Rheinfelden
Familiengarten-Breitmatt: Wenig Hoffnung für das Paradies

Der Familiengarten-Verein Breitmatt ist enttäuscht vom Gespräch mit Stadt und Grundeigentümer. Die letzte Garten-Saison könnte angebrochen sein.

Marc Fischer
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Den Familiengärten im Gebiet Breitmatt in Rheinfelden droht das Aus.

Den Familiengärten im Gebiet Breitmatt in Rheinfelden droht das Aus.

Nadine Böni

Seit rund 80 Jahren besteht im Gebiet Breitmatt unweit der Brauerei Feldschlösschen eine Schrebergarten-Kolonie. Nun könnte die letzte Garten-Saison angebrochen sein. Denn die 27 Mitglieder des Familiengarten-Vereins Breitmatt haben von der Stadt die Kündigung auf Mitte November erhalten (die AZ berichtete). Allerdings ist die Stadt nicht Grundeigentümerin. Für die Familiengärten hatte sie mit Grundeigentümer Urs Schnyder einen Pachtvertrag abgeschlossen. «Dieser Pachtvertrag wurde nun vom Grundeigentümer einseitig gekündigt», erklärt der Rheinfelder Stadtschreiber Roger Erdin.

Josef Mietrup, Vorstandsmitglied des Familiengarten-Vereins, pocht seinerseits darauf, dass bei der Schaffung der Spezialzone Golf im Jahr 2006 in der Vorlage festgehalten gewesen sei, dass das Familiengartenareal bestehen bleibe und vertraglich gesichert sei. Schnyder dagegen nannte vor Wochenfrist gegenüber Tele M1 Gründe für die Kündigung. «Es hat sich in letzter Zeit einfach gezeigt, dass jeder macht, was er will.» Zum Beispiel sei der Golfplatz bei Festlichkeiten als Spielwiese verwendet worden. Dem Mitbesitzer des Golfplatzes geht es zudem um Rechtsfragen und Sicherheitsaspekte. Für Mietrup sind diese Argumente kaum stichhaltig. Für ihn ist klar: «Die Kündigung passiert ohne Not.»

Verein fordert Übergangsfrist

Am Mittwoch trafen sich nun alle Beteiligten zu einem Gespräch, um allenfalls doch noch eine Lösung für die verworrene Situation zu finden. Mietrup hatte grosse Hoffnungen in das Treffen gesetzt, doch gestern sagte er auf Anfrage der AZ: «Das Gespräch verlief total enttäuschend.» Unter anderem habe er vorgeschlagen, auf Kosten der Schrebergärtner ein Sicherheitsnetz zu erstellen, damit niemand von Golfbällen getroffen werde, so Mietrup. «Und ich habe einen Rundgang übers Areal vorgeschlagen, damit uns der Eigentümer zeigen könnte, wo in seinen Augen Wildwuchs herrscht und was ihn stört.» Die andere Seite sei allerdings kaum darauf eingegangen.

Er habe eindringlich an Urs Schnyder appelliert, die Kündigung zurückzunehmen, so Mietrup. Und er hat noch eine weitere Forderung gestellt. «Sollte die Kündigung bestehen bleiben, braucht es eine Übergangsfrist von mindestens fünf Jahren.» Es sei nicht realistisch, bis Mitte November die Schrebergärten komplett abzubauen. «Aussenstehende verstehen nicht, dass der Garten für die Betreiber ein Paradies ist.»

Grundsätzlich habe Urs Schnyder an seiner Kündigung festgehalten, so Mietrup, ein endgültiger Entscheid sei aber noch nicht gefallen. Ganz aufgeben will er die Hoffnung, dass die Familiengärten doch noch gerettet werden können, deshalb nicht. «Ein kleines Türchen ist noch offen», so Mietrup. Und: «Urs Schnyder hat zugesichert, über die Übergangslösung nachzudenken.» Roger Erdin bestätigt dies: «Offen ist die Frage, ob und in welchem Umfang allenfalls eine Übergangslösung beziehungsweise eine Verlängerung der Pacht möglich ist. Diesbezüglich wollen sich der Grundeigentümer und die Betreiber des Golfplatzes nochmals unterhalten.» Schnyder selber war gestern für die AZ nicht erreichbar.

Alternative: «Neuland»

Und wie geht es mit den Schrebergärtnern weiter, wenn die Kündigung doch endgültig bestehen bleibt? Sofern der Familiengarten Breitmatt aufgehoben werden müsse, könne die Stadt in der Familiengartenzone Neuland (Kohlplatz in Richtung Möhlin) Ersatz anbieten, sagt Roger Erdin. Dort befinde sich eine in der Bau- und Nutzungsordnung speziell ausgeschiedene Familiengartenzone. «Das Land ist im Eigentum der Einwohnergemeinde und das darauf bestehende Pachtverhältnis mit einem Landwirt wurde vorsorglich gekündigt, sodass wir nahtlos Ersatz anbieten könnten», so Erdin.

Diese Möglichkeit ist auch Mietrup bekannt. «Wir würden diese wohl auch annehmen.» Allerdings sei das Land derzeit noch Kulturland und es wäre «eine harte Sache», die über Jahre aufgebauten Gärten in der Breitmatt zu verlassen. «Deshalb kämpfe ich weiter, vor allem auch für die älteren Vereinsmitglieder.»

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