An acht Standorten in der Region Bözberg will die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) mit Sondierbohrungen klären, ob der Untergrund für ein Atomendlager geeignet ist.

Gegen die Gesuche für die Bohrungen sind fast 500 Einsprachen eingegangen. «Insbesondere die völlig ungenügende Profilierung mit 30 cm hohen Pflöcken sowie Lärm-, Verkehrs- und Umweltbedenken wurden von vielen Einsprechenden als Gründe angegeben», teilt die IG Bözberg ohne Bohrturm mit, die sich gegen ein Atommülllager in der Region einsetzt.

Auch die fünf Standortgemeinden der Bohrstellen – Bözberg, Effingen, Remigen, Riniken und Zeihen – hätten Einsprachen eingereicht. Die IG sieht sich nach den 486 Einsprachen ans Bundesamt für Umwelt in ihrer Arbeit bestätigt: «Die Bevölkerung vor Ort erteilt den Plänen der Nagra eine Abfuhr.»

Markus Fritschi, der stellvertretende Geschäftsleiter der Nagra, sieht dies völlig anders, wie er bei einer Medienkonferenz auf Nachfrage sagte. «Dass es regionale Opposition gibt, ist bei Infrastrukturbauten normal, und wir werden alle Einsprachen detailliert prüfen, die sich mit konkreten Fragen der Sondierbohrungen befassen.» Dass es für die Bohrtürme keine Bauprofile gebe, begründete Fritschi damit, dass bei Bauvorhaben immer das Ergebnis ausgesteckt werde. «Wenn Sie ein Einfamilienhaus bauen, profilieren Sie auch nicht den temporären Erdhügel, der beim Aushub entsteht.» Und wenn der Bohrturm wieder abgebaut sei, bleibe tatsächlich nur ein kleiner Bohrkeller mit einer Abdeckung sichtbar.

April 2016: Wie die Nagra an der Jahresmedienkonferenz bekannt gab, wird der Bözberg auf ein mögliches Atomendlager untersucht.

April 2016: Wie die Nagra an der Jahresmedienkonferenz bekannt gab, wird der Bözberg auf ein mögliches Atomendlager untersucht.

Sind die Bohrungen nötig?

Sacha Schenker, Koordinator der IG Bözberg ohne Bohrturm und Co-Präsident der SP Bezirk Brugg, übt auch grundsätzliche Kritik am Vorgehen der Nagra. «Es braucht keine Bohrungen, um festzustellen, dass sich der Bözberg für ein Atommülllager nicht eignet: Die geologischen Risiken sind bekannt und die Region liegt inmitten eines Naturparks», hält Schenker fest.

Auch diesen Punkt sieht Fritschi anders. Eine generelle Ablehnung der Sondierbohrungen widerspreche den Grundsätzen des Sachplanverfahrens, um den optimalen Standort für ein Tiefenlager zu finden. Die sicherheitstechnischen Abklärungen müssten vorgenommen werden, darüber herrsche weitgehend Konsens, sagte er. Fritschi verwies darauf, dass bei den bereits abgeschlossenen seismischen Messungen über 98 Prozent der Landbesitzer der Nagra erlaubt hätten, ihre Grundstücke zu betreten. Daraus lasse sich zwar keine Zustimmung zu einem Endlager im Bözberg in gleicher Höhe ableiten, doch die Bevölkerung stehe offenbar hinter dem Verfahren.

3D-Seismik – Ein Blick in den geologischen Untergrund

3D-Seismik – Ein Blick in den geologischen Untergrund

Was sind 3D-seismische Messungen? Wozu braucht es Geofone und Vibrationsfahrzeuge? Welche Informationen aus dem geologischen Untergrund erhält man? Der 5-minütige Film der Nagra liefert Antworten.

Die Nagra zeigt sich denn auch zuversichtlich, dass die Sondierbohrungen wie geplant 2019 starten können. Ziel sei eine nachvollziehbare Beurteilung der Langzeitsicherheit eines geologischen Tiefenlagers. Nur die Bohrungen würden einen direkten Einblick in den geologischen Untergrund erlauben – ähnlich einer Endoskopie in der Medizin, sagte Herwig Müller, Ressortleiter Feldarbeiten. Die Bohrungen reichen in Tiefen zwischen 800 und 1300 Meter. Vorgesehen sind zwischen drei und fünf solcher Bohrungen pro Standortgebiet. Es wird also am Bözberg nicht an allen acht Plätzen gebohrt, für die Bohrgesuche eingereicht wurden.

Bei den Bohrungen werden laut Müller Messsonden an Metallseilen in den Untergrund abgesenkt. Zudem werden mit aufblasbaren Schläuchen, sogenannten «Packers», diverse geophysikalische Messungen durchgeführt. Dabei sollen Druck, Durchlässigkeit und Spannungen im Gestein eruiert werden. Bohrkerne weiteren Aufschluss über die Beschaffenheit des Gesteins bringen.