Prozess in Laufenburg
Fahrlässig Brand verursacht: Gericht reduziert Strafe für Hausbewohnerin

Eine 55-jährige Frau hat im September 2015 fahrlässig ein Feuer in einem Mehrfamilienhaus in Gipf-Oberfrick verursacht. Dieser Ansicht ist das Bezirksgericht – und reduziert die Strafe dennoch.

Marc Fischer
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Im September brannte es in einem Sechsfamilienhaus in Gipf-Oberfrick. Die Feuerwehr brachte den Brand rasch unter Kontrolle, dennoch zerstörten die Flammen die betroffene Wohnung. Es entstand Sachschaden von rund 162 000 Franken am Gebäude und 91 000 am Mobiliar. Gestern stand nun die Bewohnerin der Wohnung in Laufenburg vor dem Bezirksgericht. Sie hatte gegen einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg rekurriert. Einerseits fürchtet sie um ihren Job, da der Arbeitgeber einen sauberen Strafregisterauszug fordert. Andererseits stehen Regressforderungen der Gebäudeversicherung im Raum.

Neben einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 120 Franken hatte die Staatsanwaltschaft auch eine Busse von 1300 Franken verhängt. Der Grund: Die Beschuldigte habe die Feuersbrunst fahrlässig verursacht. Die Begehung des Brandplatzes habe ergeben, dass der Drehschalter einer Herdplatte auf Stufe sechs gedreht war. «Auf der Herdplatte waren Restanzen einer Fritteuse sowie von Textilien zu erkennen», heisst es im Strafbefehl, der auf die Brandschutzrichtlinie der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen Bezug nimmt. Dort heisst es: «Behälter mit brennbaren Gasen sowie andere brennbare Materialien müssen von (...) Kochherden, elektrischen Einrichtungen und dergleichen so weit entfernt sein, dass keine Brand- oder Explosionsgefahr entstehen kann».

Kritik an Staatsanwaltschaft

Der Verteidiger der Beschuldigten liess jedoch kein gutes Haar am Strafbefehl. Die Brandschutzrichtlinie etwa gelte für Betriebe und Baustellen und sei für Privathaushalte nicht anwendbar. Zudem handle sich um eine «wirre Darstellung» des Sachverhalts und der Ablauf bleibe «schlicht Spekulation».

Tatsächlich blieb auch in der Verhandlung unklar, wie der Herd eingeschaltet wurde. Eine unabsichtliche Berührung des leicht drehbaren Schalters mit Jacke oder Tasche stand ebenso im Raum wie einer der beiden Hunde als «Täter». «Ich kann weder mich noch den Hund ausschliessen», so die Beschuldigte. Der Kausalzusammenhang zwischen den Gegenständen auf den nicht geheizten Herdplatten und der Brandursache werde nicht erwiesen, monierte der Verteidiger weiter und fragte: «Wäre ein Lappen nicht ganz verbrannt, wenn er das Feuer ausgelöst hätte?» Es gebe Zweifel am Sachverhalt, betonte er – und forderte Freispruch. «Sollte es gleichwohl zu einem Schuldspruch kommen, ist wegen der eigenen Betroffenheit von einer Bestrafung abzusehen», schloss er sein Plädoyer. Seine Mandantin habe schliesslich schon all ihr Hab und Gut verloren.

Einen Freispruch erreichte er nicht. Die Brandschutzrichtlinie könne sinngemäss auch auf Private angewandt werden, so Gerichtspräsident Beat Ackle, zumal sie «auf allgemeiner Lebenserfahrung beruht». Auch sei nicht ausschlaggebend, wo genau sich die Gegenstände befunden hätten, sie seien jedenfalls nicht weit genug entfernt gewesen. Allerdings wertete Ackle das Verschulden als «sehr kleine Fahrlässigkeit». Er reduzierte die Strafe deshalb deutlich: Die Busse hob er auf, da «ein weiterer Denkzettel nicht nötig ist», die bedingte Geldstrafe reduzierte er auf zehn Tagessätze. Die Regressforderung verwies er auf den Zivilweg und merkte an: «Meiner Meinung nach müsste die stark reduzierte Strafe hier einen Einfluss haben.»