Fricktal

Fehlstart für den Pastoralraum: Wittnau sagt Nein – droht eine Blockade?

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Der Start zum Pastoralraum «AG 20» ist gründlich missglückt. Bereits die erste der neun Kirchgemeinden, die über den Kredit für die Projektphase, abgestimmt hat, sagt Nein; die Stimmberechtigten haben an der Kirchgemeindeversammlung vom Freitag die Beteiligung abgelehnt.

Nimmt man die beiden Informationsveranstaltungen, die das Bistum zum Pastoralraum durchgeführt hat, als Gradmesser, so dürfte Wittnau nicht die einzige Gemeinde bleiben, die Nein sagt. Denn die Informationen, die das Bistum an diesen Veranstaltungen abgab, «waren ungenügend», findet Christoph Küng, Gemeindeleiter von Wittnau. Eine Teilnehmerin sagt es weit weniger diplomatisch: «Es war hundsmiserabel.»

Dies habe sicher einige Wittnauer bewogen, Nein zu stimmen, ist Küng überzeugt. Zumal sich auch die Kirchenpflege von Wittnau nach den Infoveranstaltungen kritisch zum Projekt äusserte. Christoph Küng ist denn auch nicht überrascht, dass die Wittnauer am Freitag Nein gesagt haben. Es ging dabei nicht um das Geld, das jede Pfarrei für die Projektleitung sprechen soll, also vielmehr um ein generelles Statement.

Küng selber hält den Pastoralraum, der mit neun Pfarreien und rund 9000 Gläubigen einer der grössten im Aargau wäre, für zu gross. Daraus hat er nie ein Geheimnis gemacht und das haben die Wittnauer auch der Bistumsleitung so mitgeteilt; eine Antwort darauf habe man aber nie erhalten. «Die Grösse ist leider in Stein gemeisselt», so Küng. Christoph Sterkman, Bischofsvikar und als solcher «Mister Pastoralraum», teilt Küngs Einschätzung nicht. «AG 20» wäre zwar der grösste Pastoralraum im Fricktal. Unter allen Pastoralräumen sei er aber von mittlerer Grösse, sagt er im Interview mit der AZ.

Was Küng und viele Wittnauer neben der Grössenfrage vor allem stört, ist, dass derzeit viele Parameter unklar sind. So weiss man seit einigen Monaten, dass der Fricker Pfarrer Thomas Sidler – der einzige Priester im Gebiet des künftigen Pastoralraums – im Sommer 2018 in Pension geht. Dem Pastoralraum fehlt damit eine zentrale Figur, der künftige Priester, den man hinter vorgehaltener Hand auch schon mal den «Köfferli-Priester» nennt, weil er bei neun Pfarreien von Gemeinde zu Gemeinde eilen muss. Wie es in der Priesterfrage weitergeht, will das Bistum bis zum Weggang von Sidler geklärt haben – also erst, wenn die Konstituierung des Pastoralraums läuft.

Gleiches gilt für die Projektleitung des Pastoralraums. Die Stimmberechtigten sollen das Geld für die Stelle sprechen – ohne zu wissen, wer sie besetzen wird. «Das kam nicht gut an», so Küng. Das sieht auch Sterkman ein; der Umstand, dass noch nicht alle Vorentscheide getroffen werden konnten, «hat vermutlich zur Ablehnung des Projektkredits beigetragen».

Linzmeier oder Lindner

Klar ist inzwischen immerhin, dass die Projektleitung entweder Martin Linzmeier, Gemeindeleiter in Gipf-Oberfrick, oder Bernhard Lindner, Gemeindeleiter in Oeschgen, übernehmen wird. Die Krux dabei: Wer den Job bekommt, der ist für das Bistum als künftiger Gemeindeleiter von Frick, Oeschgen und Gipf-Oberfrick gesetzt. Denn die drei Pfarreien, die derzeit je eine eigene Gemeindeleitung haben (diejenige von Frick hält Thomas Sidler inne), sollen künftig unter einer Leitung stehen. Das heisst aber umgekehrt: Wer nicht Projektleiter wird, muss im Pastoralraum als Pastoralassistent ohne Leitungsfunktion tätig sein – oder er muss die Stelle wechseln. Laut Sterkman soll «noch dieses Jahr» klar sein, wer das Projekt leiten wird.

Diese Strukturbereinigungen müssen für Küng zuerst gemacht werden; dann könne man über einen Pastoralraum reden. «Derzeit haben wir nicht das Gefühl, dass uns die neuen Strukturen etwas bringen», sagt Küng. Es seien eher «Strukturen für den Bischof» als für die Pfarreien. Noch zwei andere Punkte stören ihn: Erstens, dass die Laienbefähigung im ganzen Prozess kein Thema ist, und zweitens, dass mit dem Pastoralraum «ein gutes Stück Demokratie verloren geht».

Als gescheitert oder blockiert will Küng den Pastoralraum aber ebenso wenig sehen wie Sterkman. «Sobald klar ist, wie es in Frick weitergeht und wer die Projektleitung übernimmt, sind wir gerne bereit, weiter zu diskutieren», so Küng. Man arbeite in der Zwischenzeit wie bisher zusammen. Diese Zusammenarbeit zwischen den drei Seelsorgeeinheiten, welche die neun Pfarreien bilden, sei gut. «Wir wollen aber nicht Strukturen schaffen, die uns nicht dienen.»

Nun sind die anderen acht Pfarreien am Zug. Auch hier ist die Skepsis gross. «Ich war nie ein Befürworter eines solch grossen Raumes», sagte Andreas Wieland, Gemeindeleiter der drei Homberger Pfarreien Herznach, Hornussen und Zeihen, jüngst gegenüber dem Pfarrblatt «Horizonte». Die Seelsorgeverbände Homberg und Tierstein hätten unterschiedliche Mentalitäten; für diese beiden Gebiete einen gemeinsamen Weg zu finden, «ist sicher nicht einfach».

Die unterschiedlichen Mentalitäten sieht Christoph Küng zwar nicht. Aber auch er sagt: «Die Pfarreien sind einfach zu weit weg voneinander.» Finden sie zueinander? On verra. Klar ist derweil: Sagen noch eine oder zwei Gemeinden Nein, wird es ganz schwierig. Dann droht dem Pastoralraum «AG 20», was im unteren Fricktal bei «AG 19» bereits Realität ist: eine komplette Blockade.

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