Er nutzte seine Stellung als Drogist in einer Fricktaler Apotheke schamlos aus. Über 20 Mal gingen er und sein Freund an den Wochenenden in die Apotheke. Dort entwendeten sie Medikamente und Betäubungsmittel über ein halbes Jahr hinweg. Die Liste des Diebesgutes ist lang: Morphin, Viagra, Valium, Ritalin, Tramadol und mehr. Der Wert der entwendeten Arzneien, welche die beiden selbst konsumierten oder die der Drogist im Kollegenkreis verteilte und weiterverkaufte, beträgt über 11 000 Franken.

Am Mittwoch musste sich nun einer der Täter, der 22-jährige Freund des Drogisten, vor dem Bezirksgericht Rheinfelden verantworten. Dem Beschuldigten wird unter anderem mehrfacher Diebstahl, Hausfriedensbruch und unbefugter Konsum von Betäubungsmitteln vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung sowie eine Busse in Höhe von 2000 Franken.

«Es war ein positives Gefühl»

Der Angeklagte gibt die ihm zu Last gelegten Taten von Beginn an zu: «Ich habe sehr viel Energie und weiss manchmal nicht, was ich mache», erklärt der Beschuldigte, der unter ADHS und einer Aggressionsproblematik leidet. Er habe die Betäubungsmittel konsumiert, weil sie ihn entspannt und von Stress befreit hätten. «Ich konnte abschalten. Es war ein positives Gefühl», sagt er.

Die Idee, in die Apotheke einzubrechen, sei gleichermassen von ihm und dem Drogisten ausgegangen. «Man trinkt Alkohol, macht Blödsinn und fragt sich, wie man noch mehr Spass haben könnte. So hat das seinen Lauf genommen», erklärt der Angeklagte.
Angst, dass die Apotheken-Besitzerin plötzlich auftaucht und die beiden bei ihrer Diebestour erwischen könnte, habe er zwar gehabt, die möglichen Konsequenzen seiner Tat habe er jedoch verdrängt. «Es war für mich auch ein Kick», sagt der Angeklagte.

Buchungssystem manipuliert

Aufgeflogen sind die beiden erst nach einem halben Jahr. Die Diebestouren am Wochenende blieben so lange unbemerkt, weil der Drogist die entwendeten Arzneimittel im System auf verschiedene Kunden verbuchte, das Datum der Buchung sowie Unterschriften fälschte. Erst als der Drogist versehentlich nicht unter seinem, sondern unter dem Namen einer anderen Apotheken-Angestellten Medikamente ausbuchte, flog der Betrug auf.

Der Verteidiger des Angeklagten hielt die geforderte Strafe der Staatsanwaltschaft für zu hoch. In seinem Plädoyer führte er aus, dass sein Mandant «nur Mithelfer, aber nicht Mittäter» sei. Die Fäden habe alleine der Drogist gezogen, der den Schlüssel zur Apotheke besass und die Lagerbuchhaltung manipuliert hat. «Der Drogist hätte die Taten auch ohne meinen Mandanten ausführen können. Dazu hat es niemanden gebraucht, der Schmiere steht», argumentierte der Verteidiger, der eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten auf Bewährung sowie eine Busse von 500 Franken für angemessen hält.

Gerichtspräsidentin Regula Lützelschwab ist anderer Auffassung. Sie sieht den Tatbeitrag des Angeklagten «als durchaus erheblich» an. Zudem sei er sich seiner Taten bewusst gewesen. Dies weil er nicht nur einmal, sondern rund 20 Mal in die Apotheke gegangen ist. «Es ist eine Qualität an Verbrechen erreicht, bei der einer Geldstrafe nicht mehr ausreicht», so Lützelschwab. Sie verurteilt den Angeklagten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von sieben Monaten und einer Geldstrafe in Höhe von 500 Franken.