Fricktal

Fasnachtswörter: Kein Narrenlatein sondern Geschichte

Die Laufenburger Fasnachtsmutter sorgt für den Narrensamen.  sh

Die Laufenburger Fasnachtsmutter sorgt für den Narrensamen. sh

Die Fasnacht in der Hochrheinregion kommt mit so manch speziellen Begriffen daher. Diese sind aber nicht einfach Narrenlatein, sondern finden sich bereits in frühen urkundlichen Schriften.

«Hüt isch de erschti Faisse, da göm mer go tschättere.» Die Narronen freuts, den Narrensamen ebenfalls. Narri, narro. Ob Mundart oder nicht, Faissen, Tschättern, Narrensamen und Co. sind keine gängigen Ausdrücke. Gehören ausserhalb der fünften, närrischen Jahreszeit nicht wirklich zu unserem Wortschatz.

Und auch in dieser, von vielen Fasnachtsbegeisterten so sehnsüchtig erwarteten Zeit sind verschiedenste Begriffe für weniger Fasnachtskundige unverständliche Ausdrücke. Eben Narrenlatein. Stimmt aber so nicht ganz. Viele der Begriffe finden sich bereits in frühen urkundlichen Schriften. Das zeigt sich unter anderem am Beispiel der Laufenburger Fasnacht. Sie gehört zu den ältesten am Hochrhein. Entsprechend stolz weist die Narro-alt-Fischerzunft 1386 in ihrem Namen auf ihr Entstehungsjahr hin.

Faissen und Tschättern

So manch Bewohner der Laufenburger Altstadt wird heute Morgen um fünf Uhr unsanft aus seinen Träumen gerissen worden sein. Es wurde getschättert. Die Tschättermusik ist eine jahrhundertealte Tradition. Ausgerüstet mit allerlei Lärminstrumenten besammeln sich Jung und Alt beim Laufenburger Wasentor, um von hier aus ihre spezielle «Musik» in den engen Altstadtgassen ertönen zu lassen.

Zu den Instrumenten gehören Pfannendeckel, Eisenstücke, Sägeblätter, alte Töpfe und so weiter. Hauptsache, es macht Lärm. Abends wiederholt sich das Szenario. So auch am zweiten und dritten Donnerstagfaissen. 1803 teilte Napoleon Laufenburg auf zwei Länder auf. Diese Teilung hat die die Narro-alt-Fischerzunft 1386 nicht mitgemacht. Sie sind nach wie vor in einer einzigen Zunft vereint. «Hätte Napoleon nur ein einziges Mal die Laufenburger Tschättermusik gehört, wäre die Stadt heute bestimmt nicht geteilt», sagte im Jahre 1986 ein ehemaliger Laufenburger Stadtammann bei der Präsentation der Jubiläumsschrift der Fasnachtszunft zu deren 600-Jahr-Jubiläum.

Getschättert wird aber nicht nur in Laufenburg, sondern auch in anderen Gemeinden am Hochrhein. Als Belohnung gibt es nach getaner «Lärmbetätigung» gratis Mehlsuppe in den hiesigen Dorfrestaurants. So weit zum Tschättern. Was aber sind die Faissen? Im Fricktal wie auch in Gegenden Süddeutschlands sind die drei Donnerstage vor Aschermittwoch von herausgehobener Bedeutung: Schrittweise wird auf die Fasnacht zugegangen. Seit dem Hochmittelalter galt der Donnerstag als bevorzugter Schlacht- und Backtag. Damit verband sich mit diesem Tag die Vorstellung von Fett und Schmalz. Und genau dies war es, was den drei Donnerstagen vor Fasnacht zu besonderem Profil verhalf. Im Allemannischen werden diese drei Tage folgerichtig die «Faissen», die «Fetten» oder die «Faisten» genannt.

Kapitulation

In einigen Fricktaler Gemeinden, unter anderem in Möhlin, ist es üblich, dass am ersten Faissen die Schlüsselübergabe stattfindet. Schlüsselübergabe tönt nicht wirklich närrisch. Während der Fasnacht ist diesem Begriff gleichwohl ein etwas anderer Stellenwert zuzuordnen. Angesichts des närrischen Treibens kapituliert die eine oder andere Gemeindebehörde. Übergeben deshalb den Fasnachtsverantwortlichen den «Schlüssel» des Regierungsgebäudes. Die Narren übernehmen damit symbolisch für 19 ausgelassene Tage die Herrschaft über die Dörfer. Narri, narro!

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