Frick
Evelyne Binsack: Mit der Kamera auf den höchsten Berg der Welt

Evelyne Binsack ist diplomierte Bergführerin und Helikopter-Pilotin. Als jüngstes Projekt liess sie einen Dokumentarfilm über die Willenskraft des Menschen entstehen. Am Samstagabend präsentierte sie ihn in Frick.

Patricia Streib
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Evelyne Binsack kommentierte ihre Dokumentation live.

Evelyne Binsack kommentierte ihre Dokumentation live.

Patricia Streib

Evelyne Binsack erklomm als erste Schweizer Frau den Mount Everest und reiste in 484 Tagen zu Fuss und mit dem Fahrrad an den Südpol. Am Samstagabend präsentierte sie ihn in Frick ihr neuestes Projekt, einen Dokumentarfilm, und berichtete authentisch, wie daraus auch eine persönliche Geschichte und wertvolle Erkenntnis entstehen durfte.

Ausgebildete Dokumentarfilmerin

«Das Thema Willenskraft hat mich schon immer fasziniert», berichtete die faszinierende Persönlichkeit, die es bereits in jungen Jahren liebte, im Sport an ihre Grenzen zu gehen. Als Evelyne Binsack im Jahre 2010 einen Achttausender besteigen wollte, musste sie feststellen, dass sie zwei Jahre nach der kräfteraubenden Expedition ein anderer Mensch geworden ist, ihr Körper plötzlich nicht mehr bereit war, die Extremleistung zu vollbringen und ihr auch jegliche Freude fehlte.

Es entstand der Entschluss, eine Dokumentation über die Willenskraft des Menschen zu realisieren. Sie liess sich in Los Angeles zur Dokumentarfilmerin ausbilden und als Symbol für den grössten Willen des Menschen wählte sie den höchsten Berg der Welt, den Mount Everest. 2013 brach sie dorthin auf, um vor Ort herauszufinden, was den Menschen antreibt, dieses hohe Ziel, das Besteigen des höchsten Gipfels der Welt, zu erreichen.

In Eislawine geraten

In ihrer eindrücklich und authentisch live kommentierten Dokumentation liess Binsack, eingebettet in faszinierende Aufnahmen, verschiedene Menschen zu Wort kommen. Zum Teil waren es tiefgreifende persönliche Schicksale – beispielsweise eine Bergsteigerin, die die Asche ihres verstorbenen Mannes, der es zu Lebzeiten nie auf den Gipfel geschafft hatte, auf den Berg trug.

Der Film zeigt aber auch, dass sich beim Entstehen der Dokumentation, zum Teil sehr Trauriges ereignete: So verlor Binsack einen guten Freund, der abstürzte, und geriet selber in eine Eislawine. Nur knapp entkam sie dabei dem Tod. Die Folge war eine schwere Entzündung der Bronchien durch den Eisstaub.

Die Tatsache, dass sie selbst den Gipfel wegen ihrer Erkrankung nicht besteigen konnte, liess sie zur Erkenntnis kommen, dass ihre Willenskraft da war, der Überlebenswille stärker gewesen war und dass ein Scheitern, ihrem Empfinden nach, auch gut sein kann.