Fricktal
Fehlende Motivation und Sozialkompetenz: Warum vor allem Montageelektriker häufig die Lehre abbrechen

Am Berufsbildungszentrum Fricktal weisen Auszubildende zum Montageelektriker die höchste Abbruchquote auf – vielen Lehrlingen fehlen Motivation und Sozialkompetenz.

Dennis Kalt
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21 Prozent beträgt die Lehrvertragsauflösungsquote im Schweizer Durchschnitt.

21 Prozent beträgt die Lehrvertragsauflösungsquote im Schweizer Durchschnitt.

Keystone

Rund 30 Prozent beträgt die Abbruchquote im Ausbildungsfeld Elektrizität und Energie in der Schweiz. In der aktuellen Studie zur Lehrvertragsauflösung des Bundesamtes für Statistik rangiert das Ausbildungsfeld damit mit knappem Abstand auf Platz drei – auf Platz eins liegt das Feld Friseurgewerbe und Schönheitspflege, auf Platz zwei das Feld Gastgewerbe und Catering.

Dass es sich die Lehrlinge in diesem Berufsfeld schwerer tun als in anderen, zeigt sich auch im Berufsbildungszentrum Fricktal, das insgesamt zehn Ausbildungsberufe anbietet. «Bei den Montageelektrikern ist die Abbruchquote auf mehrere Jahre gesehen am höchsten. Die anderen Berufe weisen allgemein tiefe Abbruchquoten auf», sagt Rektor Hans Marthaler. Er begründet dies damit, dass bei den Montageelektriker-Lehrlingen «teilweise fachliche oder schulische Mängel vorliegen, die am erfolgreichen Lehrabschluss zweifeln lassen».

Leistungsschwache Schüler

Das weiss auch Berufsbildner Kurt Wernli von der Jost AG, die unter anderem in Frick 17 Mitarbeiter beschäftigt. «In den Montage-elektriker-Klassen sitzen zum Grossteil Realschüler oder schwache Sekundarschüler, die unkonzentriert sind und denen es zum Grossteil an der nötigen Disziplin fehlt», sagt er. Und selbst, wenn es die Lehrlinge bis zu den Abschlussprüfungen schaffen, fällt etwa jeder vierte durch – eine Quote, die für Wernli eindeutig zu hoch ist. Das Verhalten in den Berufsklassen spiegle sich auch im Lehrbetrieb wieder: «Manchmal fehlt es an den grundlegendsten Dingen wie der Pünktlichkeit und der Höflichkeit im Umgang mit den Kunden», sagt Wernli.

Ähnliches berichtet Heinz Lichtin, Inhaber der Elektro Lichtin AG in Möhlin. Der Ausbildungsberuf des Montageelektrikers sei vor rund 15 Jahren geschaffen worden, um auch leistungsschwachen Schülern eine Möglichkeit zu bieten, in dieser Branche Fuss zu fassen. «Der Grund, weshalb einige mit diesem Ausbildungsberuf beginnen, ist jedoch lediglich der, dass sie überhaupt eine Berufsausbildung beginnen können. Dementsprechend ist es um die Motivation bestellt», sagt er.

Eine Schnupperwoche zum Testen

Auch Lichtin musste bereits den einen oder anderen Vertrag mit einem Montageelektriker-Lehrling auflösen. «Zwar nehmen wir in der Regel nur Lehrlinge, die bei uns schon einmal geschnuppert haben, innerhalb einer Woche kann man sich jedoch kein detailliertes Bild über einen Menschen machen», sagt er.

Für Lichtin kommt es in der Schnupperwoche grundsätzlich darauf an, ob ein Absolvent einigermassen handwerkliches Geschick beweist. Das Zeugnis, speziell die Fächer Mathe und Deutsch, seien zwar auch wichtig. Entscheidender sei jedoch, dass ein Bewerber in der Schnupperwoche mit Motivation bei der Sache sei. «Mit diesen Kriterien sichern wir uns ab. Wenn ein Schnupper-Lehrling sie erfüllt, ist die Wahrscheinlichkeit auch relativ hoch, dass er die dreijährige Ausbildung durchzieht», sagt Lichtin.

Ein grosses Problem sieht Roland Küng, Projektmanager bei der Elektro Siegrist AG, darin, dass viele zwar die vierjährige und höher angesehene Lehre als Elektroinstallateur beginnen, diese aber nicht durchhalten und in die dreijährige Lehre zum Montage-Elektriker wechseln. «Sie werden dann zurückgestuft und haben eine Art Blockade. In dieser Situation haben die Auszubildenden oft mit Motivationsproblemen zu kämpfen», sagt er.