Frick

Es war eine schöne Präsentation – mit sehr viel Charme

Pedro Lenz präsentierte seinen neuen Mundartroman «Di schöni Fanny».

Pedro Lenz präsentierte seinen neuen Mundartroman «Di schöni Fanny».

Der bekannte Buchautor Pedro Lenz präsentierte in Frick seinen neusten Roman. Geschrieben ist er in Mundart und heisst «Di schöni Fanny».

Der Roman «Der Goalie bin ig» hat ihn bekannt gemacht, der gleichnamige Kinofilm dazu noch bekannter, weshalb er – wie am Mittwochabend in Fricks Monti – keine Mühe hat, einen Saal zu füllen. Pedro Lenz, gebürtiger Langenthaler, gehört heute zu den bekanntesten und offenbar beliebtesten Schweizer Schriftstellern. Jedenfalls erhielt er einen Sympathievorschuss des Fricker Publikums, als er zusammen mit dem Musiker Christian Brantschen die Bühne in Fricks Monti betrat. Es wurde ein unspektakulärer, aber feinsinniger Auftritt des Schweizer Schriftstellers.

Lenz im kastanienroten Anzug an den Worten, Brantschen von der Berner Band Patent Ochsner an den Tasten, mehr war nicht: Das Duo kam ohne Firlefanz aus. Klar, das Wasserglas war da, es stand am Boden beim Mikrofon, kerzengerade wie Lenz, der während des ganzen Auftritts ohne Stuhl auskam. Er ist ja noch jung, Jahrgang 1965, weiss sich aber auch zu bewegen im Stehen, im Rhythmus zu Brantschens Tastenspielerei oder seinem eigenen Text.

Seit diesem Oktober sind die beiden auf der «Fanny-Tour», dem Bühnenprogramm zum Mundartroman «Di schöni Fanny». Das Buch ist neulich erschienen, erste Auflage, 184 Seiten, gebunden, schön anzufassen.

Rhythmische Performance

Der Inhalt eine vom Verlag als «tragisch-komisch» bezeichnete Geschichte von drei Künstlern in Olten: Schriftsteller Jackpot und die beiden Maler Louis und Grunz werden durch die Präsenz der schönen Fanny durcheinandergewirbelt. Die Männerfreundschaft kommt ins Wanken, das Leben wechselt häufiger denn je den Kurs.

Einer der Helden, der Schriftsteller, ist sicher verliebt, wer sonst noch, war nicht Gegenstand der Lesung im Fricks Monti. Pedro Lenz las sich mit sonorer Stimme durch den Roman, verlieh mit Auszügen daraus eine Ahnung der Ereignisse, während Christian Brantschen den Soundtrack beisteuerte. So wurde aus der Lesung eine Performance, ohne laufende Bilder zwar, aber wozu hat man Fantasie.

Rhythmisch tasteten sich die Herren auf der Bühne voran, durch Alltagsszenen, durch Tragisches und Komisches, um wo zu landen? An der Aare natürlich, wo sonst, an der ewigen, schönen Aare, und wo sie überall durchfliesst, Olten, Brugg, Aarau, und was sie alles frisst, Kinder, Hunde, Fahrräder, frisch frisierte Frauenverführer vielleicht, wer weiss. Wenn nur immer etwas geht, beim Spaziergang an der Aare, oder am Creux du Van, dem Felsenkessel im Jura, einem anderen Spielort in «Di schöni Fanny».

Lenz liest, wie Cohen singt

Pedro Lenz las, wie andere singen, wie Bob Dylan, Leonard Cohen. Manchmal las er wie ein Rapper, «grüessech, grüessech mitenander, schöns Wetter hüt, grüessech, grüessech Herr Soundso», tänzelte dazu, gestikulierte, rührte sich aber sonst kaum vom Fleck. Optisch war der Auftritt das pure Gegenteil einer durchgestylten Choreografie. Aber Charme hatte das, was Lenz und Brantschen darboten, viel Charme.

Nach zwei Stunden war Schluss, dicker Applaus, keine Zugabe, stattdessen ein freundliches «Dankeschön» vom Mann im kastanienroten Anzug und drei Verbeugungen. Pedro Lenz und Christian Brantschen ziehen weiter, heute Abend sind sie in Ferrenberg ob Wynigen, live im «Wilden Mann». Hinfahren ist aber leider zwecklos, denn dieser Auftritt ist ausverkauft. Wie so viele Auftritte danach.

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