Fricktal
Es knistert im Gebälk: Den Fricktaler Feuerwehren gehen die Leute aus

Rund 20 Mitglieder fehlen in Herznach und Ueken. Auch andernorts ist es eng. Zwangsrekrutierung sei aber nicht die Lösung, sagt Kommandant Patrick Brogle. Er hofft jetzt auf den kommenden Informationsanlass.

Nadine Böni
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Alarm für die Stützpunktfeuerwehr Frick: Pfarrhaus auf dem Rampart ist im Rauch verschwunden. (Archiv)

Alarm für die Stützpunktfeuerwehr Frick: Pfarrhaus auf dem Rampart ist im Rauch verschwunden. (Archiv)

Geübt ist sie im Kampf gegen die Flammen. Jetzt aber ist sie an einer anderen Front gefordert. Ab Januar 2014 fehlen der Feuerwehr Herznach-Ueken 19 Mitglieder.

Es ist der Jahrgang 1969, der das 44. Altersjahr vollendet und damit aus der Feuerwehrpflicht entlassen wird. Es sei «ein starker Jahrgang», sagt Kommandant Patrick Brogle. Hinzu kommen Wegzüge. Insgesamt werden 16 Personen keinen Dienst mehr leisten.

Für die Feuerwehr eine prekäre Situation: Bereits heute wird das Soll von 70 Mitgliedern knapp unterschritten (67). Ab Januar dann deutlich. So deutlich, dass auch die Toleranz von 12 Prozent, die die Aargauische Gebäudeversicherung (AGV) gewährt, unterschritten wird.

Hoffen auf Leute ab 30 Jahren

In ihrer Not steht die Feuerwehr Herznach-Ueken nicht alleine da. «Vermutlich haben rund drei Viertel der Ortsfeuerwehren Personalprobleme», sagt Brogle.

Bestätigt wird diese These von Andreas Fahrni, Vizekommandant der Stützpunktfeuerwehr Frick. Selber müssten sie im Moment zwar Interessierte abweisen. Vom regelmässigen Austausch mit anderen Kommandanten aber weiss er: «Der Mangel an Feuerwehrleuten ist im ganzen Kanton ein Riesenthema.»

Den Grund für den Mangel sieht Fahrni auch in einer gesellschaftlichen Entwicklung: «Wer arbeitet heutzutage noch im Wohnort?» Die Rekrutierung sei also nur der eine Punkt. «Die grosse Schwierigkeit ist, dann auch noch Leute zu finden, die tagsüber im Ort erreichbar und für einen Einsatz da sind», erklärt Fahrni.

Aus diesem Grund würden inzwischen auch Leute angeschrieben, die schon länger das Dienstpflichtalter von 20 Jahren erreicht hätten und nicht nur Junge, die eben ins Pflichtalter gekommen seien.

«Bei Personen ab 30 Jahren hofft man, dass sie an einem Ort sesshaft sind. Bei jungen Feuerwehrpflichtigen kommt es oft vor, dass sie beispielsweise anderswo studieren», sagt Fahrni.

Motivation fehlt bei Zwang

In Herznach und Ueken setzt man jetzt ebenfalls auf eine neue Rekrutierung. «Rund 400 Personen zwischen 20 und 35 Jahren sind angeschrieben worden», sagt Kommandant Brogle. Am 16. Oktober findet im Feuerwehrmagazin in Herznach ein Informations- und Rekrutierungsabend statt.

Was für Brogle nicht infrage kommt, ist ein Bestehen auf der Feuerwehrpflicht – also Leute zum Dienst zu zwingen. «Das werden wir nicht machen. Jemand, der gezwungen wird, dem fehlt die Motivation», sagt Brogle. Bereits heute gebe es Gemeinden, wo die Feuerwehren auf die Zwangsrekrutierung zurückgriffen, sagt Fahrni.«Es ist allerdings fragwürdig, ob den Feuerwehren damit geholfen ist.»

Auf dem Papier hätten die Feuerwehren dann zwar genügend Personal, «doch effektiv sind die Leute nicht da, sondern suchen Ausreden für ihr Fehlen», sagt Fahrni. Die Hoffnungen in Herznach und Ueken ruhen auf dem Rekrutierungsabend. «Da sollte sich doch jemand finden lassen, der Interesse am Feuerwehrdienst hat», sagt Brogle.