Stein/Bad Säckingen
Europas längste Holzbrücke wird von unten untersucht

Die Sanierung der Holzbrücke steht rund alle 20 Jahre auf dem Plan, nächstes Jahr ist es wieder so weit. 1,3 Millionen Mark kostete die Massnahme anno 1992/93, so Peter Weiss, stellvertretender Amtsleiter des Bad Säckinger Stadtbauamtes.

Tanja Oldenburg
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Zwischen zwei Pfeilern der Holzbrücke ist derzeit ein Gerüst angebracht.

Zwischen zwei Pfeilern der Holzbrücke ist derzeit ein Gerüst angebracht.

Tanja Oldenburg

Ihr Kot trifft die europäische Brückenkultur mitten ins Herz: Die Tauben sind für die Bad Säckinger Holzbrücke ein grosses Problem. Wenn nicht gar das Grösste. Walter Zumstein, Vizeammann von Stein, haut mit der Faust gegen die hölzerne Wand hinter ihm.

Das Gurren setzt für einen kurzen Moment aus. Da taucht das gut gelaunte Gesicht von Wolfram Graubner aus der Bodenluke auf. Die Hände der 15 Umstehenden auf der Holzbrücke schüttelt der Fachberater aus Herrischried mit Verweis auf den Taubenkot lieber nicht.

Gerüst für die Voruntersuchung

Alle 20 bis 25 Jahre steht eine Sanierung der längsten gedeckten Holzbrücke Europas an. 1,3 Millionen Mark kostete die Massnahme anno 1992/93, so Peter Weiss, stellvertretender Amtsleiter des Bad Säckinger Stadtbauamtes.

Damit die Kosten in diesem Jahr besser zu kalkulieren und Fördermittel in der Schweiz und in Deutschland somit konkreter zu beantragen sind, wurde die Brücke erstmals auf einem Joch untergerüstet.

Ein Joch bezeichnet die Strecke von einem Brückenpfeiler zum nächsten. «Eine grossartige Idee», freut sich Isabel Haupt, stellvertretende Denkmalpflegerin im Kanton Aargau. Und fügt mit einem breiten Grinsen hinzu: «Die Brücke erzählt uns alles, was wir wissen wollen.»

Alle Anwesenden verschwinden beim Augenschein über eine Leiter durch die Luke nach unten. Dort wartet eine knapp 90 Zentimeter hohe Betonöffnung.

Beherzt hochziehen, bäuchlings drauflegen, Beine auf die andere Seite schwingen und darauf vertrauen, auf dem etwa ein Meter breiten Gerüststeg auch sicher zu landen. Fünf Meter weiter unten tost der blaugrüne Rhein um die Brückenpfeiler.

Und Wolfram Graubner strahlt. Er läuft mehrere Meter langen Steg vorneweg, als ginge er durch sein Wohnzimmer. Hinter ihm Statiker, Zimmerleute, Steinmetz, Vertreter des Freiburger Regierungspräsidiums und Korrosionsexperten. Es wird eng.

Und dann wird gehämmert, gefachsimpelt und fotografiert. Graubner zeigt auf Taubenkotberge, teilweise 20 Zentimeter hoch. Grau und eklig. Sie häufen sich zwischen den Querbalken zu Türmen und greifen mit ihrem Säuregehalt das Holz an.

Taubenkot greift das Material an

Am Ende des mit einem äusserst schlichten Geländer gesicherten Stegs zeigt sich, was Wolfram Graubner oben auf der Brücke bereits schon angesprochen hatte: Der nicht öffentliche Teil der Brücke ist sanierungsbedürftig, aber in besserem Zustand, als befürchtet.

Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Korrosionsschutz. Manche Stahlbauteile stammen noch aus der Bauzeit anno 1799. Wasser und Wind treiben hier ihr Unwesen. Und: Der Taubenkot greift das Material an. Er ist überall ein Problem. Die in der Stahlstrebe unter der Brücke brütende Taube zeigt sich davon allerdings gänzlich unbeeindruckt.

Die Betonpfeiler leiden neben den üblichen Einflüssen ebenfalls unter dem Vogeldreck. Und die Fugen an den Pfeilern bröckeln stellenweise, lassen Wasser durch. Das Holz der Brücke jedoch sei so weit gut, so Graubner.

Er war bei der Sanierung der Brücke vor 20 Jahren schon dabei. An der Wetterseite sind ebenfalls Sanierungsarbeiten notwendig, unter anderem sind drei Holzstützen in und ausserhalb der Brücke zu ersetzen. Das Credo jedoch immer: Gründlich reinigen. Überall. «Der Taubenkot muss weg», sagt Graubner eindringlich.

Kritisch mustert Isabel Haupt des Heiligen einstmals weisses und nun dezent graues Gewand. Der Nepomuk steht leidlich sauber in einer sanierungsbedürftigen Kapelle, wie die Ausbuchtungen für die Heiligen genannt werden.

Regen und schlechte Abläufe haben den Boden durchweicht. «Irgendwann bricht die Figur durch», warnt Andreas Hagedorn, geprüfter Restaurator.

Nach dreieinhalb Stunden ist die gründliche Bestandsaufnahme beendet. Nun werden die Ergebnisse ausgearbeitet und Förderanträge gestellt, damit die eigentliche Sanierung nach den Sommerferien 2014 beginnen kann.