht verraten. «Sonst bin ich kein richtiger Feuerkünstler mehr.» Eine Woche arbeiten Zirkuspädagogen vom Circus Luna mit der ganzen Schule zusammen. Man leitet die Kinder, lässt sie aber auch machen. So kämen unerwartete Fähigkeiten der Kinder zum Vorschein, sagt Projektleiterin Regina Stieger. Die Kinder entdecken, schätzen sich ein und stellen etwas Grosses auf die Beine. Darum geht es beim Projekt, vor allem aber darum, gemeinsam Spass zu haben und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.

Eine Woche als Artist

Am Morgen versammeln sich die 44 Schüler, die Lehrpersonen und Schulassistenzen im Zirkuszelt. Ein weiterer abenteuerlicher Tag beginnt. Es wird gemeinsam gesungen, dann stolpert Rainer Dunst – Zirkuspädagoge und Clown – ins Zelt. Zehn Minuten Gekicher und spontanes Mitwirken der Schüler bringen Leben und vor allem Lebensfreude in die Manege. Die Artisten-Schüler sitzen gebannt auf ihren Bänken und freuen sich auf die heutige Kostümprobe; Jongleure, Akrobaten, Fakire und Zauberer geben diese Woche ihr Bestes. Nach dem Begrüssungsritual im Zelt teilen sich die Kinder und Jugendlichen in sieben Gruppen auf; was für Artisten sie diese Woche sein wollen, durften die Schüler selbst aussuchen. Die Gruppen sind altersgemischt, Schüler helfen einander, übernehmen auch Verantwortung. Das Proben beginnt: Die Tiere und ihre Dresseure üben in der Aula, die Fakire auf dem Pausenhof und die Balancekünstler im Klassenzimmer.

Jeder hat seine Rolle

Es wird spielend geprobt, die Fähigkeiten der Schüler werden zur Kenntnis genommen und beim Zirkusprogramm berücksichtigt. Alle 4- bis 19-Jährigen sind aktiv, ob im Rollstuhl oder nicht, jeder hat seine Rolle. Es gibt keinen Zwang, aber viele motivierende Sätze und Lob. Die kleinen Gruppen werden von Lehrern und Assistenten geleitet. Die Zirkuspädagogen verweilen bei jeder Gruppe, helfen und geben ihre Tipps und Tricks preis. Rainer Dunst arbeitet seit zehn Jahren an Projekten mit Kindern mit. «Ihnen verrät man gern das eine oder andere Zirkusgeheimnis. Wir arbeiten für die leuchtenden Kinderaugen, die Danke sagen.»

Zuerst aber dürfen die Schüler selbst experimentieren und herausfinden, was überhaupt umsetzbar ist. Es wird kein Programm, keine Show diktiert. Dementsprechend wird die Premiere – und Derniere zugleich – am Freitag spontan und damit auch herzlich unterhaltsam. Eingeladen sind Verwandte und Bekannte der Schüler und natürlich alle, die beim Projekt Zirkuswoche mitgeholfen haben. «Ohne die grosse Spende durch die Auflösung von Insieme Frick wäre das ganze Projekt nicht möglich gewesen», sagt Schulleiterin Susanne Anrig. «Wir sehen, wie die Kinder aufblühen und die Abwechslung und Aktivitäten geniessen. Es wäre schön, öfters eine kreative Projektwoche zu veranstalten.» Bevor nun aber schon das nächste Projekt geplant wird, gibt die ganze Schule ihr Bestes, um am Freitagabend in der Manege zu glänzen.