Die Ideengeber aus dem Rheinfelder Rathaus und der Investor sind sich einig: Bei dem angedachten Kieswerk im «Chleigrüt» und dem in den nächsten Jahrzehnten bis 2046 geplanten Kiesabbau auf dem Areal Grossgrüt handelt es sich um ein Generationenprojekt.

Davon können einerseits Einwohner- und Ortsbürgergemeinde Rheinfelden sowie wenige private Grundeigentümer profitieren, andererseits auch das untere Fricktal mit angrenzenden Regionen als Kiesverwerter.

Mit im Boot sitzt vor allem die Schweizer Holcim AG, international agierender Spezialist für Kies, Zement und Transportbeton, der in der Schweiz beispielsweise 16 Kiesgruben und Steinbrüche sowie 36 Betonwerke unterhält.

Dass dieses Unternehmen einen «effektiven Standort» im Osten von Rheinfelden wünscht, kommt nicht von ungefähr: Holcim baut bereits im Chleigrüt Kies ab, muss diesen allerdings noch per Lastwagen ins Kieswerk nach Eiken transportieren. Umständlich und wenig umweltfreundlich.

«Ökologisch gescheites Projekt»

Dies hörten auch die rund 40 Interessierten an einer von der Stadt angebotenen Info-Veranstaltung am Donnerstagabend im Kurbrunnensaal. Dass von der Idee bis zum vollendeten Projekt noch ein steiniger Weg zu beschreiten sei, räumte Stadtammann Franco Mazzi unumwunden ein.

Angesichts von geplanten Investitionen «in zweistelliger Millionenhöhe» wünscht Holcim eine langfristig angelegte Versorgungssicherheit für den Rohstoff Kies. «Das ist im Grossgrüt gegeben», sagte Mazzi und fügte an: «Ein Betonwerk wird es jedenfalls nicht geben.»

In Rheinfelden sei schon immer Kies abgebaut und die Gruben seien dann wieder rekultiviert worden, rief er in Erinnerung. Dass die Bevölkerung in den kommenden Jahren im Zuge komplizierter Genehmigungsverfahren eine Art Abstimmungsmarathon in Sachen Kiesabbau hinlegen muss, verschwieg der Stadtammann keineswegs.

Er appellierte schon jetzt an Einwohner wie Ortsbürger, an der nächsten Sommergmeind dem erforderlichen Dienstbarkeitsvertrag mit Holcim zuzustimmen. «Es ist ein ökologisch gescheites Projekt», so Mazzi.

Kiesversorgung sicherstellen

«Was ist denn davon zu halten, wenn wir jetzt eine Landwirtschaftszone aufbohren?», fragte Moderator Adrian Kohler. Stadtoberförster Kurt Steck riet eindringlich, die Chance wahrzunehmen, um die Kiesversorgung im unteren Fricktal sicherzustellen und ausufernden Schwerverkehr durch drohende Kiestransporte aus dem Südbadischen oder dem Elsass zu vermeiden.

Schliesslich erfolge später wieder eine Rekultivierung. «Die finanziellen Aspekte sind eher zweitrangig», sprach er zu erwartende Jahreseinnahmen von bis zu einer Million Franken für Einwohner- und Ortsbürgergemeinde an.

«Kies ist einer der wenigen eigenen Rohstoffe in der Schweiz», betonte Ingo Steinberger, Geologe und Rohstoffexperte bei Holcim, der an diesem Info-Abend technische und strategische Details darlegte.

Sein Holcim-Kollege Dennis Schneider fungiert als Projektleiter und versicherte, ein Marktbedarf sei gegeben, es werde nicht mehr Verkehrsbewegungen als bislang geben, für die heimische Wirtschaft böten der Kiesabbau und das Kieswerk eine Chance: «Der Standort mit seiner Nähe zum Rohstoff ist ideal.»