Gipf-Oberfrick

Familiendrama: Was wird aus dem Täter – und aus den drei Kindern?

Die afghanische Familie, deren Mutter am Mittwoch bei einem Tötungsdelikt ums Leben kam, galt als vorläufig aufgenommen. Sie hat vor einigen Jahren einen negativen Asylentscheid erhalten, musste jedoch aus humanitären Gründen nicht ausreisen.

Am Mittwochmorgen wurde in Gipf-Oberfrick die Leiche einer Afghanin (30) gefunden. Sie lag im Garten eines Einfamilienhauses. Der Ehemann (40) wurde verhaftet. Ihre drei Kinder waren zur Zeit der Tat in der Schule. Der Vater wird dringend verdächtigt, seine Frau erstochen zu haben. Er war noch am Tatort, als die Polizei eintraf und liess sich widerstandslos festnehmen.

Am Tag nach dem tragischen Familiendrama in Gipf-Oberfrick meldet sich der Gemeinderat zu Wort. Das schreckliche Tötungsdelikt wirke immer noch nach.

Familiendrama Gipf-Oberfrick: Gemeinde kümmert sich um Kinder (Tele M1, 5.11.2015)

Ammann Regine Leutwyler: «Den Kindern geht es den Umständen entsprechend nicht gut»

Die Familie habe seit bald fünf Jahren in der Schweiz und seit vier Jahren in Gipf-Oberfrick gelebt. Sie gilt als «vorläufig aufgenommen». «Die Familie hat vor einigen Jahren einen negativen Asylentscheid erhalten, musste jedoch aus humanitären Gründen nicht ausreisen», schreibt der Gemeinderat in einer Mitteilung.

Was bedeutet das genau? «Das Staatssekretariat für Migration (SEM) verfügt eine vorläufige Aufnahme, wenn der Vollzug der Wegweisung unmöglich, unzulässig oder unzumutbar ist», erklärt Doris Richner vom Amt für Migration und Integration.

«Ich habe ihn mit blutigem Fuss auf dem Bänkli sitzen sehen»: So reagieren Nachbarn und Gemeindeammann auf die Bluttat von Gipf-Oberfrick.

«Ich habe ihn mit blutigem Fuss auf dem Bänkli sitzen sehen»: So reagieren Nachbarn und Gemeindeammann auf die Bluttat von Gipf-Oberfrick.

Dies kann aus technischen Gründen der Fall sein, wenn es also keine Ausreisemöglichkeit gibt, oder aufgrund der Situation im Zielland:

Eine Ausschaffung ist unzumutbar, wenn die Schweiz mit der Ausschaffung ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen verletzen würde oder die ausreisende Person im Zielland durch Krieg, einen Zustand der allgemeinen Gewalt oder eine medizinische Notlage gefährdet wird.

Eine vorläufig aufgenommene Person darf so lange bleiben, bis sich die Situation im Herkunftsland ändert. Die Migrationsstelle in Bern überprüft periodisch, ob die Voraussetzungen für eine vorläufige Aufnahme noch gegeben sind.

Diese kann aufgehoben werden, wenn eine aufgenommene Person zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde oder sie die Sicherheit gefährdet. Mit Afghanistan besteht ein Rückübernahme-Abkommen. Dies bedeutet, dass Afghanistan verpflichtet ist, einen Staatsangehörigen einreisen zu lassen, wenn diese Person als Bürger identifiziert werden kann.

Im Garten dieses Einfamilienhauses in Gipf-Oberfrick ist die Asylbewerberin am Mittwochmorgen tot aufgefunden worden

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Suche nach geeignetem Platz

Was passiert mit den Kindern der getöteten Mutter, wenn ihr Vater ausgewiesen würde? «Dieser Fall müsste zuerst geprüft werden. Wir können derzeit keine Aussage dazu machen», sagt Lea Werthmeier, Pressesprecherin des SEM.

Eine Wegweisung des Vaters nach einer Verurteilung ist also möglich, aber nicht zwingend, genauso unklar ist, ob die drei Kinder langfristig bleiben könnten. Sie wurden mittlerweile von der Schulsozialarbeiterin und einem Care-Team in ein Kinderheim gebracht und betreut. «Besuche und Kontakte durch nahestehende Bezugspersonen, frühere Lehrer und die Gemeinde werden gepflegt», so der Gemeinderat.

Von der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde wurde bereits ein Beistand eingesetzt. Dieser wird unter Einbezug der Gemeinde die weiteren Schritte festlegen. Dazu gehören die Suche nach einem geeigneten Platz für die Kinder sowie die mittel- bis langfristige Nachbetreuung. Darin einbezogen werden die Kinder selber wie auch Bekannte aus dem Umfeld der Familie. Man sei bestrebt, sie rasch wieder einzuschulen und über längere Zeit hinweg nachhaltig zu betreuen, schreibt der Gemeinderat.

«Besonders tragisch an diesem Tötungsdelikt sind die drei schulpflichtigen Kinder», sagt Kapo-Sprecher Bernhard Graser im Interview mit Tele M1.

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