Statistik

Fast jeder Fünfte ist im Pensionsalter: Wo im Fricktal die Seniorenquote am höchsten ist

Beim Projekt «Senior im Klassenzimmer» – hier Kinderarzt Paul Huber in Brugg – treffen Generationen aufeinander. Claudio Thoma

Beim Projekt «Senior im Klassenzimmer» – hier Kinderarzt Paul Huber in Brugg – treffen Generationen aufeinander. Claudio Thoma

Die Zahl der über 65-Jährigen hat im Fricktal zwischen 1972 und 2017 um 224 Prozent zugenommen.

Der Bevölkerungsmix im Fricktal hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Dies zeigt ein Vergleich der AZ zwischen den Jahren 1972 und 2017. Bemerkenswert ist, dass die Zahl der unter 20-Jährigen trotz eines Bevölkerungswachstums von satten 79 Prozent – die Zahl der Einwohner stieg von 44 513 auf 79 833 an – zurückgegangen ist. Lebten 1972 16 055 unter 20-Jährige in den Bezirken Laufenburg und Rheinfelden, waren es 47 Jahre später noch 15 911 (AZ von gestern).

Ein zentraler Grund für diese Dynamik sind die Babyboomer-Jahre der 1960er-Jahre. Auf ihrem Höhepunkt, 1964, lag die Fruchtbarkeitsrate bei 2,66 Geburten pro Frau. Sie sank danach stark und pendelte sich bei rund 1,5 Geburten ein.

Die geburtsstarken Jahrgänge kommen in den nächsten 15 Jahren ins AHV-Alter und werden dafür sorgen, dass die Zahl der Rentner stark zunehmen und damit ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung steigen wird.

Dieser Trend zu einer älteren Bevölkerung zeigt sich aber bereits heute, wie der AZ-Vergleich zeigt. Lebten 1972 4340 über 65-Jährige im Fricktal, waren es Ende 2017 deren 14 069. Das sind satte 224 Prozent mehr. Ein Teil der Dynamik kann mit dem Bevölkerungswachstum erklärt werden; dieses lag allerdings in diesem Zeitraum gesamthaft «nur» bei 79 Prozent. Ein zweiter Teil ist auf die älter werdende Gesellschaft zurückzuführen, ein dritter Teil auf die ebenfalls bereits geburtsstarken Jahrgänge in den 1950er-Jahren.

Jeder vierte Olsberger ist Ü65

Stark zugenommen hat aber nicht nur die effektive Zahl, sondern auch der Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung. 1972 machten die Rentner erst 9,75 Prozent der Bevölkerung aus, 2017 waren es schon 17,62 Prozent. Der Seniorenanteil war dabei im unteren Fricktal mit 17,90 Prozent leicht höher als im oberen mit 17,21 Prozent.

Die Unterschiede beim Ü65-Anteil in den Gemeinden sind dabei frappant: Die niedrigste Seniorenquote hat Oberhof: Hier sind nur 13,29 Prozent älter als 65. Oberhof ist gleichzeitig die einzige der 32 Fricktaler Gemeinden, bei der der Anteil der Senioren in den beiden Referenzjahren sogar zurückgegangen ist. Lebten 1972 80 über 65-Jährige im kleinen Dorf am Fusse des Benken, waren es 2017 noch 77 – ein Minus von 3,31 Prozent.

Ebenfalls einen verhältnismässig tiefen Seniorenanteil haben Ueken (13,74 Prozent), Wittnau (13,79) und Zeihen (14,79). Am anderen Ende der Skala rangiert Olsberg. Hier sind 27,86 Prozent der Einwohner älter als 65. Mit anderen Worten: Mehr als jeder vierte Olsberger geniesst den (Un-)Ruhestand. Zur zweitplatzieren Gemeinde, Wegenstetten, klafft dabei ein grosses Loch; hier sind 21,86 Prozent der Einwohner älter als 65. Es folgen Gansingen (20,78) und Mettauertal (20,38). Bei allen anderen Gemeinden liegt der Wert zwischen 14 und 20 Prozent.

Das Älterwerden spiegelt sich auch bei den über 80-Jährigen. Lag ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung im Fricktal 1972 bei 1,52 Prozent, stieg er bis 2017 auf 4,41 Prozent an. In absoluten Zahlen heisst das: 1972 lebten im Fricktal 678 Personen, die älter als 80 waren; Ende 2017 waren es 3524. Die Ü80Quote war dabei im unteren Fricktal mit 4,61 Prozent etwas höher als im oberen Fricktal mit 4,13 Prozent.

681 in Rheinfelden über 80

Nur in zwei Gemeinden lag der Ü80-Anteil unter drei Prozent: in Sisseln (2,21) und Zeihen (2,56). Den höchsten Wert erreichte Hellikon mit 6,6 Prozent, gefolgt von Wegenstetten (5,95) und Laufenburg (5,19). In absoluten Zahlen lebten 2017 am meisten über 80-Jährige in Rheinfelden (681), gefolgt von Möhlin (488) und Frick (254).

Eigentlich wären für Frick, Laufenburg, Möhlin, Rheinfelden und Kaiseraugst deutlich höhere Zahlen zu erwarten, befinden sich doch hier die grossen Alters- und Pflegeheime. Dass dies nicht so ist, dass hier nicht überproportional viele über 80-Jährige aufgeführt sind, liegt am Schweizer Meldesystem: Wer ins Alters- oder Pflegeheim eintritt, bleibt in seiner letzten Wohngemeinde angemeldet.

Zugenommen hat auch die Zahl der über 90-Jährigen. Gab es 1972 noch elf Gemeinden, in denen kein über 90-Jähriger wohnte, waren 2017 in jeder der 32 Fricktaler Gemeinden Menschen im zehnten Lebensjahrzehnt gemeldet. Am wenigsten in Oberhof (2), am meisten in Rheinfelden (119). Dies entspricht im Fall des Zähringerstädtchens einer Ü90-Quote von 0,89 Prozent. Den höchsten Ü90-Anteil an der Gesamtbevölkerung hatte Ende 2017 Hellikon mit 1,78 Prozent, die tiefste Gansingen mit 0,29 Prozent. Damit lebten in Hellikon 14 über 90-Jährige, in Gansingen waren es 3.

19 Fricktaler sind sogar dreistellig unterwegs: Sie sind älter als 100 Jahre. Sechs von ihnen leben in Rheinfelden, drei in Möhlin und zwei in Frick. In Kaiseraugst, Magden, Hellikon, Schupfart, Eiken, Oeschgen, Kaisten und Laufenburg war je ein Einwohner älter als 100. Künftig, so viel steht fest, werden es deutlich mehr sein.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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