Rheinfelden
«Es war ein Riesen-Fehler» – Ehepaar prellt Vermieter um 25'500 Franken

Wegen Betrugs, Urkundenfälschung und Irreführung der Rechtspflege wird ein italienisches Paar zu Geldstrafen verurteilt.

Dennis Kalt
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Die Angeklagte legte dem Vermieter gefälschte Banküberweisungen und Quittungen vor.

Die Angeklagte legte dem Vermieter gefälschte Banküberweisungen und Quittungen vor.

watson.ch

25'500 Franken beträgt die Summe, auf der ein Vermieter sitzen geblieben ist, weil er von einem italienischen Ehepaar hinters Licht geführt wurde. Hauptangeklagte im Prozess vor dem Bezirksgericht Rheinfelden ist die Ehefrau, 29, der Betrug und mehrfache Urkundenfälschung vorgeworfen werden. Ihr Mann, 31, muss sich wegen Irreführung der Rechtspflege und Begünstigung verantworten.

Die Staatsanwaltschaft fordert für ihn eine bedingte Geldstrafe in Höhe von 4200 Franken sowie eine Busse von 1050 Franken und für seine Ehefrau eine bedingte Geldstrafe in Höhe von 3000 Franken sowie eine Busse von 750 Franken.

Konkret soll die Angeklagte laut Staatsanwaltschaft Betreibungsregisterauszüge von sich und ihrem Ehemann gefälscht haben, um die Zusage für eine Mietwohnung im unteren Fricktal zu erhalten. Dies vor dem Hintergrund, dass das Ehepaar hohe Schulden hat. Zudem habe die Beschuldigte Lohnausweise ihres Ehemannes und von sich selbst mit einem Computerprogramm so angepasst, dass diese eine höhere Lohnsumme aufwiesen. «Wenn sich für eine Wohnung zehn Familien bewerben, dann hat man keine Chancen, wenn man einen Schuldeintrag hat», erklärte sich die Angeklagte vor Gericht.

Banküberweisung gefälscht

Weil die Kosten für die Wohnung die finanziellen Mittel des Ehepaares überstiegen, geriet es schon bald in Mietzinsrückstand. So fälschte die Beschuldigte eine Quittung einer Posteinzahlung an ihren Vermieter. Hierfür zahlte die Angeklagte zehn Franken auf der Post ein. Nachdem die Post die Quittung des Empfangsscheins abgestempelt hatte, änderte die Angeklagte den Betrag auf der Quittung eigenhändig in 10'000 Franken um und leitete ein Bild von dieser an den Vermieter weiter.

Ebenso legte sie neun Monate später dem Vermieter eine gefälschte Banküberweisung in Höhe von 25'000 Franken vor. Sie fälschte diese, indem sie eine alte Überweisung verwendete und auf dieser mit einem Computerprogramm die Koordinaten des Vermieters und die entsprechende Geldsumme einfügte.

«Wenn ich dies rückgängig machen könnte, würde ich es sofort tun. Es war ein Riesen-Fehler», sagte sie und schob nach, dass sie dadurch die Kündigung durch den Vermieter verhindern und ihre Familie schützen wollte.

Ihr Ehemann, der in der Befragung durch die Polizei angegeben hatte, die Betreibungsregisterauszüge und Lohnnachweise selbst gefälscht zu haben, entschuldigte sich für seine Falschaussage. «Ich wollte, dass wenn etwas passiert, unsere Kinder noch ihre Mutter haben», sagte er.
Gerichtspräsidentin Regula Lützelschwab folgte in ihrem Urteil weitestgehend den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Den Angeklagten verurteilte sie zu einer bedingten Geldstrafe in Höhe von 3500 Franken sowie einer Busse von 400 Franken.

Die Busse des Angeklagten fällt tiefer aus als von der Staatsanwaltschaft gefordert, weil seine Falschaussage auf einem «achtenswertes Motiv» gründet, erklärte Lützelschwab: Jenem, seine Ehefrau vor einer allfälligen Haftstrafe zu bewahren, damit diese für die gemeinsamen Kinder da sein kann. Die Angeklagte verurteilte Lützelschwab zu einer bedingten Geldstrafe von 3000 Franken und einer Busse in der Höhe von 500 Franken.